"Namus" und "Thar" - Eine Begriffsabgrenzung zur "Ehre"

Das Wort "Ehrenmord" zu verwenden hat etwas orwell'sches. Ein solcher Mord ist sowenig ehrenvoll, wie Krieg Frieden ist, oder Ignoranz Stärke ist.

Aber warum wird das Wort "Ehre" weiter verwendet, obwohl seine Bedeutung der verwendung diametral entgegensteht? Weil es sich etabliert hat? Weil wir keine anderen Worte kennen? Weil wir denen auf den Leim gegangen sind, die uns ihr Barbarentum als "Ehre" verkaufen wollen?

Kann sein, aber Abhilfe ist in Sicht, ich möchte euch zwei Alternativen vorstellen, um die Barberei nicht mehr in einem Atemzug mit "Ehre" zu nennen.

Namus

"Namus" geistert als Begriff immer mal wieder durch die Kommentarspalten des Internets und bezeichnet den nach aussen wirkenden Herrschaftsanspruch einer Familie über öffentliches Ansehen, Besitz und Verhalten ihrer Mitglieder, insbed. das Sexualverhalten der Frauen. Wer diesen seinen Herschaftsanspruch öffentlich verletzt sieht, spricht fälschlich von verletzter Ehre.

Insbesondere, und das sei Kulturrelativisten ins Stammbuch geschrieben, führt die Duldung oder das Ignorieren eines übergriffigen Namus-Wertesystems zu Benachteiligung, typischerweise von Frauen mit Migrationshintergrund.

Zur Abgrenzung:

Ehrenhaft ist es, das Recht anderer nicht zu übertreten, sondern vielleicht mit den Zähnen zu knirschen, aber z.B. anzuerkennen, dass eine Schwerster das Recht und die Freiheit hat, ihr Leben so zu gestalten, wie sie es selbst will. Jeder Versuch, das Recht und die Freiheit Anderer im Namen von "Namus" einzuschränken ist exakt das Gegenteil von Ehrenhaftigkeit und völlig inkompatibel mit einer Gesellschaftsordnung, in der jeder Mensch unabhängig von Stand und Herkunft die gleichen Entfaltungsmöglichkeiten haben soll.

Zwar gehen die wenigsten Menschen soweit, wegen "Namus" zu morden. Für jene, die aus diesem Motiv jedoch zum äußersten gehen, wäre die bezeichnung Namus-Mörder vielleicht geeigneter als "Ehren"mörder.

Ausführliches zu "Namus":

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Namus

Thar

"Thar" ist ein Vorschlag von Prof. Steven Dutch und lässt sich grob mit "Rache" oder "blutige Vergeltung" übersetzen. Dass für eine Verletzung des Ansehens, Blut fließen muss, ist in Thar-Kulturen keinesfalls die Ausnahme, sondern gesellschaftlich akzeptiert oder gar geboten, wenn eine Familie nicht als schwach, unsittlich und damit angreifbar dastehen will.

Für Thar-Morde ist es nicht ungewöhnlich, daß sie, heimtückisch, wie an Hatun Sürücü und/oder hinter verschlossenen Türen stattfinden. Wenn sie nicht nur innerfamiliär, sondern zwischen verschiedenen Familien mit Thar-Wertesystem stattfinden, entwickeln sich daraus mitunter generationenlange Blutfehden.

Die Thar-Kultur befördert die die Militarisierung der Familien in einer Situation, in der ihre Mitglieder glauben, daß eine übergeordnete Ordnung ihre Sicherheit und ihre Würde nicht ausreichend gewährleisten kann. Zugleich behindert diese Militarisierung eine übergeordneten, und damit konkurrierenden Ordnung. Ein Militär benötigt dabei funktionierende Befehlsketten. Individualrechte, freie Gedanken und individuelle Lebensentscheidungen treten hinter diese Befehlskette zurück und der Austritt ist nur durch den Tod möglich. So ist zu erklären, daß manche junge Männer als Thar-Mörder von ihren Familien wie Soldaten zur Tat entsendet werden.

Das Thar-Wertesystem existiert auch nicht solitär, sondern hat regional sehr kleinteilig verteilte Schnittmengen mit anderen Wertesystemen, die Thar nicht unterbinden können, dulden oder gar integrieren.

Zur Abgrenzung:

Dass Thar-Morde auch an Arglosen und Unbewaffneten stattfinden, ist ein wesentlicher Unterschied zu den vergangenen Duellen der mitteleuropäischen Oberschicht, die idealerweise auf Augenhöhe und mit gleichen Waffen stattfanden und der Konflikt mit dem Duell, zuweilen als "Gottesurteil" in der Regel als beendet galt. Auch war es in der Regel möglich zu kneifen, wenn auch um den Preis des Statusverlustes.

Weiterhin ist zu differenzieren von "Beziehungsdramen", "Familientragödien", und "Hass-" und "Eifersuchtsmorden", bei denen der Täter in der Regel im vollen Bewusstsein handelt, seine Tat vor keinem gesellschaftlich gültigem Wertesysteme rechtfertigen zu können.

Ausführliches zu "Thar":

Das Thar-Wertesystem wurde bereits 2001 von Prof. Steven Dutch in einem englischsprachigen Aufsatz seziert, der zwar inzwischen unter der Originalquelle depubliziert, aber noch archivarisch verfügbar ist:

https://web.archive.org/web/20160326153350/https://www.uwgb.edu/dutchs/PSEUDOSC/TOXICVAL.HTM/

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