Obwohl die Mehrzahl der Migranten in Deutschland gut integriert und friedlich lebt, bemühen sich einige Nazis nach Kräften, öffentlich das Bild vom "Kriminellen Ausländer" zu zeichnen, der in Drogengeschäfte, illegalen Waffenbesitz und kriminelle Clans verstrickt sei.

Unerwartete Schützenhilfe bekommen sie dabei von einer kleinen, aber sehr medienwirksamen Gruppe: Den Gangsterrappern. Auch wenn nicht alle einen Migrationshintergrund haben, ist er in diesem Genre doch überproportional vertreten und wer keinen hat, wählt und betont seine Worte gelegentlich so, als ob.

Gangsterrap ist für einige einfach nur "Entertainment", doch das findet nicht im luftleeren Raum statt.

Wenn die Stars der Szene dicken Karren, Stoff ticken, Waffen und ihren Gewaltfantasien rappen, prägen sie damit auch auf Migranten bezogene Stereotypen und Vorurteile.

Erfrischend ist da, daß sich nun 18 Rapper unter der Federführung von Azzi Memo zu einem Benefizsong wegen der rassistischen Morde von Hanau zusammengetan haben.

Der Song beginnt mit dem Wunsch, in diesem Land friedlich und ohne Waffen miteinander zu leben und es wird die Frage aufgeworfen woher der Rassismus kommt. Natürlich gibt es keine monokausalen Erklärungen, aber ein Teil der Antwort könnte in ihren sonstigen Werken verborgen liegen, in denen einige Protagonisten nicht soviel "Kreide gefuttert" haben.

(Es wird im folgenden wild und tendenziös mitten in die Stücke verlinkt, wer mehr Kontext möchte, muss zum Anfang zurückspulen.)

Glaubt man den ansonsten kursierenden Stücken, ist es mit dem Wunsch nach Pazifismus nicht ganz so weit her und weil die Knarre noch nicht reicht, gibt es auch noch 1.000 kurdische Cousins als Backup.

Sich in einem Land Sicherheit für die eigenen Kinder zu Wünschen ist ein frommer Wunsch. Pistolenschüsse, scheinbar wegen einer schnöden Rolex-Uhr tragen dazu allerdings nicht bei.

Nazis sind übrigens nicht die einzigen, die eine Stadt korrumpieren können. Jeder Achte wird schon an der Wahlurne schon zum Mörder. Aber ob "Picos" abziehen ein probates Mittel ist, noch Weitere davon abzuhalten?

Bei sovielen Mörderparteiwählern fühlt sich mancher wegen der Farbe seiner Haut abgelehnt. Dass es auch an der zur Schau gestellten Mentalität liegen könnte, daß er mit einer Sense fuchtelt und bei einem Streit Blut sehen will, kommt ihm nicht in den Sinn.

Schöner ist es da, Verständigung statt Hass zu schaffen. Die Verständigung könnte allerdings recht unilateral ausfallen, nachdem den "Schlangen" der Kopf abgeschlagen wurde. Na dann gibt es wenigstens keine Widerworte.

Der Umstand, dass Nazis wohl nicht die einzigen sind die gerne scharf schießen, ist dabei derart trivial, daß er von mehr als einem Rapper bemerkt wird.

Es gäbe noch mehr Beispiele, aber die wiederholen sich inhaltlich oft. Klischee³. Klar ist, dass nicht alle Beteiligte an dem Benefizsong solche Gewaltfantasien rappen und dass die kriminelle Aura, mit denen sich die Gangsterrapper umgeben, oft nur Teil ihres Business ist.

Wer von den Gangsterrappern zur Selbstreflexion fähig ist, muss jedoch erkennen, daß die Lila Scheine, die er da scheffelt, mitunter Blutgeld sind, das Opfer fordert. Er muss erkennen, dass die grellen Klischess, die er über Migranten zeichnet, Steine für eingie Unverbesserliche sind, um die Straße in eine rassistische Gesellschaft zu pflastern.

Was helfen könnte, ist eine andere Haltung, weg von "Ich mach' dich platt" hin zu einem "Hör mir zu".

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Dieter Knoflach

Dieter Knoflach bewertete diesen Eintrag 13.04.2020 12:43:33

Michel Skala

Michel Skala bewertete diesen Eintrag 13.04.2020 07:55:53

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