Als der 2. Golfkrieg begann (USA vs. Irak vs. Kuweit), war ich noch ein Kind. Ich wusste nicht viel über die Welt. Ich "wusste" nur, dass es ein Land namens Irak gibt, dessen Anführer mit seinen buschigen Augenbrauen so böse gucken konnte und dass er, wie einst Herodes in der Bibel, gerne seine Soldaten losschickt, um kleine Kinder zu töten.

Wir Grundschulkinder mussten wegen diesem Krieg alle ganz traurig sein. Wir durften kein Karneval feiern. Es gab keine Süßigkeiten, aber die Oma von einem Mitschüler hat sich wegen dem Krieg 25 Kilo Zucker gekauft. Und in der Kirche sprachen wir Fürbitten, damit der Krieg im Irak aufhört. Weiter hat es mich damals nicht tangiert.

Ich frage mich, wie Kinder heute wahrnehmen, wenn sie von einem Krieg in einem für sie fremden Land erfahren, sei z.B. es Jemen oder Syrien. Vielleicht bleibt es verschwommen. Nicht greifbar. Vielleicht gibt es ein Gesicht dazu, vielleicht Bashir al Assad, der so heimtückisch gucken kann.

Wäre dieser Krieg gegen ein anderes Land geführt worden, hätte ich mehr darüber gewusst. Wäre es gegen "Amerika" gegangen, hätte ich "gewusst", dass es dort Kindern gibt, die in Vorstädten Leben und mit ihrem BMX Rädern Verbrecher jagen. Ich hätte gewusst, dass es dort eine Stadt namens New York gibt, wo jedes Wohnhaus eine steile Treppe zur Tür hat und wo sich verrückte, aber gutmütige alte obdachlose Frauen um Tauben und verlorengegangene Kinder kümmern.

Ich hätte gewusst, dass amerikanische Kinder einen süssen kleinen Ausserirdischen bei sich zu Hause verstecken und beschützen würden.

Und ja, wenn jemand gegen Amerika Krieg geführt hätte, hätte ich meine Eltern vielleicht gefragt, warum jemand Bomben auf die Häuser all dieser netten Menschen werfen will.

Wenn es um den "Pax Americana" geht, den Frieden zwischen den USA und ihren Verbündeten, dann hilft der kulturelle Austausch über Musik, Filme, einen solchen Frieden in der Bevölkerung zu verankern. Ich nenne das mal "Pax Hollywood." Auch wenn es Filme gibt, die Militarismus fördern, so bleibt doch ein Friedensfördernder Effekt. Und ich denke, Pax Hollywood kann hierzu als Blaupause dienen.

Auch Bollywood und Manga, um nur mal zwei Beispiele nennen, zeigen, dass sie Begeisterung für andere Länder wecken können.

Wo medialer Austausch stattfindet, wo Menschen über Landesgrenzen hinweg gleiche Lieder singen, bei den Geschichten der Anderen mitfiebern, sich neuerdings auch im Internet austauschen, ihre Fotos weltweit teilen und gemeinsam online zocken, da ist es nicht mehr so leicht möglich, eine ganze Nation als böse dreinschauenden Mann zu personifizieren.

Anführer, die zumindest einen kalten Krieg wollen, erzählen lieber ihre eigene Version der Geschichte. Sie malen den bösen Mann, oder wahlweise den Grossen Satan an die Wand und verunglimpfen kulturelle Importe aus anderen Ländern als Feindpropaganda, entartete Kunst und schädlich für das eigene Volk.

Zugleich haben Länder, die aus innenpolitischen Gründen eine starke Zensur ausüben, medial wenig zu bieten.

Das macht es leicht, sie propagandistisch als eine Art Mordor darzustellen, ein Reich des Bösen, vollgestopft mit sabbernden Orks, die mit wutverzerrten Gesichtern auf Demonstrationen Flaggen und sonstiges verbrennen.

Und wer wirklich ich ein finsterer Diktator ist, allerdings fürchtet, dass sein Land demnächst auch mal "zwangsdemokratisiert" wird, tut gut daran, ein paar internationale Filmemacher einzuladen, auch wenn das Ergebnis innenpolitisch blamabel ist.

Denn wenn mal etwas rüberschwappt, sind es oft die Medien jenseits der Regierungslinie, die uns die Menschen aus anderen Ländern näher bringen und sympathisch machen können. Es sind die grossen und kleinen subversiven Kämpfe der Menschen mit ihrem Umfeld, ihr Unbehagen mit den Weisungen von "oben" und die kleinen Nettigkeiten, die sich gegenseitig tun. Fast jeder Mensch auf der Welt kennt das und kann sich damit identifizieren.

Filme gucken für den Weltfrieden - das wäre zu einfach. Aber es ist ein Puzzlestück und es kann dabei helfen, abseits des Mainstreams mal gezielt hinzuschauen, wenn irgendwo auf der Welt wieder ein Reich des Bösen aufgemacht werden soll.

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Wurschtbrot02

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Tourix

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