Religionsfreiheit für Kinder - Ein Plädoyer

Ermüdende Debatten um Kopftuchverbote, Beschneidungen, Sektenkinder und die vielen Kirchenaustritte könnte sich unsere Gesellschaft oftmals sparen, wenn die Religionsfreiheit konsequent für ALLE umgesetzt würde.

Also auch für Kinder!

Für die ist die Religionsfreiheit bis zu einem gewissen Alter faktisch nicht existent.

Statt dessen werden Kinder gern als Verfügungsmasse betrachtet, an denen Eltern ihre eigenen religiösen Bedürfnisse und Pflichten abarbeiten können.

Die Kinder selbst werden dabei entweder nicht gefragt, oder die handeln oft aus Vertrauen oder Gehorsam gegenüber ihren Eltern. "Nein heisst Nein" - Warum nicht auch als verbriefted Recht, "Nein" zu religiöser Erziehung zu sagen und bis zur Geschäftsfähigkeit keine religiösen Lebensentscheidungen auferlegt zu bekommen?

Thema Knabenbeschneidung

(Situation in Deutschland)

Religiöse Gemeinschaften, die Knabenbeschneidungen durchführen, argumentieren gern, dass Kinder ein Recht auf Zugehörigkeit zur Gemeinschaft ihre Eltern hätten, und dass dies den Kindern bei einem Beschneidungsverbot verwehrt sei.

Während das für den unreflektierten Leser schlüssig klingt, ist die Argumentation dahinter jedoch doppelbödig. Denn dadurch, dass diese Gemeinschaften die Beschneidung als Bedingungen für die Zugehörigkeit eines Kindes ansehen, bedeutet das im Umkehrschluss, dass sie unbeschnittene Knaben eben genau diese Zugehörigkeit, die sie zuvor noch als Recht formuliert haben, aktiv verweigern.

Das Urteil des Kölner Landgerichts, religiöse Knabenbeschneidung als Körperverletzung einzustufen, war konsequent und wegweisend. Aus politischen Gründen wurde das Recht auf körperliche Unversehrtheit bei Kindern religiöser Minderheiten jedoch dem "Rechtsfrieden" geopfert.

Kindstaufe und Kirchenmitgliedschaft

(Situation in Deutschland)

Während die Kindtaufe an sich keine nennenswerten Auswirkungen auf den Täufling hat, führt Sie jedoch dazu, dass dieser ohne Einwilligung Mitglied in einer Vereinigung wird, die zu einem späteren Zeitpunkt Steuern von ihm erhebt. Dies zu vermeiden, erfordert einen Kirchenaustritt, der seinerseits wiederum mit Kosten verbunden ist.

(Update: zur Klarstellung: Betrifft Deuschland, in Österreich lt. Kommentar kostenlos)

Banken lassen sich bei Volljährigkeit auch die Geschäftsverbindung bestätigen und beenden sie ansonsten. Für die Kirchen wäre ein solcher Realitätsabgleich auch nicht zu viel verlangt.

Kopftuchverbot an Schulen

(Situation in Österreich)

Während Kinder, von Knabenbeschneidung einmal abgesehen, ein Abwehrrecht gegen Körperverletzung haben, haben sie jedoch kein Abwehrrecht gegen psychische Gewalt durch religiösen Zwang. Eltern dürfen ihre Kinder in religiösen Angelegenheiten ganz legal bedrängen und ihnen sogar ewige Flammenfolter in der Hölle androhen.

Aus der Nachlässigkeit, Kinder nicht ausreichend gegen religiösen Zwang zu schützen, entstehen Situationen wie die in Österreich, dass von Gesetzes wegen gegen Kopftücher bei jungen Schülerinnen eingeschritten werden soll, weil eine Unfreiwilligkeit oder Internalisierung von Zwang (Stockholmsyndrom) unterstellt wird, die sicherlich nicht immer, aber in einer nicht zu vernachlässigenden Fallzahl gegeben ist. Aber anstatt Kinder direkt gegen religiösen Zwang zu schützen, wird bisher lediglich an den Symptomen herumgedoktort.

EIN Recht für ALLE

Mit einem entsprechenden, allgemeinen Abwehrrecht könnten Lehrer, andere Eltern und Behörden von Rechts wegen direkt einschreiten, wenn sie mitbekommen, dass ein Kind religiös bedrängt wird. Dann braucht es auch keine verfassungsrechtlich fragwürdigen Sondergesetze für bestimmte Religiöse Praktiken mehr.

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