...hatte eine alte Ölheizung. Die war mindestens 30 Jahre alt, wahrscheinlich nicht sehr effizient, und ihr ganzer Keller roch immer ein bisschen nach Heizöl.

Überhaupt war alles in ihrem Haus sehr alt, es gab eine Vielzahl von Küchengeräten, teils mechanisch mit Kurbel, teils elektrisch und aus diesem weissen, unverwüstlichen Hartplastik.

Sie fuhr keinen SUV, dafür viele Jahre einen weissen 70er Jahre VW Passat. Schick, mit abgeschrägten Heck, für heutige Verhältnisse recht winzig.

Als sie den durch einen Audi 80 austauschte, wurde der Passat noch von meiner Elternfamilie "aufgetragen".

Meine Oma gehörte nicht zur "Generation Wegwerfen". Es gab nicht alle zwei Jahre ein neues Mobiltelefon, sondern eines mit Wählscheibe, uralt und wieder aus Hartplastik, diesmal schwarz.

Sie musste selten mit dem Auto zum Bioladen, denn Äpfel, Nüsse, Pflaumen und Salat gab es alles bei ihr vor der Haustür. Ein guter Teil davon wurde eingemacht und stapelte sich in Einmachgläsern in dem nach Öl riechenden Keller.

Auch wenn wahrscheinlich alle Geräte im Haus, einschliesslich der Ölheizung, die Energieeffizienzklasse D- oder schlechter hatten, wurden durch die lange Nutzungsdauer der Geräte eine Menge Ressourcen eingespart, die sonst für die Produktion immer neuer Wegwerfgeräte draufgegangen wären.

Flugreisen oder Kreuzfahrten hat sie sich nie geleistet. Zum Arzt musste sie dafür öfter, auf dem Land war das nur per Auto in realistischer Zeit erreichbar.

Ihr ökologischer Fussabdruck war in der Gesamtbetrachtung wahrscheinlich weder besonders gut noch schlecht und sicher typisch für ihre Generation und soziale Schicht.

Jeder Mensch hat ein Recht auf berechtigte und respektvoll vorgetragene Kritik, um das eigene Verhalten hinterfragen zu können. Nur so kann ein Dialog darüber entstehen.

Pauschalisierungen sind sicher nicht der Weg dahin Bezeichnungen wie "Umweltsau" sind bei Menschen, die diese Ausdrucksweise nicht teilen, garantiert kontraproduktiv. Was hilft, ist Verständnis. Nicht immer richtig finden, was die Mitmenschen tun, aber verstehen (wollen!), warum.

Im englischsprachigen Raum gibt es dafür ein schönes Sprichwort. "Try walking in my shoes."

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Maila

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philip.blake

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