Vieles falsch bei der E-Auto Förderung

2020 soll in Deutschland die Förderung für E-Autos bis auf 6.000 Euro erhöht werden. Ein elektr. Kabinenroller kostet ca. 8.000 Euro. Eine schöne Gelegenheit, zu 1/4 des Preises in den Elektrischen Individualverkehr einzusteigen. Jedenfalls dachte ich mir das so in meiner Naivität.

Nur die Hälfte ist echte Förderung

Die 6.000 Euro gibt's garnicht vom Bund. Sondern nur maximal 3.000 Euro. Die Förderung setzt sich zur Hälfte aus Bundesmitteln und zur Hälfte aus einem als Förderung getarnten "Rabatt" vom Listenpreis zusammen, den der Autoverkäufer gewährt.

Lässt ein Händler also nur 1.000 Euro auf den Listenpreis nach, gibt der Bund auch nur 1.000 Euro dazu.

Nicht für jedes Auto

Die Förderfähigkeit lässt sich auch nicht pro Kauf feststellen, sondern die Hersteller müssen zunächst die eine Eintragung in eine Liste (Link zum Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, PDF) beantragen. Diese ist recht übersichtlich, es sind nur wenige Modelle kleiner Hersteller vertreten.

Der Verkäufer-Anteil ist vorher schon draufgeschalgen

Gegenüber den von den Herstellern angegebenen Listenpreisen gibt es die Autos beim Händler meist günstiger. Laut dem Nachrichtenmagazin Focus sind mehr als 20% bei beliebten Modellen üblich, je nach Modell sind auch mehr als 30% drin. Die Differenz zwischen Listen- und Verkaufspreis wird vorher schon von den Herstellern einkalkuliert.

Wenn wir nun den seltenen Optimalfall annehmen: Ein günstiges Elektroauto für 20.000 Euro Listenpreis mit 6.000 Euro Umweltprämie, so zahlt der Endkunde 14.000 Euro, der Autoverkäufer bekommt 17.000 Euro, hat also 15% vom Listenpreis nachgelassen, was bei den meisten anderen Autos sowieso Standard ist.

So wird auch klar, daß "mein" Kabinenroller nicht wie ursprünglich angenommen, voll gefördert wird. Der Verkäufer müsste dafür 3.000 von 8.000 Euro nachlassen, das wären unübliche 37,5 % Rabatt auf den Listenpreis.

Einladung zur Verschwörung

Für Modelle, die erst nach der E-Auto Förderung auf den Markt kommen, können Autohersteller die Listenpreise im Vorfeld schon so weit erhöhen, daß ein großer Förderrabatt direkt mit eingepreist ist. Ausserdem läd ein solches Vorgehen zur Verschwörung ein: Ein Autohersteller, der im Vorfeld des Fördergesetzes illegal oder halblegal vom Inhalt erfahren hat, könnte schon rechtzeitig vor der Ankündigung seine Listenpreise soweit anpassen, daß solche Rabatte leicht abzufedern sind.

Dazu noch die Akkumiete

Bei einigen Modellen gehört der Akku nicht dem Autobesitzer, sondern dem Hersteller. Das hat zwar den Vorteil, daß der Hersteller an der Entwicklung langlebiger Akkus interessiert ist, dafür langt der aber auch oft kräftig zu. Bei besagtem Kabinenroller sollte die Akkumite 50 Euro im Monat betragen, Innerhalb von zehn Jahren akkumulieren sich da 6.000 Euro. Das mit einkalkuliert, schrumft der prozentuale Rabatt beim kauf nochmals.

Wie es besser ginge:

Die Sinnhaftigkeit einer Förderung für einen bestimmten Wirtschaftszweig lässt oft andere, gute Alternativen unbeachtet. Aber wenn denn schon irgend etwas gefördert werden soll, dann liesse sich, anstatt nur vergleichsweise große und teure Elektro-PKW für einen kleinen, sowieso eher wohlhabenden Teil der Bevölkerung zu fördern, mit dem gleichen Betrag pro Person auch umweltfreundlicheres und sozialeres anstellen, z.B. jeder, der ganz auf's eigene Auto verzichtet bekäme wahlweise:

-Dauerhaft ein Nahverkehrsticket

-Dauerhaft eine Bahn-Card 50

-Für ein Jahr eine Bahncard 100

-Ein Elektrofahrrad

-Jährlich eine bestimmte Anzahl Freikilometer in einem Carsharing-Pool

-Einen Wohnkostenzuschuss fürs Wohnen in Arbeitsplatznähe

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gloriaviennae

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