Prognose für morgen Mittwoch

Verbreitet bedecken dichte Wolken den Himmel und es regnet häufig, stellenweise auch kräftig. Im Tagesverlauf wird der Regen von Nordwesten her seltener und vor allem nördlich der Donau kommt auch etwas die Sonne durch. Zum Abend hin steigt die Regenwahrscheinlichkeit dann aber erneut. Es weht schwacher Wind bis mäßiger Wind aus Südost bis West. Frühtemperaturen 13 bis 16 Grad, Tageshöchsttemperaturen 20 bis 24 Grad.Quelle

Was werde ich morgen tun? Ein Tag zum Zuhausebleiben. Putzen wäre eine Möglichkeit. Seit Tagen nehme ich mir vor, meinen Kleiderschrank in Ordnung zu bringen. Ein Frisörbesuch vielleicht, aber ganz sicher werde ich meine Runden im Fitnessstudio drehen. Was noch? Keine Ahnung. Vermutlich schreiben. Am Abend könnte ich mich mit Freunden treffen.

Im Fernsehen kündigen sich die Nachrichten an. Bilder aus Traiskirchen. Immer die gleichen. Menschen, die am Boden schlafen. Die Schlafsäcke und Kleidung zum Trocknen auf den Zaun gehängt. Not und Elend, egal von wo die Bilder der Kamera gesendet werden. Immer noch kostet es mich Überwindung bei diesen Bilder nicht instinktiv wegzuschauen. Die überfüllten Schlafsäle, traumatisierte Menschen, die ins Leere starren. Menschen, denen alles genommen wurde. Menschen, die nie ins Paradis wollten. Menschen, die in Frieden leben wollen.

Was werden sie morgen tun? Den ganzen Tag im Regen sitzen, auf Regenpausen hoffend ausharren. Zuflucht in einem Winkel suchen, der zumindest nicht ganz so erbarmungslos dem Wetter ausgesetzt ist. Dicht zusammengedrängt mit anderen, denen kalt ist. Minuten werden zu Stunden. Einzig das Anstellen für die Essensausgabe bringt Abwechslung in den Tag. Drei Minuten kein Regen, kein Sturm, wenn man das Essen erhält.

Ratlosigkeit und Hilflosigkeit.

Was soll ich tun? Was würde ich tun, hätte ich Platz für eine Familie? Nach Traiskirchen fahren, eine Familie zusammenpacken und mit zu mir nehmen. Welche Familie? Die mit dem kleinen Kind? Die mit der kranken Frau? Die mit den zwei Buben? Wie würde ich meine Auswahl begründen? Ich wäre nicht einmal im Stande eine Auswahl zu treffen. Fünf Menschen mitnehmen und 1995 zurücklassen. Würde es wem auffallen, wenn ich im Lager einfach fünf Menschen mitnähme? Nur für zwei Tage. 48 Stunden im Trockenen. 2880 Minuten Menschlichkeit. Mache ich mich strafbar, wenn ich fünf Menschen für zwei Tage entführe? Ich bringe sie zurück, wenn die Sonne wieder scheint. Ich verspreche es.

Ich will den Hochsommer zurück. Sonnenschein, wolkenloser Himmel. Ich will, dass diese Menschen zumindest nicht nass werden. Ich kann Kleider, Schuhe und Rucksäcke spenden, Deutschnachhilfe geben und Kinder für ein paar Stunden ablenken. Ich kann meinen Unmut, meine Ohnmacht hier und auch anderswo kundtun. Ich kann nicht verhindern, dass 2000 Menschen die nächsten Tage im Regen stehen gelassen werden.

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fischundfleisch

fischundfleisch bewertete diesen Eintrag 14.12.2015 23:17:12

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