Mir ist heiß. Mein Kreislauf zickt und ich auch.

Ich habe ein Dach über dem Kopf. Ja, meine Wohnung ist eine von diesen, die im Sommer eine eigene Herausforderung darstellen. Dritter Stock, Altbau und lichtdurchflutet. Trotzdem schützt sie mich vor Wind und Wetter. Ich habe Bett, Decke und Polster. Unter der Dusche kann ich mich, so oft ich will, abkühlen. Keine Wartezeit, keine Zeitbegrenzung.

Alles ist teurer geworden. Lebensmittel, Dienstleistungen, Strom, Handy, ja wirklich alles. Früher habe ich für mein Geld viel mehr bekommen, musste nicht sparen.

Ich kann, was immer ich brauche, käuflich erwerben. Das Handy ist kaputt. Kein Problem, ein neues werde ich am Montag bestellen. Geht sich alles aus. Dann wäre da ein Buch, das mich interessiert. Wenn ich schon im Buchgeschäft bin, dann nehme ich das auch noch mit. Klingt verlockend. Hunger? Durst? Kein Problem. Überall gibt es Essen und Getränke. Die Schuhe im Abverkauf sind vielleicht nicht lebensnotwendig, aber so billig bekomme ich diese nie wieder. Ein Schnäppchen.

Meiner Mutter geht es nicht sehr gut. Sie ist ein Pflegefall. Die Wohnung hat sie seit einem halben Jahr nicht mehr verlassen. Ihr Leben scheint keinen Sinn mehr zu haben.

Sie erhält jede nur mögliche Betreuung. Für ihre lebensnotwendigen Medikamente muss sie als Mindestrentnerin nichts bezahlen. Die Familie bemüht sich um sie. Den Rest erledigen zwei Pflegerinnen, die sich 22 Stunden am Tag nur um sie kümmern. Sie versuchen ihr Leben zumindest ein Stückchen lebenswert zu machen.

Die Straße, in der ich wohne, ist stark befahren. Das nervt. Alle Stunden brausen Rettung, Feuerwehr oder Polizei durch. Schlafen mit offenem Fenster? Mit Ohrenstöpseln, die helfen ein bisschen. Trete ich im Sommer vor die Türe, knallt mir die Sonne erbarmungslos entgegen.

Ich muss keine Bombenangriffe oder Schüsse befürchten, bewege mich frei. Kein Bangen, ob denn nun wieder ein Alarm losgehen könnte. Keine Angst vor Übergriffen, weil ich eine Frau oder unerwünscht bin. Ich bin sicher.

Die Intoleranz der Menschen nimmt zu. Neid, Hass und Egoismus entwickeln sich zu neuen, zweifelhaften Überlebensstrategien. Die Art, wie Politik gemacht wird, missfällt mir. Die Macher dieser Politik sind mit zutiefst zuwider.

Ich darf mich zu Missständen frei äußern. Ich schreite ein, wenn mir etwas nicht passt. Öffentliche Diskussionen sind für mich selbstverständlich. Wenn ich mich mit Freunden treffe, dann äußern wir uns angstfrei über Politik und deren Auswirkungen.

Meine Arbeit laugt mich aus, lässt mir wenig Spielraum. Es gibt Zeiten, in denen ich kaum zur Ruhe komme, nicht abschalten kann. Manche Probleme bleiben ungelöst.

Ich habe Arbeit, mein Arbeitsplatz ist sicher. Arbeitslosigkeit wird mich mit hoher Wahrscheinlichkeit nie treffen. Auch meine Pension ist abgesichert. Ich darf arbeiten.

Was ich will?

Die Bilder aus Traiskirchen gehen mir nicht mehr aus dem Kopf. Sie frustrieren und berühren mich. Sie lassen mich nicht kalt. Vielmehr beschämt mich meine Jammerei der letzten Tage, weil es heiß ist und ich nicht schlafen kann. Peanuts, fällt mir dazu ein. Da schläft ein Kind mit dem Kopf auf dem Boden im Freien. Menschen stellen sich stundenlang für Essen an. Zustände, die jeder Beschreibung spotten. Es ist wirklich an der Zeit einen Blick über den Tellerrand zu riskieren. Es könnte sich lohnen.

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Ulrike

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Hansjuergen Gaugl

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Silvia Jelincic

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