Anlass für meinen philosophischen Exkurs über das Alter gab mir heute eine entzückende 10jährige Schülerin. Es folgte die Fragen aller Fragen: "Frau Lodjn? Wie alt sind sie - kurze Pause- eigentlich?" Sie schenkte mir ein bezauberndes Lächeln, dem ich nicht widerstehen konnte. Ich holte kurz Luft und hauchte leise: "Dreiundfünfzig!" Die Augen meines Gegenübers wurden ein Stück größer und leicht verdattert antwortete sie:"Oh-ha." Es war ein liebes Oh-ha, ein sehr erstauntes. Ich zaudere nicht mein Alter preiszugeben, warum auch. Schon klar, zu Zeiten als ich die Schule besucht habe, hätte sich keiner getraut eine Lehrerin nach dem Alter zu fragen. Davon abgesehen hatte ich mit 10 Jahren das Gefühl, auschließlich von Hundertjährigen unterrichtet zu werden.

Sie hält mich definitv für alt. Instinktiv warte ich auf das, was nach dem Oh-ha bis jetzt immer kam, nämlich die Feststellung, dass ich gar nicht so alt aussehe. Denn meistens fühle ich mich wirklich jünger. Blöd. Wie jünger? Okay, sagen wir, ich fühle mich heute wie 40. Das ist 13 Jahre her, eine halbe Ewigkeit. Ich zwinge mich zum Nachdenken. Was war vor 13 Jahren? Keine Ahnung. Na gut. 2002 hatte ich 13 Dienstjahre weniger, somit weniger Geld. Mein Sohn war erst 15 und glaubte bereits erwachsen zu sein. Mein damaliger Freund war ein komischer Vogel.

Schluss mit nostalgischen Kopfkino.

Das mit 40 geht sie nicht aus. Dann würde mir gerade der komische Vogel auf die Nerven gehen. Ich müsste Debatten mit einem pubertierenden 15jährigen über Ausgehenszeiten, Taschengeld und Schulleistungen führen.

Ich könnte mich wie 30 fühlen. "Oh-ha", rutscht es mir jetzt raus. Ein Blick in alle Richtungen. Ich führe Selbstgespräche. Ein Zeichen dafür, dass alt und eigenartig werde? Hoffentlich nicht. 30? Hmm? Was war mit 30? Vergessen!

45 oder 48? Das ist schon egal, da kann ich gleich bei 53 bleiben. Wenn manch einer sagt, er fühle sich heute wie 100, kann ich das nicht nachvollziehen. Ich war noch nie 100 und äußere gleich hier meine Bedenken, ob ich diese biblische Alter jemals erreichen werde.

Zurück zum Start. Ich bin 53. So ist es. Die Zahl an sich ist mir nicht einerlei, aber sie schreckt mich nicht. Mir geht es heute besser, als es mir vor drei Jahren gegangen ist. Ich habe Angst davor noch älter zu werden, aber ich werde aus dieser Nummer nicht rauskommen. Die Vorstellung, wie ein Leben mit 70 oder noch älter ist, fehlt mir. Würde ich gerne mehr über meine Zukunft wissen, müsste ich die Dame mit der Kristallkugel aufsuchen, falls es die noch gibt.

Letzte Möglichkeit, ich entwickle in Bezug auf Alter und Älterwerden eine tiefe Gelassenheit, lasse alles auf mich zukommen und genieße das, was ich habe. Ein Leben, das im Großen und Ganzen in Ordnung ist.

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