Essen ist der Sex des Alters, hat mir vor einiger Zeit eine Frau erklärt, die ich schon sehr lange kenne. Essen ist auch eine Stadt in Deutschland, direkt im Ruhrgebiet. Essen, essen und Sex. Vielleicht sollte ich in nächster Zeit recherchieren, wie viele Menschen während des Essens oder des Sex oder in Essen sterben. Das würde meinem Beitrag einen tieftraurigen Touch verleihen. Als ich gestern den Steckerlfisch auf meinem Teller mehr seziert als gegessen habe, trainierte ich das Wort Luftröhrenschnitt im Geiste. Nur für den Fall, dass einer der Gräten unentdeckt bleibt. Unentdeckt so lange, bis sie sich in meinem Hals querstellt. Luftröhrenschnitt, kritzelte ich mit einem fast vertrockneten Faserstift auf die Serviette. Sicher ist sicher. Nachdem das Messer nur mit Mühe durch das Salatblatt drang, schrieb ich noch die Worte – aber nicht mit diesem Messer – dazu.

Sex des Alters. Was ist mir nun lieber? Sex oder Essen? Oder überhaupt Essen in Deutschland? Einmal habe ich diese Stadt gesehen. Ich mochte sie, so wie ich alle Städte des Ruhrpotts mit ihrem herben Scharm mag. Gelsenkirchen war die erste Stadt, die ich näher kennenlernen durfte, dann Bochum.

Sex? Haben denn Menschen, die älter werden wirklich keinen Sex mehr? Ist demnach der Genuss einer wohlig, warmen, gut gewürzten Suppe so etwas Ähnliches wie ein Orgasmus? Die Gewürze, die im Mund explodieren, meine ich. Diese, die für nur drei Sekunden deine Sinne benebeln. Die, die ein herrliches Glücksgefühl hinterlassen, auch nach Stunden. Basilikum zum Beispiel, ein Wunderkraut, das alleine gegessen so enttäuschend schmeckt. Aber in Verbindung mit den satten, roten Tomaten, die es zurzeit überall gibt, seine wahre Fähigkeit entpuppt.

Vor einiger Zeit, ich war nordic walken, führte mein Weg an einem Kebabstand vorbei. Auf der Bank, die dafür gemacht wurde, dass wir beim Essen nicht stehen, saß ein Mann. Ich schätze er war zwischen 30 und 40. Genau als ich an ihm vorbei spazierte, meine Stecken ehrgeizig in den Boden rammte, biss er von einem Dürüm ab, und stöhnte: „Geil!“ Wer jetzt? Ich oder das Dürüm? Ich denke, er meinte mich. Tatsächlich erschien er mir zu jung, um Essen gegen Sex zu tauschen.

Nicht im Stehen essen. Davor hat meine Oma mich eindringlich gewarnt. Es würde, so ihre tiefste Überzeugung, sich auf die Beine schlagen. Obst und Wasser, auch so eine Warnung. Gestern nach dem Genuss von zwei wunderbaren Pfirsichen, habe ich diese Mähr widerlegt. Trotz des halben Liters Wassers, den ich nach dem süßen Obst dringend brauchte, setzten keine wie immer gearteten Bauchschmerzen ein. Nichts passierte, gar nichts. Ach, Oma!

Essen? Gemüsereis gibt es heute bei mir. Basmatireis, versteht sich. Mit einem Hauch Parmesan und einer Handvoll frisch gepflückter Basilikumblätter.

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