Erfahrung ist immer gut. Seit einigen Tagen nehme ich erst dann mein Frühstück zu mir, wenn ich die Facebookseite von FuF durchgegangen bin. Auf nüchternen Magen erträgt sich vieles leichter und mit dem Aufstoßen von blanker Magensäure kann ich leben.

Die Wall of Shame fällt mir ein. Nur, weder komme ich mit dem Kopieren, noch mit dem Löschen hinterher. Lassen wir einmal die Beiträge außen vor, in denen es um Politik geht. Widmen wir uns jenen Blog-Posts, die völlig unpolitisch sind.

Alex, der mit seinem Vlog auf sich und seine Geschichte aufmerksam macht, ist mir irgendwie ans Herz gewachsen. Ich finde es großartig, dass er damit an die Öffentlichkeit geht. Seine Worte machen auf mich einen sehr authentischen, geerdeten Eindruck. Sein Beitrag von letzter Woche wurde auf Facebook geteilt.

Wir haben Meinungsfreiheit und ich stehe hinter diesem Konzept. Allerdings ist die Meinungsfreiheit genau da zu Ende, wo die Grenzen der Geschmacklosigkeit deutlich überschritten werden.

Ja, ich lass mich jetzt auch zu einem Affen umoperieren, schreibt User XY.

Wurde gelöscht. Wahnwitziger Weise kommen jene Kommentare von genau den UserInnen, die in anderen Beiträgen vor dem Verfall unserer Werte und Sitten warnen. Rein subjektiv muss ich leider feststellen, dass Empathie diesen Menschen tatsächlich fremd ist. Und zwar nicht nur in der Flüchtlingsfrage, sondern in allen Belangen.

Ähnliche Reaktionen gab es bei Mama Maries Blog-Post zum Frauentag. Ihr wurde, wie auch Alex, empfohlen einen Psychiater aufzusuchen und von ihrem Prinzessinnenthron zu steigen. Nein, nicht ausschließlich von Männern.

Was geht wirklich in Menschen vor, die allem Anschein nach permanent online sind und verbale Hassattacken, die ihresgleichen suchen, ablassen? Diese Menschen mögen in früheren Zeiten an den Stammtischen ihre Meinungen kundgetan haben. So wirklich glauben kann ich das allerdings nicht. Wirthausschlägereien gab es und gibt es. Allerdings müsste bei den Argumentationslinien, die so mancher Poster verfolgt, die Zahl der Schwerverletzten und Toten bei Stammtischdiskussionen wesentlich höher sein.

Viel mehr glaube, dass der Gebrauch von Sprache einem starken Wandel unterzogen wurde. Nicht auf Facebook oder anderen Plattformen, sondern allgemein. Stand vor einigen Jahren noch die sachliche Kritik im Vordergrund, so ist es heute durchaus Usus die persönliche Beleidigung als verbale Waffe zu gebrauchen.

Erinnern wir uns an Hendrik M. Broder. Er ein Journalist und Kolumnist mit vielen Jahren an Berufserfahrung. Seine Kolumnen waren kritisch und wortgewaltig. Nicht frei von Seitenhieben, aber nie persönlich diffamierend. Im Zuge der journalistischen Aufarbeitung der Ereignisse von Köln, bezeichnete er Claudia Roth als Doppelzentner fleischgewordene Dummheit, nah am Wasser gebaut und voller Mitgefühl mit sich selbst. Wie wäre es gewesen, hätte er nämliche Bemerkung einer gertenschlanken Frau zugedacht? Der verbale Angriff wäre im Sand verlaufen. So, aber wurde jemand, dessen Meinung der Publizist nicht geteilt hat, öffentlich unter Bezugnahme auf Äußerlichkeiten diffamiert.

Als vor drei oder vier Wochen Sonntagabend auf ORF2 im Zentrum über Griechenlands Situation in der Flüchtlingskrise diskutiert wurde, hat Frau Mikl-Leitner sehr deutlich vorgezeigt, wie wichtig ihr Gesprächskultur ist. Wie einen Schuljungen hat sie Giorgos Chondros, Mitglied des Zentralkomitees der griechischen Regierungspartei Syriza, behandelt. Nein, kein Mensch muss mit ihm einer Meinung sein, aber dennoch muss ihm mit Respekt begegnet werden. Und erst recht dann, wenn eine Person in der Öffentlichkeit steht und somit Österreich repräsentiert.

Auch andere PolitikerInnen schlagen in dieselbe Kerbe. Keine sachliche Kritik, sondern verbaler Hick Hack tief unter der Gürtellinie. Wer sich diese Gesprächskultur als Erster zu eigen gemacht und sie damit legitimiert hat, bleibt von meiner Seite bewusst unkommentiert.

Nein, Facebook und Mark Zuckerberg sind in diesem Fall definitiv nicht schuld. Der Ton, der auf diversen Internetplattformen herrscht, ist in meinen Augen dem allgemeinen Verfall des sachlichen, kritischen Diskurses geschuldet. Vorexerziert von Menschen, die ein breites Spektrum an Öffentlichkeit genießen.

http://www.cosmiq.de/qa/show/3949723/Der-angesehene-Publizist-Henryk-M-Broder-nannte-Frau-C-Roth-nach-den-Ereignissen-von-Koeln-einen-Doppelzentner-fleischgewordene-Dummheit-nah-am-Wasser-gebaut-und-voller-Mitgefuehl-mit-sich-selbst/

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