Hitzewelle oder kann man eigentlich auch im Kühlschrank übernachten?

Ich sitze an meinem Schreibtisch und betrachte jene Glasflasche, die mir mein nachhaltiger Sohn und dessen Freundin zum Geburtstag geschenkt haben. Wie klein müsste ich sein, damit ich darin schwimmen kann, frage ich mich. Kleiner als mein Zeigefinger, denn mit dem versuche ich schon seit geraumer Zeit erfolglos die Minzeblätter aus der Flasche herauszufischen.

Gestern habe ich, schon ein bisschen verzweifelt, Tipps gegen Hitze im Internet gesucht. Ventilatoren machen wenig Sinn. Weiß ich schon. Klimaanlage. Geht auch nicht. Ich habe alte Fenster und könnte den Schlauch nur in Flodders-Manie aus dem offenen Fenster hängen lassen. Soll ich den Gedanken weiterspinnen? Unnötig.

Lauwarm duschen. Ja eh. Viel trinken. Ah eh auch. Unterarme unter kaltes Wasser halten, minutenlang. Schon klar.

Der Ausflug ins Schwimmbad hilft auch nur sehr begrenzt. Zwar muss ich am Eingang nicht eine halbe Stunde in der prallen Sonne stehen, bekomme sogar ein Kästchen und einen kleinen Platz im Schatten. Schattenspender sind zwei große Mistkübel. Im Becken schwimme ich eine Länge im eigenartigen Zick-Zack-Kurs. Weiche Wasserbällen, Kindern und Kampfschwimmern aus. Dann verharre ich noch zwei Minuten stehend im Wasser und denke an das Youtube-Video vom chinesischen Schwimmbad. Wieder auf meinem Platz vernebelt mir Langos- und Pommesduft die Sinne. Hinter mir wird lauthals über die Qualität des Wurstsalats debattiert. Dazwischen will irgendein Dschastin Eis, bekommt es nicht und versucht seine Mutter mit schrillen, spitzen Schreien zu erpressen. Genug der Idylle.

Spontan fällt mir ein, alle jene Menschen meiden, die verbal auch nur heiße Luft von sich geben. Nicht einmal zuhören, einfach umdrehen und gehen. Langsam, schnelle Bewegungen bei diesem Wetter in meinem Alter sind gar nicht so ungefährlich. Nicht nur mein Toleranzpegel sinkt bei diesen Temperaturen, auch der meiner Mitmenschen. Im Supermarkt, der die gefühlte Größe einer Schuhschachtel hat, ersucht mich ein netter Zeitgenosse, meinen fetten Arsch doch ein bisserl schneller zu bewegen. Wunderbar. "Heiß ist es, gell", antworte ich. Der Trafikantin ist wahrscheinlich auch heiß. Zumindest ihren Blicken nach zu urteilen. Vermutlich würde sie mich gerne fressen.

Unwort des Sommers 2015 ist eindeutig Tropennacht. Schlafen gehen nicht vor zwei in der Früh. Zwischen halb zwei und zwei suche ich die richtige Position für mich und den Ventilator. Kann man eigentlich im Kühlschrank übernachten? Google hat keine Ahnung und schickt mich stattdessen auf eine Seite, die mir die Herstellung von Tramezzini näher bringt. Hefeteig über Nacht im Kühlschrank, hat die Suchmaschine auch im Angebot. Kommt hin. Fühle mich ohnehin wie ein Hefeklumpen.

Genug gejammert. Immerhin gibt es schon im Supermarkt Lebkuchen. Also kann es gar nicht mehr so lange dauern, bis der Winter kommt.

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Darpan

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fischundfleisch

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