Weihnachtsgeschichten für Kinder

Wenn Ende November der Nebel den Wald, wie mit einem schweren Mantel umhüllt, die Nächte eiskalt werden und die Luft nach Schnee riecht, dann wissen sogar die Tiere im Wald, dass Weihnachten nicht mehr weit ist.

Julius, ein kleiner, sehr neugieriger Fuchs schaute seit Tagen den großen und kleinen Menschen zu, wie sie mit großen und kleinen Paketen eilig in ihre Häuser liefen. Eines Abends wagte er sich ganz nahe an das Haus heran, das am nächsten zum Wald stand. Im Schutz der Dunkelheit hatte er gar keine Angst, obwohl seine Mutter ihn immer vor den Menschen warnte. „Wenn die einen Fuchs sehen“, sie deutete mit ihrer weißen Schnauze zum dem Haus, „dann fackeln sie nicht lange und holen den Jäger!“ Julius war noch viel zu jung um zu wissen, was ein Jäger ist. Aber die Art, wie seine Mutter das erklärte, machte ihm Angst. Was er diesen Abend durch das Fenster des Hauses sah, ließ sein Herz ganz wild schlagen. Ein riesengroßer, bunt geschmückter Tannenbaum stand mitten im Wohnzimmer der Menschen. Rote und silberne Kugeln. Glitzergirlanden, Kerzen und noch vieles mehr.

Aufgeregt lief der kleine Fuchs zu seiner Mutter in den Wald zurück. „Du kannst dir nicht vorstellen, was ich heute im Haus der Menschen gesehen habe.“, erzählte er der Mutter. Julius war ganz außer Atem. „Jetzt beruhige dich einmal Julius“, sagte die Mutter und legte ihre Pfote schützend auf Julius Schulter. Der kleine Fuchs brachte vor Aufregung zuerst gar kein Wort mehr heraus. „Da stand ein richtig großer Tannenbaum mitten im Raum und der war bunt geschmückt. Wachsen denn in den Zimmern der Menschen auch Bäume, so wie bei uns im Wald?“ Da musste die Mutter lachen. Ja, Julius war eben noch ein ganz junger Fuchs. „Ach, Julius“, sie nahm ihn noch ein bisschen fester in den Arm, „nein. Die Menschen holen die Bäume aus dem Wald und schmücken sie.“ „Schmücken sie?“, fragte Julius erstaunt. „Na ja, irgendwo gibt es eine Quelle, da kann man diese Sachen holen. Und die werden dann auf die Bäume gehängt.“

Julius ließ der wunderschön glitzernde Baum keine Ruhe, selbst in seinen Träumen konnte der diesen sehen. Am Morgen saß ein kleiner Hase in der Nähe des Fuchsbaus. „Spinnst du“, rief Julius entsetzt. „wenn dich mein Vater sieht, bis du mausetot.“ „Keine Angst!“, flüsterte der Hase, „ich pass schon auf.“ Er blickte sich um. „Ich habe dir und deiner Mutter gestern gelauscht. Ja, der Baum ist wirklich wunderbar. Und“, wieder schaute sich der Hase um, „ich weiß wo die Menschen all den Glitter und die Kugeln hinwerfen, wenn sie diese nicht mehr brauchen. Komm mit!“ Gemeinsam machten sie sich auf den Weg. Von den beiden unbeachtet, folgte ihnen ein kleines Reh. „Seltsamer Umzug“, dachte sich eine junge Eule, die gerade zu Bett gehen wollte „wo die wohl hinwollen? Da komme ich mit.“ Als sie das Haus erreichten, hatten noch ein Hase, eine braune Feldmaus, eine Ente, ein kleiner Adler und ein Dachs zu der bunten Tierkaravanne gefunden. Der Hase öffnete vorsichtig die Türe des Holzschuppens. Mit vereinten Kräften zogen und zehrten sie Lametta, Glitzergirlanden, rote und silberne Kugel aus einem Karton.

Ein kleiner Junge, der in dem Haus am Waldesrand wohnte, beobachtete dieses Treiben, beschloss aber seiner Mutter kein Sterbenswörtchen davon zu erzählen. Stattdessen schlich er ganz leise hinter den Tieren her. Was die wohl vorhatten? Er hatte keine Ahnung.

Im Wald angekommen suchten Julius und der Hase die schönste Tanne im ganzen Wald aus. Die Eule und der Adler flogen um den Baum und ließen das Lametta in die dichten Zweige fallen. Die Maus nahm die Kugeln vorsichtig zwischen ihre spitzen Zähne, verteilte sie. Das Reh kümmerte sich gemeinsam mit der Ente um die Glitzergirlanden.

Als es langsam dunkel wurde hatten die Tiere im Wald das erste Mal in ihrem Leben einen wunderschön geschmückten Weihnachtsbaum. Da saßen sie nun, große und kleine Tiere, der Fuchs neben dem Hasen, der Adler hatte es sich auf dem Rücken des Rehs bequem gemacht. Jeder schien vergessen zu haben, wer sein Freund oder Feind war. Julius strahlte. Seine stolze Mutter sagte „Du hast heute etwas großartiges geschaffen. So friedlich war es im Wald noch nie.“

Plötzlich raschelte es in den Büschen. Es waren Schritte zu hören. Obwohl alle Tiere Angst hatten, suchte keines das Weite. „In Nächten wie diesen“, stellte ein ausgewachsener Hirsch fest, „gibt es keine Feinde.“ Die Schritte kamen immer näher und näher. Noch immer rührte sich kein Tier vom Fleck. Nur der kleinste der Hasen suchte Schutz bei seiner Mutter. Aus dem Gebüsch kam der Junge, der schon am Vormittag die Tiere beobachtet hatte. Er nahm seinen Rucksack von den Schultern, öffnete ihn bedächtig. „Habt keine Angst. Den ganzen Tag habe ich euch zugesehen, wie ihr diesen Baum geschmückt habt. Und so festlich er geworden ist, es fehlt ihm trotzdem etwas.“ Dann holte er viele, viele Kerzen aus dem Rucksack. Und obwohl Tiere das Feuer fürchten, blieben sie alle wie verzaubert vor dem hell erleuchteten Weihnachtsbaum sitzen. In ihren Augen spiegelte sich der Glanz der Kerzen wider.

„Weihnachten ist immer dann, wenn wir unsere Herzen öffnen“, rief ihnen der Junge zu und machte sich auf den Heimweg.

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Hansjuergen Gaugl

Hansjuergen Gaugl bewertete diesen Eintrag 15.12.2015 06:48:07

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