Weihnachten 2015 ist Geschichte. Zeugen sind halb abgebrannte Kerzen auf dem Weihnachtsbaum und jede Menge Verpackungsmüll. Wobei bei uns recycelt wird. Wozu sonst habe ich ein Abo für Standard und Wiener Zeitung. Letztere ist im Laufe des Jahres im Übrigen zu meinem absoluten Lieblingsblatt geworden. Mehr als lesen kann ich die Zeitung nicht. Als Geschenkpapier macht sie mir doppelt Freude und dann gleich noch einmal, weil sich meine Familie hoffentlich über ihre Geschenke gefreut hat. Drei Mal Freude, was für ein Glück.

Als nächstes brauche ich einen Neujahrsvorsatz. Sechs Tage habe ich Zeit diesen zu formulieren. Wo fang ich nur an? Was könnte 2016 anders werden? Irgendwie bin ich blockiert. Im Wohnzimmer trällert Peter Alexander vom weißen Rössel. Meine Mutter sieht fern. Dabei hält sie den Kopf schief und lächelt. Vor fast einem Jahr wäre sie beinahe gestorben, wider Erwarten hat sie überlebt. Es ist nicht alles gut geworden, aber es sieht ein bisschen besser aus, als vor einem halben Jahr. Da lag sie nur im Bett, schlief oder starrte an die Decke. Zumindest will sie wieder fernsehen. Also, dann eben Peter Alexander.

Heute habe ich der Pflegerin meiner Mutter gesagt, dass sie Silvester frei hat. Unglaublich, wie leicht es ist jemanden eine Freude zu machen. Da Peter Alexander, dort ein freier Abend mit Menschen, die dieselbe Sprache sprechen und ein Stück der fernen Heimat in sich tragen. Irgendwie werde ich schon zu meinen Silvesterfeierlichkeiten kommen, mir selbst eine Freude machen. Freunde einladen oder sonst was.

Also, jetzt aber. Ein Vorsatz muss her, der gehört einfach dazu. Wobei? Wie viele meiner Absichten etwas zu ändern, habe ich jemals in die Realität umgesetzt? Vor dreißig Jahren wollte ich ordentlicher werden. So richtig. Mit wunderbar aufgeräumten Kästen in denen die Pullover nach Farben sortiert sind. Immer geputzte Fenster, Bücherregale ohne Staub. Frau Propper, oh ja. Vor 25 schwor ich dem Chaos ab. Drei Jahre meines Leben habe ich bis heute mit Suchen verbracht, eines davon ausschließlich in Taschen und Rucksäcken. Vier Mal am Tag halte ich nach dem Handy Ausschau, zumindest zwei Mal ist es der nicht auffindbare Schlüssel. Die berühmten Zettel, die dort hingelegt habe, wo ich sie ganz sicher wieder finde. 1996 reifte der Entschluss in mir, ruhiger zu werden, nicht sofort auf die Barrikaden zu gehen. 2012 Sparsamkeit verbunden mit Kaufverzicht. 2001 bedingungslose Ehrlichkeit. 1989 nahm ich mir vor, weniger stur zu sein. In 54 Lebensjahren kommt einiges zusammen.

Irgendeinen Vorsatz werde ich in den kommenden Tagen noch finden. Irgendwas, das verdammt gut klingt und im besten Fall gar nicht einzuhalten ist. Denn bis heute bin ich immer noch chaotisch, unordentlich, nicht sparsam und laut. Aber, abgesehen von ein paar miesen Tagen, bin ich ein wirklich glücklicher Mensch.

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