„Bei der Überprüfung der Bildungsstandards wird objektiv festgestellt, inwieweit die Schüler/innen der 4. und 8. Schulstufe zentrale fachliche Kompetenzen erworben haben. Der Überprüfungszyklus begann auf der 8. Schulstufe im Jahr 2012 mit der Überprüfung der Mathematik-Kompetenz, im Jahr darauf folgte Englisch und 2016 wird Deutsch flächendeckend überprüft. Die 4. Schulstufe startete 2013 mit der Überprüfung der Kompetenzen aus Mathematik, 2015 lag der Fokus auf Deutsch/Lesen/Schreiben.“

https://www.bifie.at/node/57

Die Überprüfung 2016 ist vorbei, die Auswertung hat begonnen. Wissentlich, dass mit dem Feststehen der Ergebnisse, der Aufschrei von Medien und Menschen nicht ausbleiben wird, geht mir im Vorfeld dessen einiges durch den Kopf.

Immer wieder erfolgt die Auseinandersetzung mit dem Thema Schule und Bildung. Vorwiegend wird festgestellt und gejammert, dass vieles im Argen liegt. Es wird aufgezeigt, dass Schüler/innen nicht des sinnerfassenden Lesens mächtig sind. Schreiben sei auch nicht deren Stärke. Von Mathematik und Fremdsprachen ganz zu schweigen.

Es sei, wie es sei. Wer ist schuld?

Schenken wir dem, was aller Tage zu lesen ist, Glauben, so sind es in erster Linie die Lehrer/innen. Sie durchlaufen eine miese Ausbildung, zudem wird eine mögliche Qualifizierung nicht wirklich überprüft. Werden sie in weiterer Folge auf die Kinder „losgelassen“, dürfen wir uns über die Ergebnisse nicht wundern. So ungefähr der Wortlaut gängiger Vorurteile.

In weiterer Folge sind es die Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die scheinbar dunkle Schatten auf die österreichische Bildungslandschaft werfen. Eltern, Politiker/innen und das System reihen sich natürlich auch in den Kreis der Verantwortlichen für das Bildungsdisaster.

Was mich an dieser Debatte stört, ist die Tatsache, dass es ausschließlich Kritik hagelt. Auf Nachfrage, was denn nun zu ändern sei, wird mir, abseits der stereotypen Antworten, erklärt, dass wissen wir selbst nicht.

Ein paar Ideen hätte ich schon.

Jedes Kind muss zwei Jahre lang einen Kindergarten besuchen. Ich weiß, dass es diesen Vorschlag schon gibt. Damit alleine wird es aber nicht getan sein. Die Institution Kindergarten muss endlich als wirkliche Bildungsstätte anerkannt werden. Kindergartenpädagog/innen sind keine Tanten, sondern Lehrer/innen. Gehalt und Ausbildung müssen zwingend an die der Lehrer/innen angepasst werden. Ein Betreuungsschlüssel von 25 Kindern pro Gruppe ist indiskutabel.

Wenn Lesen das Problem ist, dann muss zwingend der Schwerpunkt beim Erlernen des Lesens liegen. Dafür wäre in den ersten beiden Volksschulklassen Zeit. Es müsste einen fließenden Übergang zwischen den einzelnen Schulstufen geben. Mehrstufenklassen sind mE die Lösung. Weg von dem üblichen Fächerkanon, hin zu Unterricht der nicht in Deutsch, Mathematik und Sachunterricht aufgegliedert ist.

Das Berufsbild des Lehrers/der Lehrerin muss aufgewertet werden. Zurzeit sieht es so aus, dass viele junge Menschen nicht mehr Lehrer/in werden wollen, weil das Ansehen derselben immer mieser wird. Wer lässt sich schon gerne öffentlich als fauler Hund und Leistungsverweigerer beschimpfen?

Es mag sein, dass das österreichische Bildungssystem ohnehin schon zu teuer ist. Es könnte aber sein, dass das zur Verfügung stehende Geld eben einfach anders investiert werden müsste. Ich fände es zum Beispiel großartig, wenn es in jeder Schule und in jedem Kindergarten perfekt ausgestattete Bibliotheken gäbe. Wo könnte eingespart werden? Vielleicht bei den Mitteln, die für nationale und internationale Überprüfungen ausgegeben werden.

Schule? Was wollte ihr eigentlich?

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