Erziehung 1986

1) Es wird geteilt.

2) Sei offen und gehe auf Menschen zu.

3) Lass dein Herz sprechen.

Erziehung 2016

1) Wer teilt, spinnt. Schließlich haben deine Eltern hart dafür gearbeitet.

2) Pass ja auf, Menschen sind böse. Also zumindest die meisten.

3) Wer nur auf sein Herz hört ist ein Spinner.

Ich stelle mir seit Wochen immer wieder die gleiche Frage. Wie soll Erziehung gelingen, wenn soziales Empfinden und Empathie keinen Wert mehr haben? Wenn Eltern ihre Abneigungen und ihren Hass offen ausleben?

Im Privatfernsehen, keine Ahnung mehr welcher Sender, habe ich vor Jahren einen Bericht über eine Familie gesehen, die schon in die Köpfe und Herzen der Kleinsten rechtes Gedankengut eingepflanzt hat. Wissentlich, dass private Sendeanstalten Publikum brauchen und aus diesem Grund zu medialen Übertreibungen neigen, habe ich dennoch einen Umstand verinnerlicht. Es geht ganz leicht.

Vor ein paar Tagen wurde ich unfreiwillig Zeugin eines Gesprächs zweier fast Teenager.

A: Scheiß Flüchtlingskind!

Gelächter

B: Massenvergewaltiger

Gelächter

A: Ich hasse Asylanten.

B: Ich auch.

Ich bin wahrlich schwer zu erschüttern, aber angesichts dieses Dialogs hat es mir die Sprache verschlagen. So wie es aussieht, sind wir wirklich ganz unten angekommen. Die zwei Jungs waren, bevor ich sie in irgendeiner Form zu Rede stellen konnte, außerhalb meiner Reichweite. Als ich nämlichen Dialog thematisiert habe, waren die Reaktionen unterschiedlich. So manch einer warb für Verständnis. Schließlich gehe es ja um die Zukunft dieser jungen Menschen.

Ein in Wien aufgewachsener Junge mit pakistanischen Eltern denkt über einen Selbstverteidigungskurs nach. Zu oft wurde er in letzter Zeit ob seines Aussehens angegriffen. Seine Eltern sind beide praktizierende Ärzte. Daran mag der eine oder andere erkennen, dass diese vermutlich schon länger in Österreich leben.

Reaktion auf diese Episode. „Na wenn die Ärzte sind, warum arbeiten sie dann nicht in ihrer Heimat und helfen dort?“

Was soll mir das sagen? Es ist schon okay, diesen Jungen zu verprügeln? Schließlich lassen seine Eltern die Heimat im Stich?

Ich könnte mit Erlebnissen und Aussagen wie diesen Bücher füllen. Von Jugendlichen, die Musliminnen das Kopftuch in der Straßenbahn hinunterreißen und den Reaktionen darauf. Von Eltern und Kindern, die offen auf der Straße beschimpft werden.

Und egal wie dramatisch die Ereignisse sind, immer sind alle selbst schuld. Pech, gehabt. Hätten sie nicht, wären sie nicht und so weiter.

Kinder und Jugendliche sind die nächste Generation von Erwachsenen. So ganz wohl ist mir bei diesem Gedanken nicht. Und dabei wäre es ein Leichtes gerade bei der Erziehung von Kindern anzusetzen und damit die Welt in ein friedlicheres Licht zu rücken.

Anmerkung: Ich schreibe hier meine ganz persönliche, private Meinung.

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