Ich mag sie die Briten. Yes I do, don´t I?

"Thank you driver."

Nein, ich habe mich nicht nach vielen, vielen Jahren wieder zum Autostoppen überreden lassen. Ich fahre mit dem Bus von A nach B in Exeter, einer britishen Kleinstadt. Der Dank gilt dem Busfahrer, ausgesprochen, weil eben dieser an der gewünschten Station Halt gemacht hat. Erst, wenn der Bus wirklich steht, dann erhebt man sich aus seinem Sitz und geht zur Türe. Das habe ich heute in Wien im Bus auch versucht, was zur Folge hatte, dass ich unfreiwillig eine Station weiterfahren musste.

Nach drei Tagen habe ich den britischen Lebensstil inhaliert und wage die erste Anpassung.

"Thank you driver."

"Take care."

Er rät mir, auf mich aufzupassen. Böse Zungen behaupten dieser Satz gilt speziell meiner Person. Ich gestehe diesen Anschein um acht in der Früh tatsächlich zu erwecken, also jenen, der Außenstehenden vermittelt, hier ist eine, die nicht ganz bei sich weilt.

Mindestens zweimal am Tag lese ich folgendes Schild. Do not distract the busdriver without any good reason. Aber wenn es einen wirklich guten Grund dafür gibt, dann darf man den Busfahrer stören. Schön.

Ich mag die Briten wirklich.

Zugegeben sie fahren auf der falschen Seite. Für Menschen, die wie ich an einer ausgeprägten Links-Rechts-Schwäche leiden, wird das tägliche Überqueren der Straße zur persönlichen Herausforderung. Wie eine Volkkschülerin, die zum ersten Mal den Schulweg alleine meistert, stehe ich an jeder Kreuzung und wende mein Haupt starr von rechts nach links. Oder wars doch links zuerst und nicht rechts? Also nochmal.

"Take care." Ja!

"Thank you darling."

Diese Wort entgleiten den Lippen eines wunderschönen, jungen Mannes. Was ich getan habe, um diesen Dank zu erhalten? Ich habe das von mir bestellte Glas Rotwein an der Bar bezahlt, sonst nichts. Vor lauter Freude binde ich mir einen mittleren Rausch um, nur weil ich diese Worte aus diesem Mund nicht oft genug hören kann. Auch so macht man Geschäfte, keine Frage.

Ein Pub, das einmal eine Kirche war, kommt mir und polnischen KollegInnen unter.  Ich will da sofort hinein, meine Begleitungen haben zu Beginn Angst davor, auf ewig und immer in der Hölle zu schmoren. In einer Kirche wird nicht getrunken. Ich kann sie beruhigen, schließlich hat Jesus auch Wasser zu Wein gemacht. In England hat er vermutlich Wasser zu Bier gemacht, denn englischen Wein gibt es keinen, zumindest ist mir keiner untergekommen.

Ich mag sie die Briten, wirklich.

Punkt elf werden die Türen der Pubs geschlossen. Ist weiter nicht schlimm. Der typisch britische Pubbesucher betrinkt sich ohnehin schon seit fünf Uhr am Nachmittag. Jede Menge lauwarmes Bier passiert in dieser Zeit die britischen Kehlen. Rauchverbot. Klar, aber es gibt Gastgärten und KellerInnen, die auch draußen bedienen. Nun, welcher Teil dieses Satzes ist nicht wahr? Stimmt, der zweite. In Pubs ist Selfservice angesagt. In jeder Hinsicht. Selbst Getränke holen, in den Gärten die Gläser vom freien, aber angeräumten Tisch entfernen und mit Papiertüchern aus dem Room für Ladies oder Gentlemen abputzen. Vollen Aschenbecher ingnorieren, einfach weiteranfüllen.

Ich mag sie die Briten. Wirklich?

Ich gebe zu, dass ich Raucherin bin. Ich weiß ungesund, blöd und blöd. Die englischen Zigarettenpreise sprechen für sich. 12 Euro für die Sorte meiner Wahl. Wissentlich, dass die britischen Zigarettenpreise immer schon ein bisschen höher waren, habe ich vorgesorgt. Trotzdem mein Vorrat reicht nicht für 14 Tage. Zigaretten gibts  zum Glück im Supermarkt, versperrt in einer Art Giftschrank. Dieser wird nur zu Verkaufszwecken kurz geöffnet.

"XXY blue, please"

"We dont have them."

Okay, dann eben XXX. Haben sie auch nicht.

"Kann ich bitte einen Blick in dieses Regal werfen. Meine Mittagspause ist gleich vorbei."

Ich habe keine Lust auf fröhliches Zigaretten-Raten.

"Nein. Ich darf diesen Schrank nicht öffnen, ohne etwas zu verkaufen."

Nach weiteren zähen, zehn Minuten habe ich endlich eine Sorte gefunden, die es auch tatsächlich gibt.

"Was kosten die?"

"Ich darf den Preis nicht sagen, der steht auf der Verpackung."

Man sollte RaucherInnen teeren und federn, fällt mir dazu ein. Bevor ich diesen Vorschlag laut ausspreche, verlasse ich den Laden mit schnellen Schritten.

Jetzt gerade habe ich die Briten nicht mehr gemocht.

Im Buchladen finde ich einen Reiseführer. Travelling through England and Europe.

Jetzt mag ich sie wieder. Ob sie mich mögen? Ich habe keine Ahnung.

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Silvia Jelincic

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Hansjuergen Gaugl

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Judith Innreither

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