Von Ali, der Deutschklasse und der Zukunft der Neuen Mittelschule

Die Wahl ist vorbei. Regierungsverhandlungen sind ins Rollen gekommen. Mögen uns diese nicht erschlagen. Mein Optimismus hält sich in Grenzen. In erster Linie gilt mein Interesse dem Bereich Kultur und Bildung.

Es liegt auf der Hand, dass es im Bereich der Bildung einschneidende Veränderungen geben wird. Denn, die FPÖ fasst ihr Bildungsprogramm in drei Schachtelsätze zusammen, und die ÖVP ergänzt dieses mit Vorschlägen ihrerseits. Ideen, die angeblich nicht auf deren Mist gewachsen sind. Aber, in Anbetracht der türkis-blauen Einheitssuppe, die auf uns zukommt, ist das völlig wurscht.

Die Deutschklasse

Einig ist man sich über die Einführung von Deutschklassen. Kinder jeden Alters sollen zuerst die deutsche Sprache lernen und in weiterer Konsequenz am Unterricht teilnehmen dürfen. Wie das funktionieren soll, erschließt sich mir noch nicht wirklich.

Ali ist sechs Jahre alt. Okay, ich fange anders an. Ali wird im Oktober sieben Jahre alt. Er ist ein sogenanntes Dispenskind, weil er nach dem 31. August erst sechs Jahre alt geworden ist. Bei der Schuleinschreibung werden Defizite im Bereich der deutschen Sprache festgestellt. Ich gehe optimistischer Weise davon aus, dass etwaige Mängel anhand eines Kriterienkatalogs festgestellt werden. Denn, wenn zum Beispiel bei der Einschreibung auffällt, dass Ali so sein Problem mit ihm vor die Nase gesetzte Autoritäten hat, könnte es ja sein, dass seine Deutschkenntnisse gar keine Rolle mehr spielen.

Ali wird eine Deutschklasse besuchen. Es wird ihm im Kreise anderer Kinder mit dem gleichen Problem die deutsche Sprache nähergebracht. Pausenunterhaltungen in der Muttersprache werden verboten. Nach zwei Jahren erfüllt Ali die Kriterien zum Besuch einer ersten Klasse. Ali ist jetzt bald neun Jahre alt. Das heißt aller Voraussicht nach wird er die Volksschule mit fast 13 Jahren abschließen. Zwei Jahre hat er in einer Art schulischen Parallelwelt gelebt.

Natürlich könnte es auch sein, dass Ali innerhalb eines halben Jahres die Sprache genug gut beherrscht. Aber während des Schuljahres in ein bestehendes Klassengefüge einsteigen ist gerade im Bereich der Primarstufe 1 nicht unbedenklich. Abgesehen davon, dass Ali den Unterrichtsstoff von einem halben Jahr nachholen muss.

Zukunft der Neuen Mittelschule

Ursprünglich wurden Problemschulen, oder auch Brennpunktschulen, mehr Personal zugesichert. Dass das nicht der Fall sein wird, liegt auf der Hand. Ich gehe davon aus, dass wir in der Neuen Mittelschule am langen Arm der Regierung verhungern werden. Klassenschülerhöchstzahlen werden fallen. SchulpsychologInnen und BeratungslehrerInnen werden sicher nicht neu eingestellt werden. SchulsozialarbeiterInnen wozu? Ja, vielleicht werden SecuritymitarbeiterInnen vor das Schultor gestellt?

Okay, ich revidiere. Es werden nur die Brennpunktschulen ausgehungert werden. Freiwillig werden nur mehr wenige in diesen Schulen unterrichten wollen, schließlich hat man ja gehört, dass oder die Tante kennt eine, die oder so. Ah ja, da gibt es noch die KollegInnen, die Missstände öffentlich aussprechen. Wobei, diese meines Erachtens unter anderem darauf zurückzuführen sind, dass das Schulsystem völlig überaltert ist. Dass wir immer noch wie zu Kaisers Zeiten unterrichten. Dass Autorität heute einen anderen Stellenwert hat, einer anderen Perspektive unterliegt. Dass ein Lehrer nicht aufgrund seines Status respektiert wird, sondern aufgrund seiner Persönlichkeit.

Ich werde weiterhin gerne in Schulen dieser Art unterrichten. Ich frage mich nur, wie es möglich sein wird, Kinder und Jugendliche weiter zu stärken. Schließlich wird diesen ja schon mit 10 Jahren vermittelt, dass sie Versager sind. Wahrscheinlich wird dann Ali in meiner ersten Klasse sitzen. Zusammen mit all jenen, die dem System nicht entsprechen können.

Es soll, so die ÖVP, eine einheitliche Abschlussprüfung in der achten Schulstufe geben. Wer diese nicht schafft, muss in der Schule bleiben. Wie lange? Was werden die Inhalte der Prüfung sein? Stimmt, eine Abschlussarbeit muss verfasst werden. Das ist dann ungefähr so, wie bei den vorwissenschafltlichen Arbeiten in der AHS. Wer es sich leisten kann, lässt sie schreiben.

Staatskunde werden wir unterrichten. Welche Inhalte soll ich da vermitteln? In Österreich ist jeder gleich, nur manche gleicher?

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