Wechseljahre, heiter bis stürmisch und manchmal bewölkt

Ich bin 53 Jahre alt, lebensfroh und optimistisch und ich bin im Wechsel. Ich wusste, weil ja nicht blöd, dass dieser Kelch nicht an mir vorübergehen wird, aber ich habe mir, weil ich naiv bin, das alles ganz anders vorgestellt. Wahnwitziger Weise habe ich mir in den letzten 35 Jahren diesen Zustand immer wieder gewünscht.

Bis jetzt kannte ich nur Bad-Hair-Days, seit ich im Wechsel bin, kenne zusätzlich Bad-Cloth-Days. Ich habe mir nie am Abend des Vortages überlegt, was ich am nächsten Tag anziehen werde. Wozu auch? Ich schmiede ungern Pläne und lasse davon ab, wenn es vermeidbar ist. Nach 10 Minuten reichte ein kurzer Blick in den Spiegel, ich war einigermaßen zufrieden und entfloh in den Tempel der Weisheit.

Jetzt ist es so, dass ich mich nach 10 Minuten zum dritten Mal umgezogen habe und maximal nackt in die Schule fahren könnte. Denn, es passt mir einfach nichts. Doch, doch Knöpfe und Reissverschlüsse lassen sich problemlos verschließen, aber das subjektive Wohlbefinden ist gestört. Den Anfang macht zumeist das T-Shirt, das Falten schlägt oder zu durchsichtig ist oder kurz oder zu lang ist. Okay, weg damit. Nach vier Versuchen haben ich ein passendes Oberteil, dass aber nicht mehr mit Hose oder Rock harmoniert. Also? Klar, weg damit. Heute habe ich fünf Minuten vor halb acht endlich etwas gefunden und bin, ohne noch einen Blick in den Spiegel zu werfen, von dannen geschlichen. Neue Taktik: Anziehen ohne in den Spiegel zu schauen.

An der Kreuzung warf ich einen zaghaften Blick in das Schaufenster und flüsterte mir leise zu: "Hallo kleiner Engerling wo gehst du hin?"

Weiters habe ich Gefühlsschwankungen, die die meiner pubertären SchülerInnen an nichts nachstehen. Oft reicht schon ein schiefer Blick und ich merke, es braut sich was in mir zusammen. Was kann ich genau nicht sagen. Irgendwas halt und fragt mich nicht, ich habe keine Ahnung.

Nächstes Kapitel, die Sache mit den Wallungen. Ich habe den ganzen Winter gefroren. Mein Körper hatte meine höchstpersönliche Erlaubnis zu wallen. Wollte er aber nicht. Nichts hätte ich mir Mitte Februar sehnlichster gewünscht, als eine dicke, fette Wallung  während ich 12 Minuten auf die Straßenbahn wartete. Aber jetzt sind sie da. Am liebsten habe ich sie, wenn ich mich ins Bett lege und die Decke bei der Nasenspitze habe. Wunderbar.

Ernährung im Wechsel, ganz wichtig. Ich esse ohnehin nicht unkontrolliert, passe auf und ich mag Grünzeug. Hilft nix, gar nix. Mein Körper verändert sich. Mehr Bauch und Busen. Irgendwas muss weniger werden, weil mein Gewicht hat sich noch nicht verändert. Nur, der Bauch muss weg. Logische Konsequenz, abseits von Sport, den ich eh mache, noch weniger essen. Hungrig schlafen gehen, hat mir eine Kollegin geraten. Und keinen Alkohol, punkt. Jetzt aber stop. Nur Pfefferminztee ist eine keine Lösung.

Jetzt gehe ich hin und wieder hungrig aber betrunken ins Bett und fast ausgeglichen.

Und wenn ich dem Internet Glauben schenken kann, dann ist spätestens in 10 Jahren alles vorbei.

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Luis Stabauer

Luis Stabauer bewertete diesen Eintrag 14.12.2015 23:17:10

Bärtram

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Judith Innreither

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fischundfleisch

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Silvia Jelincic

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