Vater verklagt Kindergarten - Turnen zu gefährlich für unsere Kinder?

So tragisch ein Unfall bei Kindern auch ist, aber es ist trotzdem nichts Besonderes was bei einem Gemeindekindergarten südlich von Graz passierte. Kinder durften dort über ein Seilgitter auf einer Sprossenwand klettern und bei einer eingehängten Langbank runter rutschen. Als aber zwei Mädchen gleichzeitig rutschten stürzte eine 5-Jährige ca. 60cm runter und hat sich dabei einen Ellbogen gebrochen.

Der Vater des Kindes verklagte daraufhin den Gemeindekindergarten auf Schadensersatz und für sämtliche Spät- und Dauerfolgen, weil laut seiner Meinung eine Verletzung der Aufsichtspflicht der Kindergartenpädagogin vorliegt. Die Höhe der Klage beläuft sich auf fast 15.400 Euro und das ohne den möglichen Spät- und Dauerfolgen.

Eine Verletzung der Aufsichtspflicht liege deshalb vor, weil die Kindergärtnerin alleine 21 Kinder betreute. Kolleginnen haben sich nämlich krank gemeldet. Die erfahrene Kindergartenpädagogin habe dennoch keinen Grund gesehen diese sportliche Aktivität abzusagen, weil sie meinte dass es sich um Kinder im dritten Kindergartenjahr handelte und sie das mit ihrer körperlichen Entwicklung schon sehr gut schaffen.

Das Oberlandesgericht für Zivilrechtsachen in Graz hatte im Sommer der klagenden Partei Recht gegeben. Laut dem Urteil des Gerichts hätte die Pädagogin diese Übung gar nicht durchführen lassen dürfen, weil zu wenige Aufsichtspersonen anwesend waren. Als die Kinder beim gemeinsamen Rutschen schaukelten hätte sie die Mädchen überdies schon ermahnen müssen. Und das Rutschten zu zweit wäre auch nur erlaubt gewesen wenn eine Aufsichtsperson direkt daneben gestanden wäre.

Laut Kindergartenpädagogin stand sie 2 Meter daneben als es zu diesem Unfall kam.

Der Oberste Gerichtshof bestätigte schlussendlich das Urteil vom Oberlandesgericht und muss nun über die Höhe des Schmerzensgeldes entscheiden und darüber ob der Gemeindekindergarten auch für Spät- und Folgeschäden haftet.

Das ärztliche Gerichtsgutachten von einem Unfallchirurgen besagt, dass sich die Höhe des Schmerzensgeldes auf rund 2000 Euro beläuft. Die Gefahr für Spät- und Folgeschäden sei nicht gegeben.

user:ozgurmulazimoglu (wikipedia) CC BY 3.0 https://de.wikipedia.org/wiki/Kindergarten#/media/File:ADO_5721.jpg

So viel dazu und was sind die Folgeschäden für die Allgemeinheit?

Werden wir immer mehr wie die Amerikaner? Ich weiß nicht ob es in Amerika wirklich so schlimm ist, oder ob wir nur heuchlerisch auf andere mit dem Finger zeigen, weil es uns die Medien so vorgaukeln. Aber mir geht es grundsätzlich nur um die suggerierende Aussagekraft.

Werden Ehrziehungsberechtigte und Aufsichtspersonen noch ängstlicher, als sie es eh schon heutzutage sind? Natürlich müssen wir Kinder schützen wenn handelte Personen grob fahrlässig agieren, aber darum geht es hier nicht. Es ist nur ein Kind einen halben Meter runter gefallen. Das kann doch überall und jederzeit passieren. Die Argumentation es seien zu wenig Aufsichtspersonen anwesend gewesen kann ich nicht nachvollziehen. Auch wenn 5 Pädagoginnen anwesend gewesen wären hätte es diesen Unfall geben können. Oder sollen sie bei einer sportlichen Aktivität nur mehr Händchen halten?

Sollen vor allem Kinder mit großem Bewegungsdrang angekettet werden? Ich habe einmal auf meine beiden Nichten im Kindergartenalter aufgepasst. Das Verhältnis lag als also 2:1. 2 Kinder und eine Aufsichtsperson. Wenn sie es wissen wollen wie weit sie gehen können, dann kann es sehr schnell zu einer gefährlichen Situation kommen wo sie sich jederzeit etwas brechen könnten. So geht’s denke ich jedem Babysitter. Von den 1000 Situationen wo sich Kinder verletzten könnten wird jedoch nichts passieren. Aber wenn etwas passiert hätte sich eine Aufsichtsperson bei der 1001 Situation falsch verhalten? Es sind doch schon Eltern öfters überfordert und diese verlangen von Pädagoginnen Wunderdinge?

Sollen wir unruhigen Kindern überspitzt formuliert ohne Rücksicht auf Spätfolgen regelmäßig Ritalin einflößen, damit sie etwas ruhiger werden? Sollen wir sie in Watte einpacken? Es ist doch jetzt schon besorgniserregend wie zurückgeblieben heutzutage viele Kinder bezüglich Bewegung sind.

Ich habe öfters mit Fußball-Jugendtrainern darüber gesprochen. Vorwiegend mit Trainern von Graz, Salzburg und Wien. Von erfahrenen Trainern höre ich Sätze wie "den Kindern müssen wir laufen lernen" und das haben die oft nicht überspitzt formuliert. Obendrein verletzten sich die Kinder viel leichter, weil sie nicht mehr richtig hinfallen können. Auch das muss gelernt werden. Ich spreche hier von Kindern die schon älter sind als 6 Jahre. In Wien schaffen es nicht nur deshalb so viele ausländische Talente zu Rapid und Austria Wien bis nach ganz oben, weil es so viele Ausländer gibt. Nein, das ist nicht der einzige Grund. Der Grund ist, dass viele waschechte österreichische Kinder erhebliche körperliche Defizite haben. Die Koordinativen Fähigkeiten sind mittlerweile schon eine Katastrophe. Ausländische Kinder wachsen noch etwas anders auf und das ist für eine Fußballkarriere oft ein Vorteil.

Haben wir zu wenig Pädagoginnen und Kindergärten? Das ist sicherlich oft der Fall, weil auch Pädagoginnen krank werden können. Zusätzlich sind die meisten in Kindergärten Frauen und können auch Schwanger werden. Das es da zu Engpässen kommen kann wird oft nicht vermeidbar sein. Auf alle Fälle sollte es viel mehr Springer geben.

Auf einer anderen Front möchten aber Erwachsene Menschen Spielplätze und Kindergärten verhindern. Vor einigen Jahren wurde in Österreich ein Kinderlärm gesetzlich noch genauso behandelt wie ein Baulärm - so viel dazu. Oder vielleicht haben wir einfach nur zu viele gehobene Pensionisten denen etwas zu langweilig in der Birne ist, weil in Graz gab es vor kurzem so einen Fall wo diese Gattung einen Kindergarten verbieten wollten -> Anrainer-Protest gegen Kindergarten: "Wir lassen uns sogar verhaften"

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