Nancy McDonnell: „Am Samstag bin ich anlässlich einer Gedenkfeier für den Aufstand vom 17. Juni in der DDR im ehemaligen Zuchthaus Cottbus gewesen. Ich war das erste Mal in meinem Leben in Cottbus, ohne triftigen Grund kommt man hier normalerweise nicht her.

Am Rande hatte ich auch von dem dortigen Gefängnis gewusst, aber ich weiß auch von Bautzen, Chemnitz, Berlin… Nun folgte ich also mal der Einladung mir bekannter IGFM-Mitglieder und schaute mir den Ort, in dem DDR-Geschichte geschrieben wurde, einmal an.

Das Zuchthaus von Cottbus war eines der berüchtigten DDR-Gefängnisse für politische Gefangene. In den 80ern gab es dort rund 500 Gefangene, die von 208 Wärtern und 30 IM der Stasi überwacht wurden. Typische Haftgründe waren damals staatskritische Äußerungen und die Kontaktaufnahme zu Menschenrechtsorganisationen und westlichen Medien.

Eigentlich ein grässlicher Ort, und doch hat er für mich etwas Positives vermittelt. Dort saßen Menschen ein, die den Mund aufgemacht haben, die sich gegen Unrecht gewehrt haben, denen Freiheit wichtiger war als Schweigen und Heuchelei.

Die Folter und Qualen, die sie dort erlitten haben, sind nichts Neues für mich. Ich kenne sie von den Berichten der Falun Gong-Praktizierenden aus China, die heute immer noch der Willkür der kommunistischen Diktatur ausgeliefert sind.

Man foltert die Unbeugsamen, um ihren Willen zu brechen. Manche zerbrechen daran, manche halten durch.

Ich erinnerte mich unweigerlich an den Schulfreund meiner Mutter, der zu DDR-Zeiten in jugendlichem Leichtsinn ein Hakenkreuz auf die Schulbank geschmiert hatte. Kurz darauf wurde er abgeholt. Als er einige Monate später wieder aus dem Knast entlassen wurde, beging er Selbstmord.

Erschütternd auch die Wand mit Infotafeln all der durch die DDR-Diktatur bedingten Waisenkinder. Regimekritischen Müttern wurden damals die Kinder weggenommen und an Pflegeeltern abgegeben. Manche haben sich später wiedergefunden, manche nie wieder.

Natürlich möchte man irgendwie nicht an die grausamen Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen in der DDR erinnert werden, und doch ist es so wichtig wie nie zuvor, daran zu erinnern. Es darf nicht vergessen werden.

Meine Erinnerungen an die DDR ähneln dem. Ich wurde in der 4. Klasse per Anweisung gezwungen, vor einer Kommission auszusagen, die über einen Klassenkameraden entschied, ob er ins Heim kommen sollte. Ich wurde befragt, wie sich R., so hieß er, denn so verhalte. Ich sagte, er zucke öfters, sei oft bei uns zu Hause, er sei bei uns zu Hause immer sehr nett.

Meine Eltern, besonders meine Mutter, behandelten ihn immer gut, weil sie wussten, dass er oft von seinem Vater, einem Alkoholiker, verdroschen wurde. Meine Aussagen hatten kein Gewicht. Weder hatten sie Konsequenzen für den Vater, noch hinderte es die Kommission, R. in ein Heim zu stecken. DDR Kinderheime waren das Übelste. Kinder mussten in manchen Heimen Springübungen machen bis zur Ohnmacht, Rechte für die Kinder gab es so gut wie keine, sie mussten sogar in den Heimen arbeiten. Vieles über die Heime erfuhr ich erst nach der DDR, aber der Ruf war schon in der DDR negativ, die Spatzen pfiffen es von den Dächern, weil halt einiges trotz der Bedrohung durch die Stasi durchdrang.

Mein damaliger bester Freund kam eines Tages zu mir, wie jeden Tag zum täglichen Stromern durch die Wälder und Teichlandschaft, nur fragte er diesmal, ob er bei uns wohnen könne. Ich fragte warum, er bat mich noch einmal zu fragen. Auch meine Eltern waren schockiert, seine Mutter hatte sich aufgehängt, sein Vater wollte die beiden Kinder nicht haben, seine Eltern waren auch Alkoholiker. Auch er wurde daheim verprügelt, ihm schien es aber nichts auszumachen, er ließ die Gewalt an anderen aus. Mein Vater ging mit uns zu dem Vater, redete heftig auf ihn ein, stritt sich heftig mit ihm, wollte ihn umstimmen, er war aber zu betrunken. Noch ein weiteres Mädchen aus meiner Klasse kam in ein Heim, weil die Mutter Alkoholikerin war, sie entsprechend schlecht erzogen war. Zwei weitere Kinder waren stetig davon bedroht, ins Heim zu kommen, andere hatten ebenso Angst davor. Dies bei einer Klasse von 14 Kindern. Die Klassenlehrerin war eine überzeugte Sozialistin, sie wurde vor wenigen Jahren ausgezeichnet. Zu ihrer Verteidigung sei angemerkt, dass sie ihre Augen vor der Gewalt gegenüber Kindern nicht verschloss, aber die Kinder über eine Beschwerde in ein Heim zu schicken, das war der völlig falsche Weg, es machte es den Kindern noch schwerer.

Alkoholismus war in der DDR Volkskrankheit. Die Wismut, die den "Wismutschnaps" fast für umsonst abgab, weil sonst keiner Uran abbauen wollte, verschlimmerte die Sache bei uns in der Region.

Gewalt, war in der DDR tabu, aber stetig präsent. Ich hatte mit meinem Klassenkameraden in den unteren Klassen, die Mitschüler und Kinder aus anderen Klassen wöchentlich verdroschen, Kinder aus höheren Klassen war ein zusätzlicher Kick. Viele Menschen waren ob der offensichtlichen Gewalt in den Familien überfordert, es war ja tabu.

Auch später hatte ich riesige Probleme mit Gewalt. Ich musste erst lernen, Konflikte ohne Gewalt zu lösen. Als ich in einer Großdisko hier im Pott alle Rausschmeißer verdroschen hatte, mich danach noch mit Polizisten zweier Streifenwagen rumgedroschen hatte, die Nacht in der Zelle verbrachte und vor Wut meine Fäuste blutig schlug, und mein ganzer Körper nach dem Fight grün und blau war, hörte ich komplett auf zu trinken und mich zu schlagen. Es war vor etwa 20 Jahren. Ich habe den Dreh geschafft.

Ich weiß nicht, ob meine Freunde dies geschafft haben oder was aus den Kindern in den Heimen wurde, ich kann es mir aber denken, deswegen will ich es nicht wissen. Dennoch bekomme ich stetig Einladungen zu Klassentreffen, denen ich mich verweigere, weil Alkoholismus, Heime, das unkritische Verhalten in der DDR, sicher nicht angesprochen werden und ich keine Lust habe, das Arschloch zu geben, das die Party versaute.

Ich hatte in der DDR Glück, meine Eltern waren nie gewalttätig. Ich konnte daneben meine Lehrer oder andere DDR Fanatiker mit der harten Realität in Konfrontation bringen und gleichzeitig wie in einem Eigengespräch den Sozialismus in den siebenten Himmel loben, wodurch meine Kritik, die viele auf die Palme brachte, meist ohne Konsequenzen blieb. Bei mir war es der Reiz, intelligent und brachial zu sein. Einer der Klügste der Klasse, der aber gleichzeitig bei Klassenkämpfen, die gesamte Klasse und das gesamte Inventar auf den Kopf stellen konnte.

Am 17. Juni 1953 wurden protestierende Arbeiter, die bessere Arbeits- und Lebensbedingungen in der DDR einforderten, von Panzern, Gewehren von Soldaten der UdSSR und DDR zusammengeschossen. Opferzahlen wurde nie publik gemacht, die Mehrzahl der Opfer wird es durch die folgenden Verhaftungen gegeben haben.

Und hier auf der Plattform unterstellen tatsächlich welche, dass es von Ostdeutschen schäbig sei, sich rechtpopulistisch zu verhalten. Schäbig ist die Geschichte derartig zu verdehen, wie es einige hier auf der Plattform tun, wenn man ignoriert oder verkennt das das Stasiregime der DDR, die Regime von Stalin und Mao mit den gleichen Mitteln wie das NS Regime gearbeitet haben. Wobei immer wieder zu betonen ist, dass Sozialisten wie Stalin, Lenin und Mao die meisten Menschen umbrachten. Stalin soll für über 20 Mio. verantwortlich sein, auf seine Anweisung hin kamen Millionen in sibirischen Lagern um, starben Millionen Ukrainer.

Rassismus jeglicher Stufe kann auf Basis von ethnischem Rassismus oder kulturellem Rassismus ausgeübt werden. Die Mittel dies auszuüben, unterscheiden sich nicht, die Stufen sind Benachteiligung, Isolierung, vor Gericht ungleich richten, verhaften, foltern oder töten. Ethnischer Rassismus erfolgt auf Basis der Abstammung. Kultureller Rassismus zeigt sich, wenn Menschen wegen ihrer Kultur, Lebensweise, Denkweise, ihrer Meinung, ihrem Handeln rassistisch behandelt werden.

Derzeit zeigt sich ganz offen kultureller Rassismus. Gastwirte werde bedroht, Islamkritiker müssen um ihr Leben bangen, AfD Politiker oder Mitglieder werden körperlich angegangen, deren Autos teils abgebrannt. Sagen sie das Gleiche, wie SPD oder CDU Politiker, dann sind sie „Nazis“(Isolation). Ostdeutsche sind wegen ihrer Proteste "Dunkeldeutsch", Gauck sagte dies und erhält im Ruhestand 214.000 Euro pro Jahr. Linke Gewalt wird kaum bestraft, die Antifa wird sogar finanziell unterstützt, von Landesregierungen wie Thüringen. Es gibt Stiftungen, die nichts anderes tun, als im Netz zu Schnüffeln, wie die Amadeu Antonio Stiftung, von einem SPD Ministerium unterstützt. Dieser Rassismus zeigt sich auch hier auf der Plattform, wo kritische Stimmen klar gegenüber Geschichtsverächtern benachteiligt werden, wo Ostdeutsche oft per se, „rechts“ sind.

Ethnischer Rassismus existiert kaum in der Bundesrepublik, wenn dann nur versteckt. Demonstrationen gegen Zuwanderung, Aufnahme von zu vielen Asylanten, ist politische Kritik. Ob diese nun berechtigt ist oder nicht, dies hat aber nichts mit Rassismus zu tun, denn es geht um die demokratische Einflussnahme, nicht um Benachteiligung von Gruppen. Es sei deutlich darauf verwiesen, dass Asylsuchende und Zuwanderer Rechte vom deutschen Staat in Anspruch nehmen dürfen, diese Rechte hat aber die deutsche Regierung im Sinne der Bevölkerung, sprich der Wähler auszugestalten. Das scheinen immer wieder einige zu verwechseln, sie denken, als dürften alle in der Welt den deutschen Staat so gestalten, wie sie es gern wollten. Grundgesetz Artikel 20: "(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt."

Zurück zu den Opfern. Keiner von den Ostdeutschen Demonstranten 1989 wusste, dass dies nicht genau wie zum 17. Juni ausgehen wird. Kasernen waren beispielsweise in Plauen keine 10 km von den Demos entfernt. Mir gefällt an den Erinnerungen an die Gefängnisse oft nicht, dass es namenslose Geschichten sind, Menschen ohne Gesichter. So ist Geschichte. Aber die Opfer der DDR leben noch. Stalins weit über 20 Mio. Morde sind namenslos, die erschossenen Menschen an der Mauer sind fast alle namenslos, die vom 17. Juni auch. Es wird Zeit, den noch lebenden Opfern der DDR entsprechend zuzuhören, ihnen die entsprechende Achtung zukommen zu lassen und der Nachfolgepartei der SED und den Mitläufern die richtigen Fragen zu stellen. Auch wird es Zeit, die Vergangenheit Merkels zu klären.

http://vera-lengsfeld.de/2017/06/19/impressionen-von-der-gedenkfeier-anlaesslich-des-17-juni-im-ehemaligen-zuchthaus-cottbus/#more-1450

Wolfram Zimmer: Political relics - Politische Reliquien

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