Deutschland hat noch jetzt den 30jährigen Krieg von 1618-48 in Erinnerung, in Nahost sind es nun schon 15 Jahre planloser Krieg.

Seit mehr als einem Jahrzehnt gibt es in Nahost pompös angekündigte Aktionen, seien es die Befreiung des Irak von Saddam Hussein, die Befreiung Afghanistans, die Befreiung Syriens von Assad, das Ausrufen des Arabischen Frühlings, die fast gefeierten Angriffe auf Libyen, nun die Angriffe auf Aleppo, Mossul. Immer sind dies riesige Kriegshandlungen bzw. ganz offen kommunizierte Stellvertreterkriege, verbunden mit unzähligen Opfern. Jemen und Libyen kamen seit Jahren nicht mehr zur Ruhe, nun weitgehend unbeachtete Bürgerkriege, was dort geschieht, darüber wird mehr als schlecht informiert.

Informiert wird nur, wenn der falsche Kriegsakteur zu viele Menschen getötet hat, wie in Aleppo. Doch wurden nicht längst zu viele getötet? Und was ist der falsche Kriegsakteur, unterstützt Deutschland überhaupt die richtigen Akteure? Nahezu sämtliche Aktionen erscheinen im Nachhinein planlos oder viel zu wenig durchdacht und mit schlechter Strategie, Nahost ist das reinste Chaos. Es stehen sich teils die USA und Russland feindlich gegenüber, beides Atommächte, nun auch die Türkei mit dem vollmundig verkündeten Anspruch das ehemalige Kalifat wieder zu errichten. Deutschland unterstützt die USA und die Türkei.

Wie wird Nahost in Jahren aussehen, wenn denn einmal Frieden ist? Weitgehend zerstört, völlig verarmt, desorganisierte Staatengebilde, undemokratisch kontrolliert von irgendwelchen Militärregierungen, Diktaturen, die der eigenen Bevölkerung sicher großes Leid zufügen werden, dazu die Bevölkerung mit unsäglichem Hass aufeinander.

Auch mir ist klar, dass internationale Politik kein Wunschspiel ist, ich bin ja kein Friedensaktivist. Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich will diese stetige Militärhandlungen nicht mehr sehen, ich möchte vor allem nicht mehr, dass Deutschland in diesen Kriegen mitagiert, ich will dort keine v. d. Leyen in Hubschraubern über Kriegsgebiete fliegen sehen. Ich möchte nicht, dass durch diese Kriege so viele Flüchtlinge nach Europa kommen. Warum?

Weil vor allem die Hauptfragen weiter ungeklärt bleiben. Diese sind für mich, wie geht man künftig mit dem Islam um, wie mit Terrorismus, wie kann man die moralische Hemmschwelle andere Menschen zu töten, heraufsetzen, damit es weniger Terror gibt? Wie geht man mit Diktaturen um, wie stoppt man dieses extreme Bevölkerungswachstum, was meist die Grundlage für Konflikte schafft, und wie bietet man den Menschen in armen Ländern eine Perspektive? Was ist derzeit überhaupt Krieg? Und wenn es denn Krieg gibt, wie führt man diesen und kommuniziert es der eigenen Bevölkerung, was wäre dann das Ziel, was ein Erfolg? Eine Besetzung von Gebieten, wo sich jede Woche Menschen selbst in die Luft sprengen, um Zivilisten zu töten, werte ich nicht als Kriegserfolg.

Und wer haftet für falsche Kriegsentscheidungen in Demokratien? So wie bei Oberst Klein kann es nicht sein, dass am Ende die Soldaten im Namen ihrer Regierungen vor Gericht stehen. Ein Parlament, dass einer Kriegshandlung zustimmt, hat diese auch zu verantworten, also die Grünen und die SPD die Geschehnisse in Afghanistan von deutschen Soldaten. Es kann nicht sein, dass diese Parteien weiterhin als Friedensparteien gelten.

http://www.tichyseinblick.de/meinungen/aleppo-und-mossul-partnerstaedte-im-elend/

„Wie Yahoo und USA Today berichten, sind schon 2014 mehrere 10.000 Menschen beim hauptsächlich aus der Luft geführten Kampf getötet worden. Obwohl es Zweifel gibt, ob ein Guerillakrieg mit Gewalt oder gar mit Luftangriffen gewonnen werden kann: Der Westen packt das Problem Hassobjekt IS nur mit der stählernen Faust des Krieges an…. Auf der Strecke bleibt der Zivilist, in Afghanistan, Irak und Pakistan zusammen starben diesem Spiegel-Bericht zufolge schon 2001 rund 350.000 Menschen, davon etwa 220.000 nicht unmittelbar an den Kämpfen Beteiligte.“

Der Spiegelbericht. Wohlgemerkt ich bin kein Spiegel-Fan, dieser berichtete zu oft voreingenommen, aber in diesem Artikel wurden einmal versucht, die Todesopfer zu summieren.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/afghanistan-rund-68-000-todesopfer-laut-studie-seit-2001-a-1036670.html

Von den Kriegsopfern abgesehen werden für diese Kriege Unmengen an Ressourcen aufgewendet, die USA, GB gelten als überschuldet.

Obama hat das Ende der Konflikte versprochen, plus den weitgehenden Abzug der Truppen aus den Regionen, damalige Außenministerin war Hillary Clinton, die schon jetzt als Siegerin der US Wahlen gilt. Obama bekam den Friedensnobelpreis 2009. Die Kriege werden unter Clinton weitergehen, alles wie gehabt. Ich habe bei den Kosten nur ganz oberflächig gesucht, denn ich will es eigentlich nicht mehr wissen, ich habe diese planlosen Kriegshandlungen einfach nur satt.

Mich interessieren zwar nicht die Finanzen der USA, aber Deutschland mischt ja in den Kriegen mit, ist Natomitglied, das heißt Partner von vier Kriegsakteuren, den USA, Frankreich, GB und der Türkei.

In dieser Gemengenlage überrascht die voreingenommene Berichterstattung von ARD/ZDF,… über Syrien nicht, simpel formuliert, alles was Assad und Russland tun, ist unmenschlich, böse, muss in Talkshows diskutiert werden. Der Sturm auf Mossul wird hingegen als Befreiung gefeiert. Doch worin unterscheidet sich beides? Ist die irakische Regierung etwa demokratisch, sind dies die Peschmerga? Wobei letztere wenigstens noch für ihre Freiheit kämpfen.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/irak-und-afghanistan-kriege-kosten-die-usa-mehr-als-680-milliarden-dollar-a-616454.html

Hier eine Kostenaufstellung für das Land Afghanistan 1650 Mrd. Dollar, also nur für das Land, nicht für die USA, Deutschland und Partner.

https://thruttig.wordpress.com/2015/06/02/kriegskosten-in-afghanistan-56000-bis-68-000-tote-1650-milliarden-dollar-ohne-zinsen/

Hier eine Diskussion von Scobel(3Sat) zu dem Thema, sie hebt sich wohltuend ab. „Archäologie des Krieges“. Eingeleitet wurde die Diskussion mit einem Beitrag über die Freilegung eines Massengrabes aus dem 30 jährigen Krieg, von der Schlacht bei Lützen.

Ein Teilnehmer, Harald Meller sagte, was ihn überraschte war der Fund, dass der letzte Beerdigte offensichtlich an einem großen Kreuz beerdigt worden war, als wollten uns die Bauern sagen, die die Toten vergraben mussten, dafür habt ihr also gekämpft, für unseren Hunger, unser Leid und Euren Tod.

Die Gruppe kam auch zu dem Ergebnis, dass die Aussage, „Zivilisation hege Krieg ein“, falsch ist, im Gegenteil Zivilisationen ermöglichen erst diese Kriege, speziell die modernen Kriege. Die Steinzeitmenschen machten keine Kriege wie wir sie heute interpretieren, sondern Kämpfe um die Nahrung. Grausamkeiten machen gerade heute für die Kriegsparteien Sinn, siehe IS, siehe Russland und China, dennoch behaupten wir von uns in entwickelten und gebildeten Gesellschaften zu leben. Wir sollten viel kritischer auch auf unser Weltbild schauen. Solche Diskussionen werden zu wenig geführt. Auch wird viel zu wenig auf die Geschichte zurückgeblickt. Nichts wird sich 1:1 wiederholen, aber man kann dennoch aus ihr lernen.

Dazu ein Buch Stephen Pinker „Eine neue Geschichte der Menschheit“. Er behauptet, dass weniger Menschen in den letzten Jahrhunderten Opfer von kriegerischen Auseinandersetzungen wurden, auch wenn man 1. Und 2. Weltkrieg hinzurechnet. Weil es inzwischen viele Möglichkeiten gibt um Kriege zu verhindern, er beschreibt diese.

Sein Buch hat sehr viele Kritiker, seine Zahlen werden angezweifelt.

https://books.google.de/books?id=W29rAgAAQBAJ&printsec=frontcover&dq=stephen%20pinka&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiD2-D65ubPAhUrBcAKHYOGCYYQ6AEILjAC#v=onepage&q&f=false

Es sind sehr heikle Themen, Krieg für was? Was rechtfertigt einen Krieg? Wie kann man einen Krieg verhindern? Mit Schuldzuweisungen, wie die Reichen in den USA treiben uns in den Krieg, ist es nicht getan. Wir tun es schon selbst entscheiden. Oder haben die Deutschen nicht mehrheitlich die SPD und die Grünen gewählt, die den Kriegseinsatz in Afghanistan beschlossen? Oder haben wir nicht mehrheitlich das jetzige Parlament aus CDU, SPD, Grünen, Linken und CSU gewählt, dass den Einsatz in der Türkei entschied?

Und gab es entsprechende Demonstrationen gegen diese Entscheidungen? Gibt es sie jetzt?

Also leichtmachen sollte man sich das Thema nicht. Das Problem steckt in uns. Wir haben für uns selbst die offenen Fragen nicht geklärt, oft nicht einmal darüber nachgedacht, wir sind zu bequem, das Thema ist zu unangenehm.

Announced gevechtspauze in Aleppo discussed

Etwas zum Jemen:

2
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
6 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

Matt Elger

Matt Elger bewertete diesen Eintrag 23.10.2016 10:57:22

baur peter

baur peter bewertete diesen Eintrag 22.10.2016 21:17:38

Noch keine Kommentare

Mehr von Matt Elger