Wir erwarten dieses Wochenende einen massiven Kälteeinbruch. Bis zu -22° wurde bei uns in Österreich vorausgesagt.

Ich saß an meinem Schreibtisch und blickte auf zarte Eisblumen die sich auf unseren Fensterscheiben gebildet haben. Die alten Doppelflügelfenster gingen hinaus in den Garten und die äußere Scheibe glich zur Hälfte einer wundervoll verzierten Silbertafel. Leuchtende strahlende Farne bogen sich von den Fensterrändern, begleitet von tausend Glitzer, als wollten sie ihresgleichen auf der anderen Seite umarmen. Bei sanfter Berührung wich das Gebilde meinen Fingern und in kürzester Zeit öffnete sich mir der Blick auf unseren Garten, welcher das prächtigste Kleid des Winters trug.

Nachbars Kühe blickten über den Zaun, zwei von Ihnen rissen sanfte Büschel Gras, die sich wie kleine grüne Inseln, aus dem weißen Meer emporhoben. Ein kleiner Vogel, ich glaube es war ein Sperling, zitterte auf einem Ast unseres Yasmin-Strauches. Zarte Schneeflocken lösten sich unter ihm wie ein feiner Nebel. Das Herabrieseln trug eine Stille, zu der nur der Winter imstande war.

Der kleine Vogel fror, ich sah es ihm an, doch plötzlich und mit einem Satz erhob er sich in die Lüfte. Seine Flügelschläge wirkten müde, als hätte ihm die Kälte die letzten Kräfte geraubt. In schwingenden Wellen erreichte er den Zaun und stockend stürzte er in den Schnee.

Dort lag er nun, des Piepsens nicht fähig. Seine Flügelschläge kaum erkennbar. Sein Kopf am eisigen Boden liegend, dem Augenblick zugewendet, der das unabwendbare Ende einläutet. Ich stand auf, mein Blick auf ihn gerichtet, in der Hoffnung, dass er sich noch fängt. Mit Flügelschlägen und einem Satz, dem Wiederstand des Eises - in die Lüfte entflieht.

Plötzlich, ein Schatten über ihn und im Augenblicks eines Wimpernschlages, in einem mächtigen „Blopp“ fiel ein gewaltiger Kuhfladen auf ihn und begrub den kleinen Vogel unter sich.

Ich sprang zur Tür und als ich sie öffnete, sah ich wie aus der Flade Dampf entwich und bizarre Formen in die eiskalte Luft formte. Ruckartig bewegte sich dieser und ein "Tschipp, Tschipp“ drang an seine Oberfläche. Zu keiner Regung fähig starrte ich auf diesen kleinen braunen Hügel und wurde Zeug eines Erwachens, gezeugt aus der Wärme eines Gedärms. Der kleine Vogel wurde immer lauter, es klag beinahe fröhlich. Sein „Tschipp, Tschipp“ erfüllte unseren Garten mit Leben und mein Herz erwachte mit ihm und jeden seiner Laute.

Ich ging in die Kälte, wollte ihm helfen. Wenige Schritte vor der Flade sah ich seinen Kopf, welcher sich durch die warme Brühe gekämpft hatte. Sein Zwitschern wurde noch lauter. Als plötzlich unsere fette Katze Minka, bei welcher ich mit meiner Familie gnadenhalber wohnen durfte, auf diese Flade sprang und den Vogel mit schnellen Tatzenschlägen aus der Flade kickte. Sie schlug noch zweimal auf ihn, als wollte sie ihn ordentlich abputzen und bevor ich noch „Minka nein!“, schrie, verschlang sie ihn samt Haut und Federn. Blöde Katze.

Es fing zu schneien an, Kältetupfer aus feinen Kristallen zogen an mein Gesicht. Ich starrte auf diesen Kuhfladen und konnte es nicht glauben, wie das Leben sich selber zu schreiben vermag. Ein Flüstern berührte meine Ohren, sanft und kaum wahrnehmbar. So, als würde der Schnee aus dieser Tragödie, ein Geheimnis preisgeben - verbunden mit drei Erkenntnissen.

Erste: - der, der dich zuscheißt, muss nicht immer der Feind sein.

Zweite: - der, der dich aus der Scheiße zieht, muss nicht immer ein Freund sein.

Und dritte: - wenn du schon in der Scheiße gelandet bist – dann halt einfach die Klappe.

In diesem Sinne meine Freunde der leichten Unterhaltung, es wird verdammt kalt dieses Wochenende, passt auf Euch auf und macht um Kuhfladen einen riesen Bogen. 😊

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