Der Jahre, immer mehr – der Freundschaften, immer weniger.

Freundschaften verlieren sich, weil sie von ihren Frauen, gestohlen werden. Das letzte Mal, als wir sie sahen, war es auf ihren Junggesellenpartys.

Es stiehlt sie Ihre Arbeit, ihr Beruf. Es stehlen sie die Jahre, die Zeit und manchmal auch der Tod. Es stehlen sie, irgendwelche weit entfernten Länder. Es stehlen sie ihre Kinder und manchmal ihre Namen in den Zeitungen oder ihre Gesichter in den Fernsehnachrichten. Manchmal stielt sie das Militär oder Grenzen der Länder, die wir nicht überschreiten dürfen. Ungeahnte Pandemie und Coronas, stahlen sie aus unserem Umfeld und jede ihrer Umarmungen, als hätten sie nie existiert.

Es stehlen sie, unsere Worte über sie, die sie von dritten Freunden, gehört haben. Und auch jene, die von uns leichtfertig ausgesprochen, so als hätten wir tausend an der Zahl, sie an andere zu verleihen.

Wir halten an verkrüppelten Freundschaften fest, leben mit ihnen, den nicht erfüllten Träume einer wahren Freundschaft gleich, nur weil wir uns davor fürchten, allein zu bleiben. Der größte Teil unserer Freundschaften, beschränkt sich auf Kompromissen, einer beschämenden Übereinstimmung unserer Gefühle sowie der Flucht vor der Einsamkeit.

Wie wundervoll es doch zu sehen ist, wenn Freundschaften über 40 Jahren oder mehr, bestehen. Wie viel war notwendig, an Liebe, Geduld, Versöhnungen, an Fehlern und Zugeständnissen unserer Schwächen? Wie viel List war dabei notwendig, den Jahren dafür die Zeit zu stehlen, oder der Arbeit, eigenen Ambitionen, der Familie und den Nachmittagsschläfchen? Wie viel Verständnis war nötig, damit sich dieses zarte, zerbrechliche Pflänzchen Freundschaft, zwischen zwei ältere Menschen, manchmal länger als so manches Menschenleben, nach so vielen guten und schlechten Jahren, besteht?

Zwei über Nacht, gealterte Männer, die noch alte, versteckte, geheime Wege neben der Schule oder der Dorfkirche kannten oder verbotene Gärten, die es heute nicht mehr gibt. Die damaligen Löcher in den Zäunen des Nachbars, die sie zusammenbrachten, ihnen die Flucht, in die buntesten Abenteuer erschlossen.

Es ist interessant, am Ende einer Freundschaft, verurteilen wir immer den anderen, niemals uns selbst. Selten denkt einer, über sich selbst, dass er womöglich eine konfliktreiche Natur, Charakter, Gemüt oder Neigung gegenüber neuen Freundschaften, besitzt.

Was mich betrifft, so sind mir wahre Freundschaften, das Wertvollste im Leben. Natürlich, wie auch andere, gehe ich neue Bekanntschaften ein, aber am meisten von allen, bewahre ich meine Freundschaften, mit jenen, die sich an mich erinnern, als ich noch dunkle Haare, davon auch mehr als heute und den jugendlichen Verrücktheiten, zugetan war.

Einem dieser Freunde widme ich heute diese Zeilen. Manfred, der mich aus der Volksschule kennt, und er, nach 54 Jahren, nie aufgehört hat - mein Freund zu sein…

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