…erzeugt, um stillzuhalten, und in ihr zu verharren. Das Lebendige, einzusperren, aus dem Licht ins Dunkle zu treiben. Die Freude, an der Vernunft zu zerbrechen. Sie zu entstellen, ihre segnende Form zu verraten und sie solange schänden, bist du dich für sie – schuldig fühlst.

Künstliche Stille, treibt mich, vor mich hin, aber schlimmer noch - von dir fort. Sie befähigt den Zorn, die Angst, die Bitterkeit und dennoch ist da irgendwo in ihr, noch Liebe. Die, einem Adler gleich, auf meinen Brustkorb landend, und bei jedem Wort, welches meine Lippen verlässt, auf Versöhnung die Distanz einschwört, begleitet mit letztem Versuch, dieser Stille zu entfliehen – Fleischstücke aus meiner Brust reißt.

Diese künstliche Stille, welche nicht von uns hervorgerufen wurde, nie von uns beabsichtig war, hält mich mit jedem Atemzug von dir fern. Sie bestimmte, bei jeder Berührung, jeder Umarmung, jeden Kuss, der die Kraft besaß, mich ins Leben zu träumen, sie zu ersticken und jede Sehnsucht nach Nähe, verstummen.

Künstliche Stille ist lauter, als mein Herz zu schreien vermag. Wie ein Donner, der mir auf die Schläfen drückt, mir die Nächte raubt und am Morgen, so als wüsste sie um meinen Schmerz, den Tag im Traum verwandelt. Ich suche dich in der Küche. Nur deine Kaffeetasse stand noch da, halbleer. Auf den kleinen Küchentisch, welchen wir uns letztes Jahr gekauft haben. So, als wärst du in Eile gewesen, diese mit deinem roten Lippenstift benetzt. Stehengelassen, wie alles in diesem Raum, der mit jedem Atemzug - mir glich.

Künstliche Stille, die aufgesetzt, über uns wacht. Jede unserer kleinsten Bewegungen nach Freiheit, mit verräterischen Blicken bedeckt. Du hast es gewagt, du warst schon immer die Stärkere von uns beiden, aus dieser Stille zu entfliehen. Dabei hast du einen Raum in mir erzeugt, so, als hättest du eine Tür geöffnet. Eine die nach Außen führt, die mich wieder atmen lässt.

Der Weg zu dir, kaum wahrnehmbar und nur aus dem Gefühl geboren, zu wissen, dass Täuschung auf Täuschung folgt, dabei immer auch Neues gebärt. Einem Reisenden gleich, folge ich deinen Post-it durch die Wohnung, die kein Ende nimmt. Folge den gelben Klebezetteln an den Wänden, die du, wie Gretel, mir den Weg markierst und dabei, mich der Stille entreißt.

Ganz gleich wie weit ich mich in dieser künstlichen Stille verlier. Oder unverzeihlich, an manchen Tagen, von dir fliehe; - ich kehre immer zu dir zurück. Ungewollt und doch von dir ersehnt, um unsere Wunden zu heilen - die diese Stille erzeugt.

Kehrt in den Umarmungen eurer Liebsten zurück. Lasst nicht zu, dass sie eure Herzen verseuchen. Täuschung gebärt Täuschung und lässt verbrannte Erde zurück. Sucht Eure eigene Stille, in Euch. Diese erkennt man leicht – sie verbindet und trennt nicht ...

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