Es ist unheimlich schwierig , auf einer Plattform wie FischundFleisch gegen den Mainstream zu schreiben. Auf einer Seite, welche zu ca 90 % von Politik und Weltgeschehen beherrscht wird. Bis vor etwa drei oder vier Jahren war alles noch etwas anders. Da schrieben mehrere Blogger und *Innen (zB eine Bluesanne), die hier auf FuF die die Nische Kunst und Musik bedienten. Zur Zeit lese ich bezüglich des Genre Musik nur gelegentlich, unter anderen von @nzerr (selbst Musiker mit Einbindung persönlicher Erfahrung und Erlebnisse) @philip.blake oder auch @rigoletta , sehr gute Beiträge. Natürlich hat jeder einen anderen Musikgeschmack und ich kann mich diesbezüglich einfach nicht dazu überwinden, über jemanden zu schreiben, den ich weder höre noch gut finde. Im Übrigen würde mir auch keiner der mich kennt abnehmen, würde ich über eine Helene Fischer schreiben. Und darum schreibe ich auch nur über Musik die MIR etwas bedeutet. Wem`s gefällt, gut. Wem`s nicht gefällt braucht es ja nicht zu lesen.

Aber es war halt auch eine schöne Zeit in den Anfängen von FuF, in der es diese rechts/links Debatten noch nicht so zu geben schien. Es gab weder Löschungen, keine Beleidigungen und auch keine derart extremen Anfeindungen wie sie hier und heute gang und gäbe sind. Meine Beträge trugen oft dazu bei – da ja auch schon vor Jahren, hauptsächlich über Politik geschrieben wurde – einen guten Ausgleich zu schaffen. Und eben aus diesem Grund starte ich einen Versuch meine anfängliche und mit Augenzwinkern geschriebene Blogreihe „Die wilden Siebziger“ und "Wunderbare Jahre" wieder aufleben zu lassen bzw zu ergänzen, weil mir eben das ständige Getöns rund um Migration, Islamophobie und ähnlichem schon so derart auf die Nüsse geht. Ob`s euch passt oder nicht, es is ma eh Wuaschd :))))

Und natürlich fängt die erste Gschicht mit Musik an:

Wenn ich in weiterer Folge „füher“ schreibe, meine ich die 70iger Jahre und ich bin genau in dieser Zeit aufgewachsen. Es war einfach eine geile Zeit, für mich eben "Wunderbare Jahre".

Wenn man in einem kleinen Dorf aufgewachsen ist so wie ich, galten ja spezielle Regeln die unbedingt einzuhalten waren. Damals kamen in der Rangordnung der Herr Pfarrer, der Herr Doktor, der Herr Lehrer und der Herr Gendarm. Undenkbar, diese auf der Straße nicht zu grüßen. Rauchen unter 16 ? Verdammt, ich habe nicht nur eine "Tschick" weggeschmissen bei Ansichtigwerden des Inspektors.

Aber da es ja im ersten Beitrag um Musik gehen soll, es war schon auch hart, weil wir eben als Heranwachsende selten bis gar kein Geld hatten und im Radio nach meinem Geschmack sowieso nur "Scheiss" gespielt wurde. Nachdem ich zuhause schon sehr früh mit Musik „gefoltert“ wurde, entdeckte nun auch ich – zwar reichlich spät, aber doch - in weiterer Folge meine Liebe dazu. Jedoch konnte ich diese nicht mit meinen Eltern teilen, da James Last, Peter Alexander, Oper und Operette einfach nicht dazu gehörten und für mich schon damals einer auditiven Vergewaltigung gleichkam .

Meine bis heute anhaltende Musikaffinität habe ich wohl meinem damaligen besten Freund zu verdanken. Es war ja damals schon eine kleine Sensation über einen eigenen Plattenspieler zu verfügen und noch sensationeller wenn man eine coole Platte dazu hatte. Anfang der frühen 70er präsentierte mir mein bester Freund seine erste - von seinem Taschengeld selbst finanzierte – Single. Es war HOT LOVE von T.Rex .

Ich glaube wir haben diese Platte an diesem Nachmittag an die 100 Mal laufen lassen, woraufhin wir zu dem Schluss kamen, wir brauchen unbedingt eine zweite. Irgendwann kurz danach auf dem Schulhof: „Kennst du „Die Pörpel ?“ „Die wen ?“ „Die Pörpel“ , „ nie gehört“ , „Die sind die härteste Gruppe auf der ganzen Welt“. Natürlich reichte bei langsam einpupertierender Jungs diese unbewiesene Information, um sofort hellhörig zu werden. Es musste unbedingt eine Platte von „Die Pörple“ her. Einziges und natürliches Problem für uns in diesem Alter, -die Finanzierung. Ein Single kostete damals um die 40 ÖS, und eine LP um die 160 ÖS. Es folgte nun die Zeit wo ich besonders freundlich und zuvorkommend zu den zahlreichen Tanten und Onkeln war. Dies perfektionierte ich soweit, dass ich schon 20 ÖS bekam, auch wenn ich nur einen „fahren“ ließ. Und nun konnte auch ich meinem Freund meine erste Single – BLACK NIGHT – präsentieren. Brachial, donnernd und kein Vergleich zu Bolan`s Hot Love. Ich war wieder im Spiel…..

Die Sparschweine wurden geknackt, Fahrräder und Campingausrüstung der Eltern verkauft, uns war jedes Mittel recht. Die analog dazu anfallenden 14 Tage Hausarrest steckten wir damals locker weg. Als Erklärung für die jüngeren Leser: Hausarrest war eine der damaligen aaaabsolut ärgsten Strafen, vergleichbar wie wenn man heute einem 10-jährigen das heißgeliebte Handy wegnimmt.

Auf jeden Fall hatten wir im Laufe der Zeit eine ansehnliche Zahl an Singles angehäuft und es war an der Zeit um auf LP`s umzusteigen. Im Radio war zu dieser Zeit GlamRock – Slade, Sweet, T.Rex, Alice Cooper usw – angesagt.

Wir wollten jedoch etwas anderes, härteres und so noch nie gehörtes. Dazu kam ein weiterer Freund gerade recht, dessen Eltern beim legendären Woodstock-Festival dabei waren und über eine – im Gegensatz zu meinen Eltern – für uns göttliche Plattensammlung verfügten.

Es war die Zeit wo wir mit Ten Years After, Led Zeppelin, Jimi Hendrix und The Doors erstmals in „Berührung“ kamen und auf einer – zur damaligen Zeit, fast nicht leistbaren - DUAL Quadro- Anlage, bestückt mit vier MAGNAT Old Ribbon12 Lautsprecherboxen in der Größe einer Waschmaschine, völlig neue Töne hörten.

Natürlich, das war`s , eine DUAL Anlage musste her. Aber 10 ÖS in der Woche mal X, so die damalige Rechnung, erschien mir dann doch ein wenig lang. Ein Jugendtraum , welchen ich mir ein paar Jahre später – zumindest was diese legendären Lautsprecher betraf – dann doch noch erfüllte und bis heute noch bei mir im Musikzimmer stehen. Aber das ist eine andere Geschichte….

Jedenfalls hatte sich unser Musikgeschmack entscheidend geändert, GlamRock war out, wir waren nun total konträr zum Mainstreem auf einem psychodelischen und weitaus "härterem" Musiktrip.

Eine wahrhaft wilde Zeit und aufgrund unserer Musikbesessenheit musste unbedingt eine Band gegründet werden.

To be continued……

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