Ich will das Thema keinesfalls klein reden oder mich darüber lustig machen, aber manchmal habe ich schon den Verdacht, dass viele Touristen völlig blauäugig durch die Landschaft rennen, und keinen Warnungen zugänglich sind. Warn- und Hinweisschilder würden genau so wenig ändern wie: "Pistenabfahrt wegen Lawinengefahr gesperrt". Es wird immer wieder welche Deppen geben, denen das alles völlig egal ist.

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Vor einigen Tagen las ich zufällig einen Bericht in der Krone, wonach ein Bauer nach einer tödlichen Kuhattacke 490.0000 Euro bezahlen soll. Die Urteilsbegründung im Zivilprozess lautete , dass der Almbauer das Gebiet in dem seine Kühe grasten, einzäunen und so den Unfall hätte verhindern können.

Und sollte dieses Urteil rechtskräftig werden, würde dies vermutlich eine Lawine von Folgen, insbesonders für Viehhalter im alpinen Bereich nach sich ziehen und die "freie" Weide wäre Geschichte. Und das eigentlich nur wegen ein paar Unbedarften, die einfach - etwa wie beim Schifahren - die Folgen meist nur schwer oder gar nicht abschätzen können.

Unter dem Motto "Catch me if you can" hatte ich selbst vor einigen Jahren ein ähnliches Erlebnis und kann mich auch heute immer nur wundern, wie leichtsinnig und unbedarft so manche Wanderer (meist Städter) mit derartigen Situationen umgehen.

Zu meinem Beruf gehörte ja unter anderem auch die Alpinausbildung. Und wenn ich dabei eines gelernt habe, ist es der Umstand, dass dir der Berg, erst nachdem du vom Gipfel zurück bist, gehört. Das Klettern wurde in weiterer Folge eines meiner vielen Hobbys, bis ich meinen Hund Timo bekam.

Michlmayr

Da es fast unmöglich ist mit einem Hund klettern zu gehen, bevorzugten wir in weiterer Folge Almen, welche auch für den Hund leicht zu erreichen waren. Ich war in meiner Freizeit oft tagelang mit meinem Hund auf Bergen von Hütte zu Hütte unterwegs und wir kannten nach kurzer Zeit im Gesäuse und Umgebung fast jede Almhütte. Ich finde für Naturliebhaber gibt es einfach nichts Schöneres.

Michlmayr

Ein leidiges Problem dabei war immer das Queren von Viehweiden in der Zeit von Mai bis Anfang September.

Ratschläge wie „Hund an die Leine“, „ausweichen“, „mit einem Stock vertreiben“ „lautes Rufen“ usw, sind dabei nicht immer hilfreich. In den meisten Fällen hat man keinen Stock mit und es ist auch nicht immer möglich, einer Kuhherde großräumig auszuweichen. Ich hatte diesbezüglich schon einige teilweise bedrohliche Begegnungen mit Weidevieh gemacht, aber so wie es kommen sollte, noch nie.

Timo war ca 7 Jahre alt, als wir eine Tour im "Gesäuse" unternahmen. Mein Hund war es gewohnt, bei Fuß zu gehen und ließ sich durch absolut nichts beirren. Aus diesem Grund war er auch selten an der Leine. Angeleint wurde er nur dann, wenn ich bemerkte, dass Personen Angst vor Hunden hatten oder auch beim Gang durch oder neben einer Weide.

Der Aufstieg war herrlich und ohne nennenswerte Vorkommnisse. Beim Abstieg wählten wir unglücklicherweise eine Route, welche ein Überqueren durch den uneingezäunten Bereich einer Weide unumgänglich machte. Aufgrund diesen Umstandes leinte ich den Hund an und wir gingen talwärts. Ca 500 Meter vor den grasenden Kühen bemerkte ich schon eine gewisse Unruhe bei den Tieren. In weiterer Folge starteten insgesamt 7 Jungrinder/Mutterkühe im „Vollgalopp“ auf uns zu, ich nahm Timo von der Leine und gab ihm das Kommando „Lauf“. Mein Hund der Depp glaubte allen Ernstes mich vor der "Stampede" beschützen zu können und stellte sich vor mich um sie zu verbellen.

Normalerweise ist es ja so, dass der Hund beim Davonlaufen einige Haken schlägt und die Kühe aufgeben. Da ihm das aber offensichtlich nicht in den Sinn kam, was blieb mir über, als selbst zu laufen?

Jetzt kommt das Thema Selbstüberschätzung zum Zug. Und in diesem Sinne muss ich mich selbst als "Unbedarfter" outen, da ich nicht wusste, wie schnell Kühe sind. Wer glaubt, er könne einer Horde Jungrinder/Muttertiere bergauf entkommen, der irrt gewaltig. Es gab nur mehr den einzigen Ausweg, ab in den Wald und den Abhang hinunterzulaufen. Mein Hund war währenddessen immer bei Fuß und hatte offensichtlich Spass an der Sache. Mit dem Ausdruck „hinunterlaufen“ war es allerdings dann nicht weit her. Ich wusste bis dato nicht, dass man auf einer Strecke von ca 300 m und einem Gefälle von ca 25 % insgesamt 30 oder 40 (:)))) ) Vorwärtsrollen schaffen kann – indem man bei jeder einzelnen vom Hund abgeschleckt wird. Liest sich lustig und für meinen Hund war es offensichtlich ein tolles Spiel, für mich eher nicht.

Aber, außer dem Umstand dass ich meine Oakley-Brillen und mein Ü-Messer beim Abrollen verloren habe, ist GsD ja weiter nix passiert. Fakt jedoch wäre, sie hätten uns vermutlich überrannt und dabei verletzt wenn nicht noch schlimmer.

Fazit: Alles in allem sind Kühe in der Regel ruhige, gutmütige Tiere und an Menschen gewöhnt, doch man sollte nicht vergessen, dass sie keine Kuscheltiere sind und ihrem Mutterinstinkt folgen. Mit diesem Beitrag möchte ich keineswegs Angst machen, es war eben eine meiner Erfahrungen und sollte zu etwas mehr Vorsicht anregen.

Eine Weide ist keine Ponyhof !

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In diesem Sinne: FRISCH AUF ;)

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