Schön ging das alte Jahr zu Ende. In der kleinen Gemeinde in der ich lebe und wo meine Frau aufgewachsen ist, herrscht noch eine richtige Idylle.

Ein schöner kleiner Berg mit wunderschöner Aussicht, der gerade in der Silvesternacht ein Anziehungspunkt ist. Ich mache auch immer gern Spaziergänge dorthin.

Nun sind wir ganz frisch im neuen Jahr und dabei schießen mir so viel Gedanken durch den Kopf. Was wird uns dieses Jahr bringen? Den großen Crash vielleicht? Ich will einige Gedanken dazu hier festhalten. Vielleicht geht es euch auch so, dass einem alles Mögliche durch den Kopf gejagt wird.

Ich halte eigentlich wenig von Tagen wie Silvester oder Weihnachten, aber diese Tage sind da. Und Silvester soll man oder darf man ja feiern; natürlich jeder wie er will.

An Silvester muss ich immer an meinen Schwiegervater denken. Als er noch lebte, war es ihm ganz wichtig, dass an Silvester alle seine Kinder mit dem gesamten Anhang mit ihm feierten. Er sagte immer, Geld kann ich euch keines geben, aber essen und trinken könnt ihr bei mir so viel ihr wollt. Er war ein richtiger Genussmensch. So wurde zum Jahreswechsel immer heftig diskutiert viel gegessen und getrunken. Der Mann der älteren Schwester meiner Frau war immer an solchen Tagen sturzbesoffen. Ich war der Einzige, der morgens noch klar bei Verstand war, da ich nie Alkohol getrunken habe und es auch nicht vorhabe. Mein Schwager war auch sehr anfällig, was das einen über den Durst trinken anbelangt. Der Mann der älteren Schwester meiner Frau, der sowieso ein Alkoholproblem hatte, ist schon vor ein paar Jahren an Herzversagen gestorben. Er wollte sich auch nicht mehr helfen lassen. Er erinnerte mich sehr an meinen Vater.

Aber es ging auch sehr lustig zu. Meinen Schwiegervater konnte ich mit meiner Musik auf die Palme bringen. Zum Beispiel, wenn ich ihn fragte, ob er schon den neusten Song von AC/DC kennen würde oder was er von Pink Floyd, der Little River Band oder den Doobie Brother halten würde. Er war nur auf Blasmusik fixiert. Dann schaute er meine Frau an und fragte sie, was hast du nur für einen Idioten geheiratet. Der Mann der jüngeren Schwester meiner Frau gab mir Rückendeckung. Wir sind beide Flüchtlingskinder und sind in der gleichen Siedlung aufgewachsen. Wenn es meinen Schwiegervater zu dumm wurde, meinte er (heute wäre das natürlich streng rassistisch) was habt ihr beide denn für Batschaker (so wurden Flüchtlinge unserer Gattung häufig von den Eingeborenen genannt) geheiratet. Ich setzte dann immer einen drauf und meinte: So einheimische Dorftrottel hätte es ja genug gegeben. Die hatten natürlich alle schon Bauplätze und sogar im Kindesalter Häuser, denn, so deutete ich es, wurde gleich für den Sprössling nach erfolgreicher Zeugungsnacht ein Bausparvertrag abgeschlossen. Wurde es ein Mädchen, bekam sie gleich massenhaft Bettwäsche und Geschirr für die spätere Mitgift.

Dann meinte mein Schwiegervater, ja es wäre besser gewesen. Meine Frau erwiderte, dass ich ihr heute noch gut gefalle und die Dorftypen mit kurzen Haaren und Seitenscheitel herumrennen mussten. Trotz Bauplatz wäre das nichts für sie gewesen. Der Kopf meines Schwiegervaters wurde bei solchen Diskussionen immer roter. Wenn sich dann noch meine Schwiegermutter einmischte und meinte, meine Frau hätte es doch schön bei mir. Sie könne sich doch kaufen was sie wolle, er hätte doch einen Beruf wo sie abgesichert wären, dann stieg sein Blutdruck noch höher.

Da sei doch das Problem. Sie sollten mehr sparen, meinte er. Ich provozierte dann indem ich meinem Schwiegervater erklärte, man müsse das Leben genießen. Der älteste Schwiegersohn stimmte feucht fröhlich mit, sehr richtig ein. Mit einem Glas Wein beruhigte sich mein Schwiegervater dann wieder. Komm trinkt und esst was, dann kommt ihr nicht auf so dumme Gedanken. Es war alles nicht so ernst gemeint und irgendwie vermisse ich diese heißen Diskussionen irgendwie. Es hat halt alles seine Zeit.

Es ging manchmal zu wie in der Kultserie Ein Herz und eine Seele mit Alfred Tetzlaff.

2008 auf 2009 war seine letzte Silvesternacht, wo es nichts zu feiern gab, sondern wir am Sterbebett bei ihm waren. Am Neujahrstag im 80. Lebensjahr ist er dann gestorben. Trotz olympiaverdächtigen Zuckerwerten hielt er sich nie an das was sein Arzt ihm geraten hat. Er aß und trank was er wollte. Fast bis zum letzten Tag. Sein Hausarzt drohte ihm immer, er werde an den Folgen seines Diabetes, an Herzinfarkt oder einem Schlaganfall sterben. Die dazu nicht passende Diagnose Prostatakrebs bekam er im Sommer 2008. Silvester durfte er noch erleben, wenn man das so nennen kann.

Ich genieße heute gern die Ruhe. Meiner Frau geht es ähnlich. Irgendwo essen gehen, dann das Jahr ausklingen lassen. Bis zuletzt vor dem Fernseher. Da sie gern die Galas mit Schlager anschaut, muss ich das über mich ergehen lassen. Helene Fischer bis zum Erbrechen, dann Silbereisen, oder so etwas wie Voxxclub, wo der eine seinen Sommersocken immer auf dem Kopf trägt. Die Krönung kommt dann meist mit Roland Kaiser, der ja wieder die Massen begeistert und herumläuft als ob er sich auf seiner eigenen Hochzeit unter die Band mischt und ein von den Musikern toleriertes Ständchen mitsingen darf.

Wenn sie dann eingeschlafen ist kommt meine Zeit. In 3Sat läuft meist die ganze Nacht gute Musik aus alten Zeiten. Die ganz guten Konzertausschnitte nehme ich auf und schaue und höre sie mir in aller Ruhe an und werde dabei sowieso in alte Zeiten versetzt.

Pink Floyd oder David Gilmour begeistert mich immer wieder auf´s Neue.

Mit Toto-Gründer Bobby Kimball vor vielen Jahren

2017 in Frankfurt - es war wieder sehr lustig.

Dieses Jahr hörte ich mir auch Toto an. Musiker von Toto erlebte ich ja auch schon in Frankfurt live. Mit Totogründer Bobby Kimball hatte man auch schon so seinen Spaß. Wie ich gehört habe soll er an Demenz erkrankt sein.

Ja und wieder sind wir ein Jahr weiter und die Strecke wird immer kürzer.

Oder die Dobbie Brothers. Die Jungs touren dieses Jahr wieder feste in den USA. Eine Musik, die mich Träumen lässt, vor allem von alten Zeiten.

Die Doobie Brothers ähneln ein wenig der Little River Band. Die Bandnamen hören sich irgendwie standardmäßig an und man könnte denken es sei eine Coverband, die es in meiner Jugend bei uns massenhaft gegeben hat.

Die Band meines Onkel in den 60er Jahren - sie nannten sich

The Gonkeys

Rechts mein Onkel Josef (der jüngste Bruder meiner Mutter)

Die Gonkeys haben mich selbst angespornt Musiker zu werden.

Zu ihrem Repertoire gehörten Shadows oder Spontnicks.

Little River Band

Doch die Musik ist einzigartig. Ich merke, dass ich mit der aktuellen musikalischen Entwicklung, auch in Sachen Rock & Pop nicht mehr viel anfangen kann.

Und wie sieht es mit der Weltpolitik aus? Das lasse ich lieber. Rudi ist der Sohn des Bruders meiner Großmutter. Gleich nach dem Krieg ist der Bruder meiner Großmutter nach Chicago ausgewandert.

In den 60er Jahren waren die Amerikaner dann jedes Jahr bei meinen Urgroßeltern und den Geschwistern, also auch bei meiner Großmutter.

Wir Kinder wanderten dann immer an einen im Wald befindlichen Turm. Heute wäre so etwas undenkbar, dass man die Kinder, auch wenn sie schon etwas größer waren, allein losgelassen hätte. Sie werden schon wieder zurückfinden meinte mein Opa. In den 60er Jahren sogar ohne GPS oder Handy.

Bei usneren Wanderungen Hinten Helga und Dagmar, Rudis Schwestern und mein Onkel Josef und Rudi und ich.

Unten Rudi und ich auf dem Mofa - später mit der S-Klasse

Mit Rudi, der 3 Jahre älter als ich ist, telefoniere ich immer wieder. Mit seinen Geschwistern, also den Cousinen/Cousin meiner Mutter ist der Kontakt so gut wie abgebrochen. Einer ihrer Nachkommen spielt wohl in einer bekannten Metalband in Chicago. Rudi meinte ich solle mir die Videos auf youtube mal anhören. Keine zwei Minuten konnte ich dieses Geplärre der entfernten Verwandtschaft anhören; grauenhaft. An Rudi muss ich auch oft denken. Er arbeitet in Chicago für Daimler und war vor vielen Jahren oft in Deutschland. Einmal besuchte er mich mit einer großen S-Klasse, die er hier nutzen durfte und die später in die USA überführt werden sollte. Er meinte ich solle doch mal fahren. Die Kare war aber schon amerikanisch eingerichtet, so dass ich beim Austesten der Geschwindigkeit wohl etwas verwechselte und zusammen mit Rudi querfeldein über einen Acker raste.

Das sei egal. Man wird sich von Daimler schon um die Karre kümmern. Heute ist er bei Maserati und deshalb mehr, wenn es nach Europa geht, in Italien. Sein Vorteil, er spricht perfekt Deutsch. Ich bin gespannt, ob wir uns mal wieder sehen. Seine Frau und seine Kinder wollen jedenfalls nichts von Deutschland wissen. Rudi selbst betrachtet auch die politische Lage in Amerika sehr skeptisch. Aber man darf auch dort nicht mehr alles sagen, wie ich von ihm hörte. Das kommt einem alles irgendwie bekannt vor. Seit vielen Jahren hat es ihn beruflich nach New Jersey verschlagen. Er sehnt sich aber wie er mir sagte immer wieder nach Chicago. Ich kenne Chicago nicht, höre aber wahnsinnig gern die Band Chicago.

Nun haben wir uns wieder ein Stück von der Vergangenheit entfernt, die so schlecht nicht war.

Hoffen wir, dass uns die Zukunft das bringt was wir uns alle wünschen. In diesem Sinne wünsche ich allen alles Gute und Gesundheit für das neue Jahr. Ein großen Dank an Silvia und das Team und dass ihre Vorstellen in Zukunft nach ihren Wünschen umgesetzt werden können.

10
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
6 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

Waldelfe25

Waldelfe25 bewertete diesen Eintrag 02.01.2020 11:33:24

Michlmayr

Michlmayr bewertete diesen Eintrag 02.01.2020 09:02:54

Tourix

Tourix bewertete diesen Eintrag 02.01.2020 03:22:45

Zaungast_01

Zaungast_01 bewertete diesen Eintrag 02.01.2020 02:10:51

gloriaviennae

gloriaviennae bewertete diesen Eintrag 02.01.2020 00:13:28

invalidenturm

invalidenturm bewertete diesen Eintrag 01.01.2020 22:58:29

Poldi

Poldi bewertete diesen Eintrag 01.01.2020 19:34:43

Maila

Maila bewertete diesen Eintrag 01.01.2020 19:15:40

philip.blake

philip.blake bewertete diesen Eintrag 01.01.2020 18:56:27

rigoletta

rigoletta bewertete diesen Eintrag 01.01.2020 18:54:06

10 Kommentare

Mehr von nzerr