Das Video erklärt recht gut die Besonderheiten, wo jedoch immer Unterschiede sind. (Sie freuen sich bestimmt auf Abonnieren und haben auch auf Facebook eine Fanseite, wo sie immer wieder berichten, wie es bei ihnen so voran geht usw.)

Beispielsweise bei der Mülltrennung: bei uns wird jede Woche der Müll geholt. In den Städten gibt es teilweise schon auch Mülltrennung. Leider ist es immer noch so, dass sehr viel Müll einfach irgendwo in der Natur entsorgt wird.

Patenzettel von Toten: der Grund ist auch bei den Zetteln am Haus, da der Tote immer noch "anwesend" ist. Schwierig zu erklären, aber irgendwie ein sehr "schöner" Brauch. Es wird auch gern das Lieblingsgetränk auf den Boden "geschüttet" oder fällt ein Glas um, wo das Getränk ist, was der Tote gern mochte, sagen viele (man kann es bestimmt nie generalisieren): jetzt hatte xxx Durst. Auch auf den Gräbern werden einmal im Jahr Banitsa und Getränke hingestellt. War der Tote Raucher, so steckt man auch gelegentlich eine Zigarette auf sein Grab. Man kann es irgendwie nicht beschreiben, aber es ist ein besonderes Ritual, was mir selbst einmal sehr geholfen hat.

Beim Begräbnis selbst ist der Sarg üblicherweise vor dem Grab offen und jeder kann sich noch verabschieden. Das geschieht eher mit Berührung, Umarmen ... . Die Zeremonie dauert eigentlich nicht recht lang. Und es geht auch gleich direkt auf den Friedhof. Zuvor gibt es aber noch die Totenwache. Der Tote wird im Haus aufbewahrt. Nach dem Begräbnis treffen sich alle entweder im Haus des Verstorbenen oder bei einem Verwandten/Bekannten um Abschied zu "feiern". Ein halbes Jahr später wird sich erneut getroffen und ein Jahr später wieder.

Tanken :): Da muss man aufpassen. Man darf nicht selbst tanken. Das mögen sie gar nicht gern. Ich hatte schon einmal eine deutsche Dame gesehen, die es gemacht hat und dann einfach nach dem Bezahlen fahren wollte. Da hatte sich der Tankwart aber aufgeregt. Sie hat es nicht verstanden. Der Grund dafür, dass man nicht selbst tanken darf: Es fuhren in der Vergangenheit viele einfach weg ohne zu Bezahlen :) .... in der Regel sagt man, dass man für 20 Lev (10 Euro) tanken möchte. Mehr kann man sich hier normalerweise nicht leisten. Es wird auch sehr viel mit Gas gefahren. Das ist die günstigste Variante. Wenn jemand für mehr als 50 Lev tankt, der wird schon besonders angesehen. Zumindest von mir oder wie ich es erlebt habe :). Großteils ist der Service an den Tankstellen inkludiert. So passierte es mir einmal, dass der Tankwart sah, dass ich wenig Luft in den Reifen hatte und er befüllte sie einfach wie selbstverständlich. Oder wusch mir die Scheiben. Auch das Glühbirnenwechseln ist bei den Tankstellen mit inbegriffen. Man zahlt die Glühbirnen, aber die Arbeit nicht. Ich gebe da meistens Trinkgeld. Es ist vielleicht unüblich, aber wenn man weiß, was die Leute hier verdienen und die Lebenserhaltungskosten kennt und vielleicht ein bisschen tolerant ist, dann macht man das einfach.

Bei den Tankstellen haben die meisten (oder zumindest kenne ich es so) schon die Tankstellen, wo sie am allerliebsten hinfahren. In der Stadt ist das womöglich nicht so, da ist das Tanken auch wesentlich günstiger, aber in den Dörfern hat man schon eher tankstellen, die man meidet - wenn man mit dem bezahlten Tank ein bisschen weiter fahren möchte ... schreib ich mal ganz nett ...

Autobahn: Gelegentlich erhascht man einen Radfahrer am Pannenstreifen. Oder Geschwindigkeitsbeschränkung auf 70 km/h, weil eventuell Kühe überqueren könnten :). Oder es gibt auch eine Stelle bei uns zB. wo Busse bei der Ausfahrt einfach stehen bleiben am Pannenstreifen und die Arbeiter aussteigen und von den Autos abgeholt werden. Diese schieben ganz einfach am Pannenstreifen zurück, um die Ausfahrt zu nehmen :). Ich finds cool - weil es einfach normal ist und niemanden stört. Gelegentlich muss ich noch lachen, weil ich doch noch westliches Denken in mir trage.

So erzählte mir ein Freund, dass er mal mit einem bulgarischen Freund nach Deutschland gefahren ist und dieser in Österreich einfach auf einem Pannenstreifen anhielt, damit sie dort übernachten könnten. Er verstand überhaupt nicht, was daran so verwerflich ist, hier zu parken, als ihm der Freund aufklärte, dass sie das hier nicht machen dürfen. Natürlich fuhr er dann zur nächste Tankstelle, aber verwundert war er trotzdem :).

Essen: ja, die Lebensmittelverordnung ist hier etwas lockerer. In den kleinen Shops (heißen hier Magazin) gibt es sehr oft Gefrierbrand. Üblicherweise kaufen Leute aus dem Dorf eher noch in den kleineren Shops ein. Also Greisler sind hier noch sehr angesehen. Aber auch wird in den Dörfern großteils vom Nachbarn gekauft. Also der eine baut Obst und Gemüse an, der andere hat Eier, Fleisch usw. Da weiß man dann auch, was drin ist und wenn man die Nachbarn eben kennt, weiß man auch, wie es zubereitet wird.

Ein Schwein schlachten: das ist hier eine Feier. Es kommen alle Verwandten oder Bekannten und helfen mit. Das ist als hätte man Gold bekommen. Alle freuen sich und es wird gearbeitet und aber auch gefeiert, weil es etwas besonderes ist. Was vielleicht nicht jedermanns Sache ist: wenn die Haare des Schweines abgebrannt wurden, wird jedem ein Stückchen Haut zum Essen gegeben. Das gilt als etwas besonderes hier. Wie das jene kauen, die keine Zähne mehr haben, habe ich auch noch nicht raus gefunden.

Essgewohnheiten: Diese Gewohnheit muss man wirklich gewöhnen. Hier zählt das Essen als Beisatz zum Reden. Nicht umgekehrt. Ich bin es so gewohnt - vermutlich auch durch die halbe Stunde Mittagspause, die ich immer hatte: schnell essen, damit sich noch Zigaretten ausgehen. Das muss man sich hier sehr, sehr schnell abgewöhnen, es sei denn, man will unbedingt zunehmen. Es wird sehr, sehr, sehr langsam gegessen. Das Essen ist nicht das Wichtigste beim Beisammensitzen. Aber es darf großteils auch nie leer werden. Sitzt der Gast vor leerem Teller, dann ist man ein schlechter Gastgeber (also der Teller sollte niemals leer werden bis zum Gehen - sonst hat man enorme Schwierigkeiten). Auch das Trinken. Ist das Glas leer, gilt man als schlechter Gastgeber. Und getrunken wird dazu gerne Rakia (50 Prozent Alkohol - die Bulgaren finden es lustig, wenn die Deutschen nach ein, zwei Gläsern schon unterm Tisch liegen ... weil es wird hier ja eher als Aperativ getrunken .... naja ... kann nur schreiben: VORSICHT! 50 Prozent Alkohol!). Auch der selbstgemachte Wein ist nicht ohne. Sie sagten mir zwar, dass er höchstens 20 Prozent Alkohol hat, aber ich bin mir da noch nicht so ganz sicher. Aber stolz dürfen sie schon sein auf ihren Wein und Rakia.

Das Essen beim Beisammensitzen nennt man hier "Meso".

Döner: schade dass er nicht von Kebab spricht. Kebab ist hier völlig etwas anderes: zähe Fleischstückchen auf einem Teller. Am allerliebsten und sehr, sehr oft werden Fleischlaibchen und Cevapcici angeboten. Gibt es beinahe überall - in Magazinen, bei Imbissständen usw. Auch Pommes. Wobei die noch manchmal (leider nicht mehr so oft) selbst zubereitet werden. Also nicht aus der Gefriertüte. Es ist großteils ungewürzt. Irgendwo aber, das muss man im Vorhinein wissen, steht immer Salz, Gewürze, Ketchup, Majo usw. Am liebsten essen die Bulgaren als Fastfood Banitsa. Ist auch meine absolute Lieblingsspeise. Aber nicht jedermanns Sache, was ich schon von anderen Auswanderern gehört habe.

Was man auch überall findet, sind die Kaffeeautomaten. Der Instantkaffee - diese 3in1 Kaffees sind hier Kult. In den Magazinen bieten sie den auch an, aber die Kaffeeautomaten findet man überall.

Kanalisation: in den Städten gibt es das schon. Das macht sich bei Regen bemerkbar :). In den Dörfern gibt es das nicht, das stimmt. Hier gibt es noch die bekannte Senkgrube, die einmal oder je nachdem im Jahr geleert wird. Diese Leerung kostet natürlich Geld, wo vieles eventuell noch in .. :) .... Nachbars Garten (solang ders nicht mitkriegt :)) ..... verschwindet. Es gibt großteils noch draußen Toiletten. Ein Plumpsklo ist auch schon eher Luxus. Manchmal befindet sich hinter der Tür einfach ein Loch. Da ich diese Erfahrung einmal nachts gemacht hatte, kann ich jedoch nicht weiter darauf eingehen. Nicht einmal, ob ich das Loch getroffen habe. Es war stockdunkel. Und mulmig war mir auch.

Geduscht wird auch großteils draußen in den Dörfern. Aber die junge Generation lebt natürlich schon etwas moderner. Soweit sie sichs eben leisten können. Die Kluft zwischen arm und reich ist natürlich sehr vielseitig.

In einem wirklich traditionellen Haus Bulgariens zu kochen oder mitzuhelfen, ist etwas Besonderes. Es wird großteils ein Zimmer genutzt. Darin stehen Betten und ein Ofen. Im Sommer wird sowieso großteils draußen gekocht (Sommerküche - kann variabel aussehen: Entweder einfach ne Theke, Abwasch und ein alter Herd oder modern luxeriös bei den Reicheren). Der eine Raum ist mit Teppichen ausgelegt. Das hat vor allem auch den Grund, damit er im Winter wärmer ist - Teppiche dämmen etwas. Ein Raum wird auch nur deswegen verwendet, da man im Winter eher nur einen Raum beheizt. Es befinden sich darin eben "üblicherweise" (das ist natürlich auch unterschiedlich und wie schon erwähnt, in den Städten ist es doch schon sehr westlich) Betten, ein Ofen und eine Kredenz darin. Zubereitet wird am Boden. Wir haben das so gemacht: eine saubere Decke darauf und auf dieser wird eben zubereitet. Gesetzt haben wir uns auf die Betten, in die Mitte der Betten wurde ein Tisch geschoben. Abgewaschen wird auch am Boden. Da wird Wasser aus dem Garten geholt, gekocht und eben in eine Schüssel gegeben. Eine weitere Schüssel zum spülen. Auf Sauberkeit wird aber sehr geachtet.

Straßentiere: ein großes Thema. Es stimmt schon, dass einiges abfällt. In einigen Regionen sind sehr wenig Straßentiere. In manchen sehr viele. In unserer Gegend gibt es viele. Es gibt viele Leute, die wirklich füttern und den Tieren entgegenkommen. Es gibt welche, die die Welpen einfangen und versuchen zu verkaufen (man bedenke: hier haben viele sehr sehr wenig Geld). Lassen sie sich nicht verkaufen, werden sie erschlagen oder im besten Falle wieder ausgesetzt. Es ist eine ambivalente Sichtweise. Einigen Straßentieren geht es sehr gut, sofern sie nicht so extrem zutraulich sind, einige, da merkt man, dass sie ausgesetzt wurden und nicht unbedingt für das Leben auf der Straße geeignet sind, Anhang suchen. Ein großes Thema eigentlich. Fakt ist, man muss hier wirklich lernen, darüber zu stehen, wenn man nicht immer helfen kann.

Die bulgarische Schriftart ist kyrillisch: https://de.wiktionary.org/wiki/Wiktionary:Kyrillisches_Alphabet

Anfangs tut man sich etwas schwer, ich hab einiges schon gelernt, einfach durch das Ablesen von Ortstafeln oder Straßenbezeichnungen (sofern diese noch wo stehen :) - wird sehr gerne geklaut - wegen Metall :)), wo oft auf kyrillisch und latein der Name steht. Irgendwann ist es für einem selbstverständlich und man gewöhnt sich daran. Ob man es nun lesen kann oder auch nicht.

pixabay https://pixabay.com/de/das-verbot-der-2739891/

Am witzigsten und prägendsten ist vermutlich dieses Piktogramm auf einigen Türen bei Banken. Also in Banken sollte man ohne Waffen rein. Ich hab noch nicht ausprobiert, was passiert, wenn man sich nicht daran hält. :)

Die Wartezeit auf Banken kann sich in Stunden ziehen. Generell sollte man in Bulgarien sehr viel Zeit haben. Oder es lernen. Wenn man am Schalter was braucht, kann es sein, dass man wirklich 3 Stunden wartet. Je nachdem, wie viele Leute vor einem sind, was sie brauchen. Manchmal wird auch ein Kreditantrag direkt am Schalter ausgefüllt. Da wartet man dann eben noch länger. Oder uns ist es schon einmal passiert, dass wir bestimmt zwei Stunden gewartet hatten, noch 3 oder 4 Leute vor uns waren und dann sagte der Sicherheitsbeamte: jetzt ist Mittagspause. Da muss man sich dann eben entscheiden, ob man die Stunde weiter dort wartet oder sich in einer anderen Bank nochmal anstellt. Es gibt aber auch in Dörfer Banken, wo man eher noch Glück hat und es ist kein einziger vor einem. Da freut man sich dann immer sehr viel.

Auch kann es einem - das ist zwar selten und auch eher in den Dörfern - passieren, dass eine Warteschlange vor dem Bankomaten ist, weil jemand nicht lesen und schreiben kann und nur darauf wartet, dass irgendjemand so freundlich ist und seine Kennzahlen eintippt :) ... sehr vertrauenswürdig ... :)

Das Ja und Nein in bulgarisch kann oftmals zu sehr brenzlichen Situationen führen. Vor allem in der Hektik kann man dieses Kopfschütteln, was als ja gedeutet werden sollte oder Nicken (das nein) sehr missverstehen. So fuhr ich einmal mit meiner Tochter und ihrem Freund in Varna und wir mussten uns in eine andere Spur rein quetschen und sie deutete dem anderen Autofahrer, ob wir denn dürften. Dieser schüttelte den Kopf und entsetzt sagte sie: "Der hat nein gesagt." ... ich dachte auch gar nicht daran, dass es doch ja hieße und war mal verblüfft. Wir kamen aber Gott sei dank noch schnell drauf, was es denn hieße.

Auch Touristen fühlen sich manchmal beleidigt, wenn sie etwas bestellen und der Kellner immerzu den Kopf schüttelt. Weil sie meinen, dass dieser immerzu nein sagt.

Dann wiederum kann es aber auch zu sehr großen Missverständnissen führen, weil viele Bulgaren eben schon wissen, dass im Westen Kopfschütteln nein heißt. Da steht man dann oft da und fragt sich, meint er nun das westliche oder bulgarische Kopfschütteln? Am besten ist es, man hört einfach auf das "ne" (nein) "da" (ja) und wenn kein Wort kommt, fragt man einfach nach.

Bulgaren sind großteils sehr, sehr hilfsbereit und entgegenkommend. Hilfe bekommt man hier normalerweise immer. Also ich kenne das so. Es ist mir schon einmal passiert, dass ich im Auto nach dem Weg zur Tierklinik fragte, denjenigen nicht verstand und der dann einfach mitfuhr, um es mir Schritt für Schritt zu erklären und dann ganz einfach wieder dort hin zu Fuß ging und nichts dafür verlangte oder wollte. Oder einmal war ich zu Fuß unterwegs und fragte nach einem Computergeschäft, weil ich ein Ladekabel brauchte. Derjenige ging nicht nur einfach mit, mir das Magazin zu zeigen sondern "übersetzte" (jemand der bulgarisch spricht übersetzt auf bulgarisch was ich will) dort, was ich will. Das finde ich immer sehr lieb. Vor allem wenn es darum geht, dass mir jemand übersetzt, der mich selbst kaum versteht. Generell bei Hilfestellungen Geld als Dank geben zu wollen gilt eher als Beleidigung.

Zigeuner. Ein heikles Thema auch. Ich hab keine schlechten Erfahrungen gemacht. Es gibt "Mahalas" (Mahala heißt eigentlich Viertel), großteils meinen (ich kann nur von uns Auswanderern sprechen) wir Zigeunerviertel. Dort wohnen nur Zigeuner. Es gibt Dörfer, da würden keine Bulgaren hin ziehen. Wer dort als Unwissender ein Haus kauft, sollte sich entweder mit der Mentalität vertraut machen oder ... naja, no risk, no fun heißt es immer. In fast jedem Dorf, was größer ist, gibt es solche Viertel. In unserem auch. Ich bin gerne dort. Habe auch noch nie wirklich schlechte Erfahrungen gemacht oder irgendetwas außergewöhnliches gesehen. Die Mentalität ist natürlich etwas anders. Mich hat schon einmal überrascht, als mir jemand traurig erzählte, dass sein bester Freund sein Handy geklaut hat, was dieser natürlich abstritt, aber sie sind immer noch beste Freunde. Eigentlich kann man da ganz schön was lernen. Entweder man versteht diese Mentalität oder man lässt es ganz einfach. Ein sehr guter Film dazu ist, wie mir eine Freundin mal gezeigt hat, "Schwarze Katze, weißer Kater" :) - der Film beschreibt diese Mentalität schon recht gut :)

Wie schon geschrieben, hab ich selbst noch keine einzig schlechte Erfahrung gemacht. Aber ich hab auch noch nicht die Welt gesehen.

Die Armut ist hier schon spürbar nahe. Aber davon wird eh schon so viel berichtet, als wär es das Einzige, was Bulgarien zu bieten hat.

Esel und Pferde: in den Dörfern kommen noch sehr oft Esel und Pferde zum Einsatz. Es fahren dann auch viele dieser traditionellen Wägen herum. Also beim Autofahren gibt man nicht nur schon alleine deswegen weniger Gas, weil es sehr gewagte Schlaglöcher gibt, sondern auch, weil man nie weiß, ob man nicht mal bei ner Kurve auf so einen Wagen krachen könnte. Hier ist auch eher wieder eine Ambivalenz: es gibt schon viele, die mit ihren Tieren gut umgehen, aber man sieht leider auch schlechtes.

Glaube: hier ist der orthodoxe Glaube. Also der Glaube wird irgendwie noch sehr groß geschrieben. So hatte ich einmal meine Handtasche zu Boden gestellt, wo sie mir jemand ganz schnell auf einen Stuhl stellte, weil es sonst "Unglück" bringe. Man merkt auch den Glauben sehr, wenn eben jemand verstorben ist.

Es gibt auch noch einige Rituale, manche sind aber sehr schön und herzlich, andere wisch ich einfach weg und denke mir meinen Teil.

Ich muss immer wieder ergänzen:

Berühmt und bekannt ist Bulgarien auch für sein Joghurt. Anscheinend gibt es da irgendwelche speziellen Milchsäurebakterien (Lactobacillus delbrueckii subsp. bulgaricus), die dieses so besonders machen. Mir ist das immer recht egal, es stimmt schon, dass es schmeckt und das ist die Hauptsache.

Gegessen werden auch in traditionellen Häusern Bulgariens viele Eintöpfe. Am meisten punkten kann man mit "Bob" (Bobtsche) - Bohnensuppe. Damit kriegt man jeden bulgarischen Mann um den Finger gewickelt ... wenn mans gut kochen kann ...

Für den Winter wird viel Kraut eingelagert. Unter anderem natürlich. Dann gibt es großteils Krauteintopf. Kraut mit Kartoffeln, Kraut mit Würstchen, Kraut mit .... Eintöpfe eben in Varianten. Fleisch ist eher weniger. Mehr Gemüse und Obst. Was man halt im Garten hat.

Mein größter Favorit ist Lutenica. Lutenica kann man wie Ketchup vergleichen, meines Erachtens einfach nur bisschen besser. Und wenn es hausgemacht ist - Mann oh Mann ... zum Niederknieen gut!

Geschmacklich merke ich selbst nicht viel Unterschied vom Würzen hier, als zu Österreich, was das Würzen betrifft. Nur merke ich, dass, wenn ich mich nicht unbedingt von Fastfood ernähre und wirklich die traditionelle Küche verwende, "gesünder" lebe, als ich das zuvor getan habe (aber da müsste ich nun meine vorige Lebensweise auch anschneiden und der Text ist ohnehin schon sehr lang).

Das Lieblingsgewürz hier ist Bohnenkraut. Nicht jedermanns Sache, wie ich schon feststellen konnte, weil sie es gern überall dazu geben, aber mir schmeckts.

Ganz stolz sind sie auf den Schopska Salat. Angeblich ein Unesco Kulturerbe, wo sich noch ein paar andere Länder darum streiten, wer den nun eigentlich erfunden hat. Im Prinzip ist das dem Schopskasalat bestimmt egal. Er beinhaltet lediglich: Gurken, Tomaten, Käse (Sirine), Öl und vielleicht noch Marinade. Das wars auch schon. Aber lecker ist das Teil auch. Egal welches Erbe es ist. Man kanns essen, es schmeckt gut (vor allem mit frischen Tomaten natürlich) und mehr kann Unesco darüber auch nicht wirklich viel sagen.

Beliebt sind in Bulgarien auch zurecht Fische. Naja, ist auch naheliegend. Am bekanntesten sind die kleinen Fische, die man einfach in Mehl schwenkt, bäckt und als ganzes isst. Die nennt man hier Zaza (wenn ich es hoffentlich richtig schreibe). Wie man sie auf deutsch nennt, weiß ich jetzt gerade nicht. Auch Miesmuscheln sind hier sehr bekannt und werden auch frisch geholt. Man taucht "einfach" an den Klippen entlang und "schneidet" oder kratzt sie quasi vom Stein. Selber will ich das nicht unbedingt probieren, aber ich weiß schon mal, wie es geht, wenn jemand möchte (ist keine unbedingt einfache Aufgabe).

Zu Weihnachten gibt es traditionell Tikvenik. Ich liebe Tikvenik. Eine Süßspeise: Banitsa mit Kürbis gefüllt.

Reparaturen: möchte man eher westlichen Standard, ist es wohl besser, etwas selbst zu reparieren, sich das Wissen durch Google anzuwenden oder jemanden aus dem Westen zu importieren, der das kann. Findet man die bulgarische Reparatur außergewöhnlich, spektakulär und zufriedenstellend und möchte man hier auch etwas dazu lernen, dann ist man hier richtig. Repariert wird, damit es hält. Egal was konträr dazu kaputt geht oder wie lange es hält, es wird nach bestem Gewissen repariert. Und das beste Gewissen sagt: Ich bin Meister. Das sagt jeder. Fliesenlegen? Kann ich, da bin ich Meister. Dach decken? Kann ich, da bin ich Meister. Sie haben aber schon recht. Das sind sie, weil sie in ihren eigenen Häusern meistens alles selbst reparieren. Oder an den Autos. Ein kaputter Seitenspiegel? Ein paar Drähte rumgewickelt und er hält besser als ein neu gekaufter. Ein Fenster kaputt? PVC Schaum rundum gespritzt und es hält. Auf gehts zwar nimmer, aber das war ja auch nicht das Ziel. Winter kommt: Fenster muss dicht sein, fertig aus. Betonieren: da wird nicht viel rumgegraben, da kommt HÖCHSTENS (wenn es überhaupt so ist) ein bisschen Kies darunter, Beton rauf geklatscht, fertig. Wenn er nicht sofort auf den Boden drauf kommt (was eher üblicher ist). Aber ganz großen Respekt vorm Beton mischen! Das wird noch händisch gemacht. Auch beim Asphaltieren hab ich tatsächlich gesehen, dass das händisch gemacht wird. Und das in einer mächtigen Hitze im Sommer. Fehlen Hütchen für die Autofahrer, damit sie nicht auf die andere Seite fahren, wird einfach mit Steinen ausgeholfen und mit kleinen Steinchen markiert. Also es wird einfach kurzum mit sehr viel Kreativität repariert. Und es passt auch. Also natürlich immer Ansichtssache.

So, das war ein kleiner Einblick in diese Richtung. Eigentlich eine völlig normale und doch etwas andere Welt.

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