Hör nicht auf zu hassen, aber sei dir bewusst, dass es nicht alles ist

Heutige Gedanken

Texas - Guadalupe Mountains National Park

Ich habe eine Meinung im Kopf, Abenteurer haben Meinungen, Dokus wurden aus Meinungen erschaffen und all jene, die irgendwo vor dem PC sitzen, bilden sich Meinungen. Wir alle freuen uns, wenn sich diese mit anderen Meinungen decken. Das erweckt in uns Sympathie und es könnte ja tatsächlich Freundschaft oder eine Liebschaft entstehen. Zumindest wird bestimmt kein Krieg dadurch erzeugt, der gleichen Meinung zu sein.

Ich kann nicht sagen, wie es in Afrika ist. Ich weiß nur eines: dass ich mich selbst außerhalb meiner Arbeitsstunden für www.hifa.at einsetzen werde.

Vielleicht bin ich nicht christlich genug. Aber das macht mir nichts aus und ihnen auch nichts.

In den letzten drei Jahren habe ich immens viele Erlebnisse und vermutlich für andere "kleine Abenteuer" erlebt. So sitze ich auch jetzt bei etwa -2 Grad und mit Decke abgedecktem Fenster vor dem Laptop und tippe diese Zeilen. Nicht nackt, das versteht sich. Mächtig eingehüllt in eine Decke, wofür ich dankbar bin. Doch, ich habe nun Holz. Aber das hebe ich mir auf, wenn es hier wirklich richtig kalt ist. Es ist noch nicht so viel, den Rest kann ich mir selbst machen, aber ich habe und hatte kein gutes Werkzeug. Also sind Roma gekommen und haben mir geholfen, einige Äste mit der Motorsäge ofengerecht abzuschneiden.

Aber ich will es so. Klar heule auch ich mal rum, habe oftmals Existenzängste und für manche legitim, für andere unverständlich, weil es Normalität ist.

Tja, also rund um mich leben eben nicht nur Bulgaren. Es wurde mir zwar schon sehr oft erklärt, wer da in dem anderen Viertel wohnt und wie viele Unterschiede es gibt, aber ich merke mir großteils nur Namen und wenn ich mir die nicht merke, dann bleibe ich beim "hey du".

In den drei Jahren (und ich wünsche mir sehr, dass es noch viele, viele Jahre werden, die ich hier verbringe), kann ich sagen, dass ich schon einiges erlebt habe. Anfängliche Sichtweisen und Klugscheißereien entpuppten sich später als wiederum andere Sichtweisen und Klugscheißereien, dass ich schlussendlich der Meinung treu bleibe: Alles ist nichts.

Ich kann nicht sagen, dass hier alle korrupt sind, alle stehlen, alle schlecht sind. Im Gegenteil, einige mag ich, einige mag ich nicht, einige mochte ich nicht, mag ich aber jetzt und andere wiederum sind mir egal oder waren mir egal und sind es jetzt nicht mehr. Ich finde menschlich genug ist es hier. Und meine Seele ist ruhig. Das kann kein Geld der Welt weg machen. Ich kenne reiche Leute hier und wirklich arme Leute hier, habe von Landsleuten gehört, die auf der Straße leben und von Auswanderern, die hier abgstürzt sind und auf der Straße leben. Ich habe schon Fragen bekommen, von gebrechlichen Menschen, ob sie mir für fünf Lewa (etwa 3 Euro)am Tag im Garten helfen können, weil sie kaum andere Möglichkeiten mehr sehen, habe alte Menschen im Winter auf der Straße gesehen, die sich - meines Gefühls nach - verdammt noch einmal schämten, die Hand auszustrecken, weiß, dass der Winter Tote mit sich bringen kann, habe bulgarische Menschen kennen gelernt, die sich für Tiere hier einsetzen, jedoch nicht wie "aufopfernde Vereine", die sich zwar rührend um die Tierwelt bemühen und das auch sehr gut ist, jedoch auch oft das Gefühl vermitteln, Landsleute hier auszuschließen, kenne das Krankenhaus in Varna, wo ich lieber nur tot rein will, als lebendig, kenne Tierkliniken und Zahnärzte (wo kein verwöhntes Schwein nur einmal den Mund aufmacht - ich auch nicht) und die Uniklinik in Varna kenne ich auch, wo sogar ich vergesse, dass das eine Zahnarztklinik ist und ich mich wie in einem Wohnzimmer fühle.

Ich kenne die sehr schöne Gegenden in Bulgarien, wo das Herz aufblüht und die Perfektion hervorsticht und ich kenne Armutsvierteln. Vielleicht habe ich noch nicht viel gesehen, aber ich bin ja auch schließlich nur ich. Ich habe in wohlhabenden Häusern schon essen dürfen und ich wurde hier in Häusern eingeladen, um am Boden zu kochen und draußen auf die Toilette zu gehen oder sich die Hände zu waschen. Wo ich mich aber irgendwie immer viel wohler fühlte. Ich habe in Gärten mitgeholfen und sogar zementieren. Ich kenne die Gehälter Bulgariens aus dem Internet und ich kenne sie real. Aus meinem Umfeld.

Irgendwie klingt es nach Leben. Ganz normales Leben. Manche kämpfen ein bisschen, haben wenig Empathie und sammeln. Andere wiederum müssen tagtäglich kämpfen und kennen nur das Leben von Heute auf Morgen. Und jeder hier hat wie überall auf der Welt seinen eigenen Kopf mit seinen eigenen Inhalten. Und danach richtet sich das Leben.

Tja, ich kenne Leute, die über das Land berichten, als würden sie es kennen wie ihre eigene Westentasche und ich tu gerade genau so. Wir sind alle bloß Menschen. Gar nicht viel mehr und auch nicht weniger.

liebe Grüße

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Ich mag doch keine Fische vergeben
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Persephone

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