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Gestern begleitete ich eine Freundin. Es war ein toller Tag. Nachdem ich auf sie wartete und ich nicht so weit weg gehen wollte, damit ich auch pünktlich wieder da war, setzte ich mich einfach auf eine Parkbank und wartete dort. Neben der Straße standen Müllcontainer, wo gelegentlich Müllsucher hinkamen. Manchmal dachte ich schon, jetzt filme ich das einmal. Aber das ist Bloßstellung, niemand oder sehr wenige haben das gerne, in Armut gefilmt oder fotografiert zu werden.

Ein Mann gesellte sich zu mir. Er hatte gerade ein paar Dosen aus den Müllcontainern gefischt und in seinen kaputten Kinderwagen, den er als Transportmittel nahm, gesteckt. Da ist fein säuberlich sortiert. Ein Sack für Dosen, ein Sack für dieses und jenes.

Er meinte, er mache mal Pause. Ist auch recht so. Einen Handschuh hatte er an, aber schmutzig waren beide Hände. Manche haben diese Stöcke, mit denen sie raus fischen, er dürfte es eher lieben, mit der Hand zu arbeiten.

Ich bot ihm eine Zigarette an. Da freute er sich natürlich. Ich fragte ihn, wie lange er denn schon diesen Job mache? Ich hatte das Gefühl, ich tue so, als wäre es der normalste Job der Welt. Es gibt ja auch sehr viele, die ihn machen. Er überlegte kurz und meinte dann, 22 Jahre etwa. Lange Zeit, dachte ich, aber bestimmt schon einige Erfahrungswerte gesammelt.

Wir saßen eine Weile da. Es war nicht unangenehm, keineswegs aufdringlich oder jammernd. Jeder hatte sein Leben und machte das Beste daraus.

Ich hätte ihm ein paar Lev geben können. Wir machen das manchmal. Aber ich hatte den Eindruck, er hat sich mit seiner Situation angefreundet. Ich reflektierte und gedanklich kam mir die Rollstuhlfahrerin, die ich mit einer Frau an einem anderen Tag nach Müll suchen gesehen hatte. Oder die älteren Menschen, die sich beinahe schämten, um Geld zu bitten. Ich erinnere mich heute noch an die alte Frau, die sich weg drehte, damit ich ihre Tränen nicht bemerken würde. Ich hab sie nicht bemerkt. Ich drückte einfach ihre Hand und verschwand auch wieder.

Was bin ich froh, dass es Menschen wie von www.hifa.at gibt. Es gibt Menschen auf dieser Welt, die einfach nur eine Chance wollen. Mit Wert und Würde behandelt werden wollen. Nicht mehr und nicht weniger.

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rigoletta

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