Mama, was ist Natur?

HUNDE LIEBEN ♥ DINNER FOR DOGS

Wie lebten damals die Tiere?

HuZo 25.03.11

Ich kann mich noch gut an unseren Bauernhof erinnern. Es war eine herrliche Zeit - damals dachte ich bestimmt nicht so, als ich im Teenageralter war, wollte ich doch zur Zivilisation, wir Kinder halfen ja genau so viel mit, weil es einfach so üblich war, dass alle Familienmitglieder mit gemacht hatten. Oma hat mir oft Margariten Kränze gemacht. Geschichten erzählt, von Dachshöhlen, von Waldesbewohnern, also fantastische Geschichten, spannend. Unser Flocki, der Haus und Hofhund kannte gar keine Leine. Er wurde 18 Jahre alt. Lebte bei uns frei, hatte aber seine Grenzen. Dazu gingen wir in keine Hundeschule oder machten auch kein Agiliti oder sowas. Es war so eine Selbstverständlichkeit. Wir hatten 40 Ribiselstauden. Die waren die Aufgabe von Oma und uns Kindern. Ich hasste das abrebeln von den Ribiseln. Ribisel selber mochte ich auch gar nicht. Die dienten zur Saftherstellung und für Marmelade.

Sehr viele Mostäpfel, Zwetschken, Mostbirnen hatten wir auch. Aus denen wurden Most und Schnaps erzeugt. Ich kann mich noch gut an die alte Mostpresse erinnern. Milch war auch da. Einmal im Monat wurden die nötigsten Sachen eingekauft, die wir nicht erzeugten. Mehl zum Beispiel. Hätten wir bestimmt erzeugen können, aber vielleicht war es uns zu viel Aufwand. Wir Kinder freuten uns immer, wenn es Apfelstrudel gab. Das war eines der Süßigkeiten, die wir hatten. Darauf freuten wir uns, weil es etwas Besonderes war. Sechs Längen Apfelstrudel hielten nie lange.

Wir hatten viele Katzen. Vermutlich wär das heute schon eine Diskussion, genau so wie Flocki ohne Leine. Naja, ich empfand das damals nicht so. Vor Kühen hatte ich Angst. Das ist zwar schlimm, wenn man auf einem Bauernhof mit Kühen groß wird, weil die Kühe sehr viel draußen waren, also musste ich lernen, mit meiner Angst umzugehen.

Die Wiesen waren nicht so grün wie heute. Also das Gras schon. Das war grün. Aber zwischen den Grashalmen wuchsen die unterschiedlichsten Blumen. Ich glaub, ich kann mich an viele Arten gar nicht mehr erinnern. An die Margariten schon. Wegen Omas Kränze. Es war einfach selbstverständlich, genau so, wie heute das Grün. Wir hatten einen Wald und wir Kinder hatten sehr viele Ideen. Grenzen kannten wir in der Form, in der wir sie heute kennen, nicht. Wir hatten schon so unsere Flausen im Kopf und da gab es natürlich Strafen. Aber bestimmt nicht wie heute. Flocki kannte auch keine Hunde Freilaufstellen. Es war aber auch unseren Nachbarn einerlei. Ich glaube, sie hätten gelacht.

Ich kann mich noch gut erinnern, als ich im Schulalter war, wie ein Mann mit zwei Kindern auf einem Motorrad zu uns kam. Der Mann war von der großen Stadt Wien. Als wir unsere Mutter fragten, was denn der Mann mit seinen zwei Kindern da wollte, meinte diese, dass er seinen Kindern Kühe zeigen wollte. Sie haben in ihrem Leben noch nie Kühe gesehen. Mutter verstand das sicher, wir Kinder haben gelacht und Witze daraus gemacht.

Ich kann mich noch gut erinnern, als ich in der großen Stadt Kinder in einem "Käfig" spielen sah. Ich lachte und fragte, ob dass denn so eine Art Zoo wäre. Es wurde mir erklärt, dass es eine Sicherheit für die Kinder gewesen wäre, wegen der Straßen. Damals konnte ich das nicht nachvollziehen. Ich wurde ja auch anders groß. Wir spielten viel am Bach, einmal flog ich sogar rein. Kletterten auf Bäume - och, der Kirschbaum - da erwischte ich einen dünnen Ast - rumps, unten lag ich. Es wurde dann nicht viel gemacht. Ich lag unten und stand wieder auf. Vielleicht wär ich heute schon beim Arzt oder im Krankenhaus, alles durchchecken.

Wir kannten keine Kurse. Und in der Schule hatten wir ständig Schmalzbrot mit. Oder Fleischbrot. Damals beneidete ich die vom Dorf. Die hatten immer irgendwas in einer Semmel. Eine Semmel war wieder etwas Besonderes für mich. Ich hatte dann jemanden, mit der ich immer tauschte. Und manchmal, wenn ich gar nicht zufrieden war, gab ich ihr komplett meine ganze Jause. Wegschmeißen durften wir nichts! Essen ist etwas Kostbares. Darüber redeten wir zwar nicht viel, es war selbstverständlich.

Wir waren eigentlich nicht arm. Es war irgendwie ein Leben mit der Natur. Wenn unsere Eltern etwas aufgebaut haben, haben sie erst einmal da hin gespart und dann haben wir es bekommen. Weihnachten und Ostern waren etwas Besonderes. Sogar der Nikolaus! Er brachte jetzt kein neues Handy, was es in meiner Kindheit noch nicht gab, oder ein Fahrrad oder sonstiges. Sondern Süßigkeiten, Mandarinen und Nüsse. Mandarinen mochte ich damals sehr gerne. Sie schmeckten anders als diese Ribiseln. Pfä. Was wär ein Leben mit einer Mandarinenfarm! Hmmmmmmh! So gut!

Flocki lebte mit den Katzen und natürlich lebten die Katzen mit Flocki. Obwohl sie eher für Mäusejagd gedacht waren und Flocki als Wachhund (haha! Das war ja ein guter Totsch ...) bekamen sie auch Essensreste. Eher wir Kinder spielten mit ihnen. Also mit den Katzen. Sonst wären sie vermutlich komplett scheu gewesen. Wenn die Erwachsenen Zeit hatten, dann wurde natürlich auch viel gestreichelt. Also ich hab darüber ja nie nachgedacht. Es war einfach ein Leben mit der Natur. Ah! Nicht mal ein Wetterbericht scherrte uns. Wir beobachteten den Himmel, die Schwalben. Oma brachte uns da sehr viel bei, wie man das Wetter voraus sagen kann. Das war ja wichtig, wegen dem Heu im Sommer. Die Trefferquote war auch sehr, sehr gut, wenn ich jetzt zurück denke.

Flocki war ein guter Hund. Er wartete immer pünktlich, wenn wir von der Schule heim kamen auf dem Feld. Sogar zum Bus brachte er uns. Dass da eine Straße war, wo Kind und Tier achten musste, das wussten wir. Ich nehme an, Flocki wusste es auch.

Wenn wir Angst vor einem Tier hatten, sei es andere Hunde, Wildtiere im Wald, da wurde nicht viel rumgeredet. Wir mussten lernen, mit unserer Angst umzugehen. Und nicht einmal darüber dachte ich nach. Es war selbstverständlich. Es gab halt auch in der Natur Situationen, wo man achten musste. Entweder man lernts, oder man lernts nicht.

Später, als Flocki im Alter von 18 Jahren von uns gegangen ist - es war eine harte Zeit für uns alle, war er ja schon für uns Kinder immer da gewesen, hatten wir lange keinen Hund. Bis ich im Teenageralter Nero kennen gelernt hab. Nero war nicht so ruhig wie Flocki. Na gut, er war noch jung. Es war für mich selbst der witzigste Hund aller Zeiten!

Ich kann mich noch erinnern, als meine Mutter Pflanzen setzte und Nero direkt neben ihr war und die Pflanzen wieder ausgrub. Ich stand dahinter, beobachtete - es war ein sehr schönes Wetter - wie meine Mutter glücklich und zufrieden und so entspannt die Pflanzen setzte. Und Nero stand daneben, glücklich und zufrieden und grub sie wieder aus. Da hatte ich dann auch noch so eine Melodie im Kopf. In die Richtung von "Peter und der Wolf". Dann machte meine Mutter endlich einen Blick zur Seite. Hui! Da war sie sehr böse.

Ich kann mich noch gut an Nero erinnern. In der alten Milchkammer war sein Platz auf einer alten Decke. Wobei er sehr neugierig war. Wir hatten dort auch unsere "Alltagsschuhe" und "Alltagskleidung". Ich weiß noch gut, als ich in die Kammer ging, Nero mitten unter den Schuhen saß, die er sich vorgenommen hatte und mich so lieb anschaute. Da wusste ich, er war der beste Hund, mit dem man Mutter Streiche spielen konnte.

Was Erziehung betraf, konnte ich nicht viel sagen. Es war einfach selbstverständlich. Wir beobachteten und lernten. Lernten wir nicht, wärs oft fatal gewesen.

Ich denke seit einem Jahr sehr oft zurück. Mit Kinderaugen sieht man vielleicht nicht viel, welche Pflichten Erwachsene hatten. Ich merke jedoch, die Grenzen waren andere. Grenzen waren schon da, für das Überleben. Aber nicht zur Einschrenkung mit dem Leben in der Natur. Die Jäger hatten auch keine Gatterzäune. Und über Hundeplätze hätten wir damals vermutlich gelacht und Witze gerissen. Wir hätten es nicht verstanden.

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baur peter

baur peter bewertete diesen Eintrag 25.03.2016 09:41:08

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