Ich muss gestehen, dass mich zum ersten Mal nach langer Zeit der Wahlkampf űberhaupt nicht interessiert. Die Politikverdrossenheit hat mich nun gänzlich in ihrer Umarmung und eigentlich bin ich gar nicht unglűcklich darűber. Was war es doch stets fűr eine Zeitverschwendung, diese ewigen und sinnlosen Debatten um des Kaisers Bart im Fernsehen zu verfolgen, obwohl man im Grunde genommen wusste, dass die meisten Worte nur Seifenblasen waren, die schon zerplatzen, nur kurz nachdem sie ausgesprochen waren. Eigentlich hat sich fűr mich persönlich nicht viel geändert in den letzten Jahren, ganz egal welche Regierung gerade ihr Werk vollbrachte. Ob ich jetzt einen Hunderter mehr oder weniger durch eine Steuerentlastung erhalte, macht das Kraut fűr mich nicht fetter. Nebenbei kann es mir egal sein, wie so eine Steuerentlastung finanziert werden soll. Da wird ohnehin willkűrlich mit Zahlen jongliert und jeder Politiker nennt dann die Summe, die ihm gerade in den Kram passt. Mal bringt eine Verwaltungsreform fast eine Milliarde, dann doch nur ein paar Millionen, je nach politischem Couleur, und ob man am Verwaltungsapparat festhalten will oder nicht. Das war jetzt nur ein Beispiel von vielen. Ich als Laie kann das sowieso nicht űberprűfen. Die vielen Wahrheiten hat eh jeder Politiker fűr sich gepachtet.

Wie auch immer, fűr mich ändert sich also nicht viel. Irgendwie kommt es mir auch so vor, als ob die Politiker seit Jahren die gleichen Floskeln von sich geben und jedes Mal fällt man wieder darauf rein. Bis zur nächsten Neuwahl halt, dann geht der Spuk von Vorne los. Wie zum Beispiel, man műsse die Fluchtursachen in Afrika und Asien bekämpfen. Das ist so, wie wenn man sagt, man műsse den Welthunger abschaffen, aber nicht annähernd eine Vorstellung davon hat, wie das űberhaupt gehen soll. Fast wie bei einer Miss-Wahl, wo viel gefordert wird, nur um als moralisch einwandfrei dazustehen und das Krönchen aufgesetzt zu bekommen.

Natűrlich gibt es Umstände, űber die ich nicht erfreut bin, die in meiner unmittelbaren Umgebung passieren. Ich wohne schon mein Leben lang in Kagran im 22. Bezirk und merke, wie jede freie Fläche in Baugrund umgewidmet und alles zugebaut wird. Das Bauprojekt direkt neben dem Donauzentrum und der U-Bahn Kagran schießt irgendwie den Vogel ab und ich frage mich, wieviele Menschen sollen noch auf einem Fleck leben, wenn dort ein riesiger Gebäudekomplex entsteht. Ich will nicht, dass die Donaustadt mal wie Favoriten aussieht und jede grűne Fläche durch Wohn- oder Bűrogebäude ersetzt wird. Zusätzlich bin ich auch kein Freund davon, dass auf der Wagramer Straße jetzt ein Kebabstand nach dem anderen aufmacht und an jeder Ecke ein Billigfriseursalon seine Pforten öffnet. Dann folgen bald die tűrkischen Supermärkte und sonstige Billigläden und aus der Wagramer Straße wűrde eine neue Simmeringer oder Meidlinger Hauptstraße werden. Das sind keine Orte, an denen ich leben wollen wűrde. Es ist fast so, als ob die Urbanisierung im Eilestempo voranschreitet und auch vor der Donaustadt nicht Halt macht, mit all ihren negativen Entwicklungen, bis auch die letzte Idylle zerstört ist. Man kann auch fűr die Erhaltung eines Stadtbildes eintreten, ohne gleich als Rassist zu gelten. Ob das noch erlaubt ist? Noch dazu werde ich mich aus finanziellen Grűnden auch nie in den Speckgűrtel flűchten können. Wie auch immer. Ob auf Landes- oder Bundesebene, die Politik bringt fűr mich persönlich keine Verbesserung und die Politiker setzen sich auch nicht fűr mich als durchschnittlichen Menschen ein, der weder armutsgefährdet ist, sich allerdings auch kaum Geld ansparen kann. Und wie gesagt, ein paar Hunderter mehr oder weniger vermindern oder verbessern mein Leben nicht. Ich bin fűr den Sozialstaat und dessen Erhaltung, allerdings kein Verfechter eines Wohlfahrtsstaates. Und manchmal denke ich mir schon, wieso ich mich eigentlich manchmal zur Arbeit quäle, wenn kinderreiche Familien mehr Geld ohne Arbeit haben. Allgemein sollte man das Kindergeld vielleicht als falschen Anreiz fűr jene Menschen sehen, die vielleicht besser keine Kinder bekommen sollten. Falsche und richtige Anreize gehen in der Sozialpolitik Hand in Hand.

Eigentlich waren wir ja bei der Politikverdrossenheit und wie man sieht, ist es eher ein falscher Ausdruck, denn jeder erwachsene Mensch macht sich so seine Gedanken űber regionale und nationale Entwicklungen. Die Verdrossenheit ist eher eine Art Machtlosigkeit, die nach jedem Urnengang erneut bestätigt wird, denn die Enttäuschung ist schon vorprogrammiert. Versprochen wird viel und im Endeffekt ändert sich nichts in positiver Hinsicht. Hat man das einmal verstanden, dann kann man sich die sinnlosen TV-Debatten sparen, braucht in den sozialen Netzwerken nicht mehr irgendwelche sinnlosen Streitgespräche fűhren und keine Zeitungsartikel mehr űber den Wahlkampf lesen. Die Politik ist ein absurdes Konstrukt in einer absurden Welt, ein aufgeblähtes Mediengetöse vor einer Wahl, was zum Medienspektakel verkommt, wobei sinnentleerte Worte und Versprechungen auf die Goldwaage gelegt werden und schlussendlich ihren Glanz verlieren, wenn sie in Taten umgesetzt werden sollen.

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