2 Monate Hausfrauen Dasein fordern langsam seinen Tribut..

Morgens schmeiß ich mich in meinen drittbesten Jogginganzug, setze eine Mütze auf, weil die Haare schon wieder zweifelhaft aussehen und bringe die Tochter in den Kindergarten. Während ich mich anfangs noch eher hineingeschlichen habe, weil ich Begegnungen mit anderen Elternteilen tunlichst vermeiden wollte, trage ich meine Augenringe ungeschminkt voller Stolz und lächle jeden der es nötig hat ungehemmt an, auch wenn ich auf das Zähneputzen vergessen habe.

Anschließend verschanze ich mich in unserem Zuhause und versuche nicht zu fluchen während ich, mal wieder, Krümel aufsauge. Manchmal kommt mir eine Kellerassel entgegen und ich lasse sie weiterziehen, denn sie ist bei uns im Paradis und wer bin ich sie aus dem Garten Eden vertreiben zu wollen.

Nach dem Saugen schmeiß ich mich auf die Couch und versuche die Zeit bis zum eintrudeln der lauten Mitbewohner zu genießen. Denn das ist es was mir gerne und viel zu oft gesagt wird.. ich solle genießen..

Aber halt, im Trockner ist noch Wäsche, die Waschmaschine schreit nach neuer Wäsche und ich muss noch überlegen was es zu Mittag geben soll. Ausserdem muss ich, bevor ich die Trocknerwäsche ausräume, zuerst die Wäschekörbe leerräumen..

Wenn alles geschafft ist bleiben noch 2 Stunden in denen ich genießen könnte..

Stattdessen langweile ich mich. Mal wieder viel zu lange- das Essen muss gekocht werden und ich bemerke, dass ich immer noch nicht im Bad war. Also schnell kochen, den Tisch decken und ab ins Bad.

Das Mittagessen ist ein Reinfall. Anscheinend gibt es falsche Nudeln.

5 Sekunden nach dem Essen läutet auch schon mein Handy, es ist aber für meinen Sohn. Er hat was ausgemacht und ich soll bitte ja sagen. Wie passend, dass sein Kumpel einen Zwilling hat- so hat auch die kleine Schwester was davon.

Nach einer Stunde trügerischer Ruhe stürmen 7 Kinder durchs Haus (ich vergesse immer die Nachbarskinder..). Mit dreckigen Schuhen durch die Küche in den Garten. Weil ich mittlerweile Expertin bin, hole ich erstaml nur den Besen und kehre Erde, Sand und Steine zu einem niedlichen Haufen zusammen.

Der Nachmittag ist laut, unordentlich und chaotisch und wird alle 5 Minuten durch ein 150 Dezibel lautes Mama Geschrei oder "Mama von.." Geschrei (die haben noch Respekt vor mir und trauen sich nicht meinen Namen auszusprechen!) unterbrochen. Ich verteile Pflaster, Äpfel, Süßigkeiten und Tadel.

Ab 16:30 bin ich streichfähig und beginne mit dem großen Aufräumen, damit das Grobe schon erledigt ist wenn die Kids endlich wieder nach hause ziehen.

Ich zähle die Minuten und Punkt 17:00 klaube ich die Jacken und Schuhe zusammen und stelle die Freunde und Nachbarn vor die Tür.

Nur eine Minute zum durchschnaufen, bevor ich ernsthaft überlegen muss, was ich abends koche. Die Kinder sind am verhungern, sie sehen auch wirklich sehr bemitleidenswert aus.. Mein Vorschlag ihnen ein schönes Bad einzulassen wird ohne mit der Wimper zu zucken abgelehnt.

Das Abendessen schmeckt wenigstens, nur sitzen wir Erwachsenen wieder mal alleine am Tisch. Die Kinder sind müde und hungrig, fläzen auf der Couch und schaufeln sich das Essen in ihre Münder.

Wir haben den Kampf aufgegeben, weil wir heute noch die nächsten Termine besprechen müssen und ohne Kids hoffentlich wenigstens 5 Minuten Zeit haben ohne unterbrochen zu werden.

Nur habe ich nicht mit der ausgesprochen kurzen Aufmerksamkeitsspanne eines Mannes mittleren Alters gerechnet, der es nicht mehr erwarten kann endlich das Fussballspiel mit seinen Kumpels zu sehen.

Also trage ich die Termine in meinen Kalender und versuche nicht allzu streng mit der "besseren" Hälfte zu sein.

Ich decke den Tisch ab, krazte essen von der Couch und ermahne meinen Mann das Handy wegzulegen und die Kids bettfertig zu machen-sofort!

Zwischen all dem Chaos und den vielen KinderTerminen (kaum wissen die anderen Eltern, dass man arbeitslos ist, wird man doch glatt ständig mit Dingen die man noch besorgen usw müsste belästigt!)

schreibe ich Bewerbungen, sitze beim AMS und studiere Jobinserate. Daneben darf ich auch nicht vergessen, dass ich eine Beziehung habe, dass ich Freunde habe und natürlich noch ein Ego(das zugegebenermaßen etwas klein ist zurzeit) die/das ich hegen und pflegen muss.

So viel hatte ich auch in meinen besten Jobzeiten nicht zu tun!

An diesem Tag musste ich nicht einkaufen gehen, Schuhe reparieren, Kleider flicken, Sachen suchen(vorzugsweise winzige Ponys oder die Geldtasche des Mannes), zum AMS oder irgendwas für irgendeinen Geburtstag besorgen oder backen. Es war ein ruhiger Tag.

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