Wie bekannt, hat Erdogan am 18. April zur Überraschung aller, die Wahlen für November 2019 auf 24. Juni dieses Jahr vorverlegt. Niemand war über diesen Plan vorinformiert, weder die eigene Partei, noch die Opposition und durch die geopolitische Lage der Türkei, durch die Syrienkrise bedingt, auch nicht die Natopartner, oder die USA.

Es gibt noch Zwei weitere Punkte, die wegen dieser Vorgehensweise zu berücksichtigen sind. Am selben Tag billigte das Parlament des Landes eine Verlängerung des Ausnahmezustands und zwei Tage später wurde bekannt gegeben, dass die Zentralbank die türkischen Goldreserven endgültig aus den Vereinigten Staaten abgezogen hat.

Ich vermute hinter diesem Vorgehen noch so manch anderes, Erdogan weiss dass er in seinem Reich immer umstrittener wird. Nicht nur das brutale Vorgehen in Syrien, sondern auch sein Krieg gegen die Kurden im eigenen Land lässt seine bisher unumstrittene Beliebtheit sinken. Erdogan weiss auch, dass er nur durch den wirtschaftlichen Erfolg der vergangenen Jahre seine Wahlerfolge einfahren konnte. Diese Zeiten sind vorbei, der Tourismus liegt am Boden, der Rückgang, vor allen aus den westlichen Ländern, hinterlässt Spuren. Hotels bleiben in der Hauptsaison leer, so leer wie auch die beliebten Badestrände, die Hotelbetreiber rebellieren und viele müssen, wegen der ausbleibenden Gäste Konkurs anmelden. Die immer noch mit 7% ausgewiesene steigerung der Wirtschaft ist nur auf geschickte Schuldenpolitik aufgebaut und steht auf tönernen Füßen, welche nicht bis zum Wahltermin 2019 halten könnte.

Die türkische Bevölkerung weiss natürlich auch darüber bescheid, welchen schlechten Stellenwert ihr ehemals so glänzender Führer im Ausland hat, auch die Türken besorgen sich ihre Informationen aus dem Internet, trotz Behinderungen des Staates, sozialer Medien wie Facebook und trotz Staatspropagandasender, die natürlich nur Lobeshymnen über Erdogan verbreiten und alle westlichen Regierungen die sich gegen ihn stellen, allenfalls als die neuen Nazis darstellen. So geschehen mit Merkel letztes Jahr vor dem Referendum und aktuell, die österreichische Bundesregierung, welche auch sämtliche Auftritte türkischer Politiker verbieten will.

Um Erdogans Taktik zum scheitern zu bringen ist ausserordentlicher politischer Druck aus ganz Europa erforderlich. Einreise bzw, Auftrittsverbote sämtlicher führender Politiker des AKP Regimes sind durchzuziehen. Das in Österreich angedachte Verbot diverser türkischer Vereine, welche auch die meisten Moscheen kontrollieren, ist durchzuziehen und könnte einen Dominoeffekt in Europa auslösen. Die Wahl in der Türkei, welche im Ausnahmezustand des Landes stattfindet und daher weit abseits jeglicher demokratischer Vorgaben abläuft, ist mit massenhaft Wahlbeobachter zu begleiten, um massive Wahlfälschungen zu verhindern.

Erdogan darf diese Wahl nicht gewinnen, andernfalls ist es kaum noch möglich seine Allmacht, die er mit dieser Wahl zusammen mit den letztjährigen Referendum bekommt, zu brechen. Innenpolitisch sitzt jetzt schon alles was eine Gefahr für ihn darstellen könnte in den Gefängnissen, aussenpolitisch verlässt er sich auf seine Vereine, die wie Krakenarme sich in sämtlichen Ländern, bis in höchste politische Kreise festgesaugt haben. Auch wird Erdogan vor einer Anstachelung eines Konfliktes zwischen seinen Anhängern und Gegnern (Kurden) in ganz Europa nicht zurückschrecken, wenn er sich daraus eine festigung seiner Macht verspricht. Eine weitere Folge eines Sieges wäre, das ihn auch niemand mehr davon abhalten kann seine militärischen Muskeln spielen zu lassen, ein besetzen vieler griechischer Inseln, wäre nur ein kleiner Auftakt dafür, was danach zur Errichtung eines Groß-Osmanischen Reichs alles möglich wird.

Ps: Dieser Beitrag ist aus gemeinsamen Gedankengängen mit einer in Österreich lebenden Türkischen Frau, nach einen kurzen Telefonat entstanden. Ich bedanke mich ausdrücklich bei @fischundfleisch für das zustandekommen des Kontakts mit einer lieben Frau, die das Schicksal mit vielen hier lebenden Türken teilt, in dem sie ihre politische Einstellung aus Angst vor repressalien, aus dem Erdogan-Lager, nicht offen in Sozial-Media Plattformen schreiben kann.

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