Erinnerungsfische: Als Österreich noch seine Grenzen schützte - die Bunkeranlage U3

Österreich war in der Pattsituation zwischen Warschauer Pakt und NATO in die Neutralität gerutscht. Ein Glücksfall der Geschichte. Und mit der Neutralität auch in die Schutzlosigkeit. Die Willkür der Überflüge russischer Militärjets, ohne jegliche Rücksicht auf die österreichische Souveränität und Neutralität beim Aufstand in Ungarn 1956, zeigte das ganz deutlich.

Österreich alleine konnte seine Grenzen selber nicht schützen. So wurde im Rahmen der so genannten umfassenden Landesverteidigung ein neues Konzept erarbeitet. Die Verteidigung des österreichischen Territoriums sah den Kampf aus Schlüsselzonen, Raumsicherungszonen und Schlüsselräumen vor. General Emil Spannocchi erarbeitete dieses Konzept - dabei ging es nicht um einen ultimativen Sieg Österreichs gegen den Aggressor, sondern um eine Abschreckung selbigen. Ein sehr hoher Durchmarschpreis sollte Gegener davon abhalten die Neutralität Österreichs leichtfertig zu ignorieren. Die Verteidigung bestand aus Bunker, Sperren, vorbereiteten Sperren, Feldsperren, Sprenganalgen, Landwehranlagen. Im Osten richtete sich Österreich gegen den Warschauer Pakt, in Tirol gegen Deutschland und Italien: gegen die NATO. Sie alle sollten einen sehr hohen Preis für den Eintritt in das neutrale Österreich zahlen. Selbst nach Durchbruch hatte das Bundesheer in einem patisananartigen Krieg vor Nachschublinien zu bekämpfen. Ein Wille zum Staat, ein Wille zur Neutralität. Das war Österreich.

Wer glaubt, dass das kleine Österreich ein mildes Lächeln auf den potentiellen Feinden erzeugt hat, der irrt gewaltig. Ungarn (UdSSR Führung) plante für eine nur leicht geschützte Raumsicherungszone in Österreich 50-70 Geschütze und Granatwerfeer, 10-15 Panzer und 15-20 Geschütze (im Direktbeschuss) pro KILOMETER! ein. Das würde den Vormarsch auf 3 km pro Stunde verlangsamen. Schlüsselzonen wurden als nicht einnehmbar kategorisiert.

Auch in Tirol gegen die NATO sah es ähnlich aus. Der Einsatz von Kernwaffen sollte mit einem engen Kontakt zum Gegener verhindert werden. Weiters wurde angenommen, dass man eben die Wege des Nachschubs nicht permanent kontaminieren hätte wollen.

Für diese Operationen wurden 300000 Mann mit hohem Milizanteil eingeplant. In Tirol hatten die Soldaten damals das Sturmgewehr und Munition zu Hause gelagert!

Ein Zeitzeuge des Ganzen ist die heute durch das Heeresgeschichtliche Museum gepfegte Bunkeranlage Ungerberg (FAN U3) bei der Kaserne Bruckneudorf.

Das waren noch Zeiten - ein Österreich, das so heute nicht mehr existiert. Wenn man liest, dass wir dem wachsenden militärischen Teil der EU nicht mit einer Autrittsdrohung entgegenen.

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