Glyphosat: Der Killer im Wald.

Was ist Glyphosat? Fragen wir, nachdem diese Frage wissenschaftlicher Natur ist, einfach mal die Wikipedia:

>>Glyphosat ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Phosphonate. Es ist eine biologisch wirksame Hauptkomponente einiger Breitbandherbizide und wird seit der zweiten Hälfte der 1970er Jahre zur Unkrautbekämpfung in Landwirtschaft, Gartenbau, Industrie und Privathaushalten eingesetzt. Glyphosat wirkt unselektiv gegen Pflanzen; Nutzpflanzen können mittels Gentechnik eine Resistenz gegen Glyphosat erhalten. Es ist weltweit seit Jahren der mengenmäßig bedeutendste Inhaltsstoff von Herbiziden.<<

Glyphosat ist also chemischer Kampfstoff gegen Pflanzen. Es findet eine großflächige Anwendung – und das seit Jahrzehnten. Momentan ist Glyphosat praktisch überall nachweisbar, vom Essen bis zu unseren Kindern. Wir sind praktisch durchseucht. Weiter nicht so schlimm. Wasser ist ja auch überall. Wäre da nicht folgendes zu erwähnen: Glyphosat soll verstärkt zur Anwendung kommen, was "wahrscheinlich krebserzeugend" für den Menschen ist (laut der Internationalen Agentur für Krebsforschung). Das macht die Sache doch ein klein wenig gruselig. Wir erfahren eine Dauerbelastung und dann ist Glyphosat auch noch problematisch. Warum?

Glyphosat greift effektiv in den Stoffwechsel der Pflanze ein. Es verhindert die Synthese einer essentiellen Aminosäure. Und somit die Proteinsynthese selber. Es ist also ein Gift, das an ein Protein bindet und es lahmlegt.

>>Glyphosat blockiert das Enzym 5-Enolpyruvylshikimat-3-phosphat-Synthase (EPSPS), das zur Synthese der aromatischen Aminosäuren Phenylalanin, Tryptophan und Tyrosin über den Shikimatweg in Pflanzen, wie auch in den meisten Mikroorganismen, benötigt wird. Grund für die Blockade ist die chemische Ähnlichkeit von Glyphosat mit Phosphoenolpyruvat (PEP), dem regulären Substrat der EPSPS. Glyphosat ist der einzige bekannte Herbizidwirkstoff, der effektiv EPSPS blockiert.<<

Was ich in Jahren in der Forschung gelernt habe: wenn ein Molekül an einem Protein binden kann, dann tut es das auch bei anderen homologen Proteinen. Mal mehr mal weniger effektiv, je nach Verwandschaftsgrad der Proteine. Es wäre schon ein extremer Zufall, wenn es nur an einem einzigen Protein binden könnte. Wäre es komplett harmlos für den Menschen könnte man folgendes machen: trinken, baden, duschen, schnupfen, rauchen, etc...

>>An ihren Taten sollt ihr sie erkennen. Als ein Monsanto-Vertreter im Interview mit einem französischen Sender ein Glas Glyphosat als ungefährlich für den Menschen einstuft, reicht ihm der Journalist plötzlich ein Glas davon. Damit hat der Interessenvertreter wohl nicht gerechnet. Nun will er das Glas doch lieber nicht trinken.<<

Doch nicht wie Wasser also?!

Gut, nachdem das Gift jetzt überall zu finden ist, will man das Glyphosat mal vermeiden. Sich und den seinigen was Gutes tun. Man hat ja genug von dem Glyphosat verseuchten Gemüse vor allem im Supermarkt. Alternative Nahrungsquellen scheinen hier angebracht zu sein. Daher ging ich mal in einer Führung durch den Wald mit. Im Frühling. Essbares. Vergessenes Wissen. Essbare Blätter, essbare Kräuter, etc. Wir gingen fressend durch den Wald. Herrlich! Bin mir nicht mehr ganz sicher, ich glaube es war Mai.

Das kann man ja nicht auf Dauer machen, also muss es schon mal was aus dem Supermarkt auch sein. Aber, wäre es da nicht besser, sich eher an Fleisch zu halten? Oder das Glyphosat im Gemüse wenigstens mit Fleisch aus dem Gemüse herunterzuverdünnen? Naja - bin mir da nicht sicher, könnte ja in den Silagen der Kühe auch drinnen sein. Kein Problem! Reh, Wildscheine aus dem Wald. Genial. Unverseucht. Bio. Gesund. Und glücklich sind die auch. Und dazu gibt’s auch gesunde Blätter, Kräuter, süße Beeren und Pilze im Wald. Glyphosat, ade! Nichts wie raus in die gesunde Natur. Sich sein Essen selber holen (Vorsicht bei Wildschweinen, Gebrauchsanleitung vorher lesen)...

Mit Nichten und Neffen. Genau das Gegenteil ist der Fall. In einer Studie von Greenpeace wurde 2016 im Wald nach Glyphosat getestet. Es war in einem bei Leuten beliebten Waldstück in Kärnten. In diesem Gebiet holen sich die Leute beim Erholen in der Natur klararweise auch Waldfrüchte und Beeren zum Essen heim. Aber wozu testet Greenpeace im Wald nach Glyphosat?

Weil Glyphosat im Wald verwendet wird und auch werden darf. In extrem hohen Dosen und relativ unkontrolliert. Eingesetzt wird es gegen Brombeerbüsche, Sträucher - allgemein gegen die Vegetation im Generellen, um den Bäumen zu helfen, besser zu wachsen. Wir sprechen hier von hohen Dosen auf großen Flächen. Das ist noch nicht einmal illegal. Sondern vollkommen im gesetzlichen Rahmen. Der Zeitpunkt um heuer Glyphosat im Wald zu versprühen war überigens der Mai. Malzeit.

Greenpeace testete im Oktober also mehrere Monate nach der legalen Anwendung. Die Folgen der ungezügelten Verwendung ist ein um das 500 fache übertroffener gesetzlicher Grenzwert in etwa Waldbeeren. Für Kinder heißt das: nach 5 Beeren sollte man aufhören zu essen. Beim Erwachsenen liegt das bei 62g Beeren der Fall. Na, ein Blech Kuchen ginge sich ja aus.

Die Frage für mich ist jetzt: Wieso um Himmels willen muss man im Wald mit Glyphosat rechnen? Haben wir in unserer ungezügelten Profitgier nicht mehr alle Tassen im Schrank?

Bitte liest dazu Näheres aus dieser Publikation:

>>Im vergangenen Frühling wurde die Zulassung von Glyphosat auf europäischer Ebene hitzig diskutiert, vor allem weil die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO Glyphosat als für den Menschen wahrscheinlich krebserregend einstuft. Schon damals hatte es Bundesminister Rupprechter verabsäumt, politisch Position für den Schutz der öffentlichen Gesundheit zu beziehen. Die Ergebnisse des aktuellen Tests sind somit auch auf das Versagen des Ministers im Umgang mit Glyphosat zurück zu führen. Zumindest für Österreich könnte schon längst ein Glyphosat-Verbot gelten. „Bundesminister Andrä Rupprechter kann sich nicht länger vor seiner politischen Verantwortung drücken. Der Einsatz von Glyphosat im Wald muss sofort verboten werden. Darüber hinaus brauchen wir einen generellen Ausstiegsplan für Glyphosat in Österreich bis Ende 2017“, so Simons. <<

Ergebnisse im Detail: (Glyphosat mg/kg; AMPA – Abbauprodukt mg/kg)

Himbeeren: 290/ 3,1

Pilze: 32/ 2,4

Blätter: 1650/ 3,3

Gras: 16/ 0,79

Erdprobe 1: 210/ 10,1

Erdprobe 2: 15,6/ 0,130

16
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
6 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

pirandello

pirandello bewertete diesen Eintrag 14.10.2017 23:08:00

Gerhard Neuwirth

Gerhard Neuwirth bewertete diesen Eintrag 14.10.2017 20:46:23

Isabella

Isabella bewertete diesen Eintrag 14.10.2017 08:52:51

Charlotte

Charlotte bewertete diesen Eintrag 14.10.2017 08:08:52

kerosina apfelkern

kerosina apfelkern bewertete diesen Eintrag 14.10.2017 07:29:25

baur peter

baur peter bewertete diesen Eintrag 14.10.2017 06:59:06

Michel Skala

Michel Skala bewertete diesen Eintrag 13.10.2017 23:56:24

Matt Elger

Matt Elger bewertete diesen Eintrag 13.10.2017 19:23:55

Liliane Licht

Liliane Licht bewertete diesen Eintrag 13.10.2017 18:58:59

woidviertla

woidviertla bewertete diesen Eintrag 13.10.2017 14:15:11

Iris123

Iris123 bewertete diesen Eintrag 13.10.2017 13:35:29

Isabelle

Isabelle bewertete diesen Eintrag 13.10.2017 13:32:49

MartinMartin

MartinMartin bewertete diesen Eintrag 13.10.2017 13:29:56

huflattich

huflattich bewertete diesen Eintrag 13.10.2017 11:42:25

Petra vom Frankenwald

Petra vom Frankenwald bewertete diesen Eintrag 13.10.2017 11:37:49

Michlmayr

Michlmayr bewertete diesen Eintrag 13.10.2017 11:11:04

137 Kommentare

Mehr von philip.blake