Nudging - eine neue Methode der Erziehung ist ein Angriff auf die Würde des Menschen.

Ein Nobelpreisträger gibt den Politikern und Wissenschaftlern Unterstützung - eine neue Speerspitze der Erziehung der Bürger sozusagen.

Aber was ist so schlimm am Verhalten mancher Wissenschaftler und Politiker? Na wie immer sind es nicht alle, aber sehr viele, vor allem die an der Spitze. Sie sind nämlich der Meinung, dass man die Zivilbevölkerung nicht selbst denken lassen kann. Man muss sie zu ihrem Glück stupsen – oder übersetzt durch Zwänge und Anreize zwingen.

"Verhaltensökonomen Richard Thaler. Seine Kernbotschaft: Der Mensch sei nur «beschränkt rational», in Wirklichkeit ein homo affectus, im Extremfall ein kognitiver Versager. Dies nachgewiesen zu haben, so das Urteil des Nobelpreiskomitees, mache die Ökonomie «menschlicher»." Link

Nicht nur, dass er damit das Fundament der freien Marktwirtschaft wegsprengt - der ökonomisch rational denkende Mensch: homo oeconomicus - es ist im individuellen Sinne auch noch schlicht weg falsch. Und obendrein ist dieser Irrtum bereits in der Wissenschaft bekannt.

Bekannte Widerlegung einer These, oder nicht, nun gießt die Idee eines irrational handelnden Menschen Öl ins Feuer von Politikern und Bessermenschen – auch Journalisten. Sie vermuten ja schon immer den "Idioten" in der Bevölkerung, der sich von Wahl zu Wahl obendrein vermehrt und weder begabt noch fähig ist rationale Entscheidungen zu treffen. Partout mag er die Vorteile des geheiligten Multikultis nicht erkennen. Wie viele dieser einfachen Menschen einfach die Vorteile in Wirtschaft und Gesellschaft, die Zuwanderung aus islamischen Ländern bringt. Nicht erkennen können. Furchtbar. So meint man dann der "Bessermensch" zu sein, der rationale Durchblicker, der mit oben erwähnten wissenschaftlichen Erkenntnis unter den Flügeln, den blinden Bürgern, der irrationalen Masse sozusagen, umerziehen muss. Der Bürger wisse ja nicht, was gut für ihn selber ist - dazu braucht es natürlich auch das Durchsetzungsorgan - der "neutralen" Behörde, der die eigenen Ideen und Doktrinen dann gefälligst in die Köpfe zwingen (muss). Damit meine ich nicht Folter, sondern etwas weit Schlimmeres: "Nudging". Durch viele Schubser und kleinere Zwänge, wird die Gesamtrichtung jedes einzelnen, "korrigiert". Man markiert bestimmte Handlungen und Ideen mit einem negativen Vorzeichen, einem NoGo. Macht ihm so bestimmte Vorlieben schlichtweg madig.

"Niemand hat das so unverblümt ausgesprochen wie Hillary Clinton: «We can’t expect our people to make the right choices.» Das war kurios hellsichtig – zumindest, was ihre eigene Person anbetraf."

Der Mensch handelt also nicht im Sinne der Ideologien einzelner mächtiger Parteien und Politiker und deshalb müsse man ihn täglich traktieren, um sein Glück herbeizuführen.

Man spricht in diesen Lagern im Allgemeinen über "Verhaltensanomalien" des Bürgers.

"Was aber ist von der Substanz der Forschung zu halten? Dass wir auf morgen verschieben, was wir schon heute besorgen könnten; dass uns das Hemd näher ist als der Rock; dass uns der Spatz in der Hand lieber ist als die Taube auf dem Dach; dass wir uns manchmal mit nichtmaximalem Nutzen zufriedengeben; dass wir uns bei Entscheidungen von Formulierungen beeinflussen lassen; dass wir Stabilität mehr mögen als Veränderung; dass wir Launen wie Barmherzigkeit oder Nächstenliebe kennen; dass wir unzulänglich in der Einschätzung von Wahrscheinlichkeiten sind und kurzsichtig in der Planung unserer Lebensvollzüge – all das war uns zwar schon immer irgendwie bekannt, aber es musste einmal gesagt werden."

Die Verhaltensanomalien werden, in den Studien des Verhaltensökonomen, dann doch recht vereinfachende künstliche Situationen erforscht und mit diesen Daten dann scheinbar bestätigt. Auch die, oh Wunder, Fördermittel konzentrieren sich offenbar eher in diesem "in" Bereich der Ökonomie. Was aber ist Rationalität eigentlich? Kann man Rationalität in eine beschränke und unbeschränkte teilen und auch unterscheiden? Ist Rationalität nicht eher in einem Individuum selbst anzutreffen, als im scheinbar gemeinsamen Verhalten einer Masse? Würde das nicht bedeuten, dass ein Verhalten für einen Menschen rational, aber für einen anderen dann doch irrational erscheinen kann? Das sich praktisch Verhaltensweisen interindividuell in der Unterscheidung zwischen rational und irrational überschneiden können?

Weiters ist "beschränkt rational" oft mit "zu dumm" konnotiert. Auch wenn "beschränkt rational" auch Altruismus miteinschließt. Weil altruistische Handlungsweisen sind nun mal nicht mit der ökonomischen Rechnung im Einklang zu bringen. Ähnlich sieht das auch mit dem Bezahlen von horrenden Summen für gefälschte Bilder, also mit dem Wissen, dass dies Fälschungen sind. Hier erscheint im Sinne von Geldkalkulationen - Nutzen und Wertrechnungen, der Mensch als irrational. Irrational im Sinne eben dieser Rechnung. Aber: die Messbare Seite der Welt ist aber nicht die Welt, sondern die Messbare Seite der Welt. Daher "sehen" diese Theorien der Irrationalität, die eigentliche Rationalität im Individuum selber nicht – sie sind blind dafür.

"Wenn wir aber die Innenperspektive des Handelnden integrieren, wenn wir davon ausgehen, dass jemand aus Gründen handelt, dann müssen wir anerkennen: Alle Verhaltensweisen kann man als «Waren» beschreiben, die wir unterscheiden und bewerten, die wir auf Märkten anbieten und gegen die Verhaltensweisen anderer Menschen tauschen. Alle Verhaltensweisen, das heisst vor allem auch nichtmaterielle: Freundlichkeit ist eine Ware, Unfreundlichkeit auch; Zeit haben ist eine Ware, keine Zeit haben auch; jemandem helfen ist eine Ware, nicht helfen ebenso."

Dabei muss man beim Austausch der Wahren nicht unbedingt zu zweit sein. Es kann auch ein innerer Deal sein - ich kaufe wissentlich ein überteures Ticket von einem finanziell in der Ecke stehenden Freund. So schaut es auf den ersten Blick so aus, dass ich komplett irrational handeln würde, was den Handel betrifft. Aber hier ist auch eine andere Komponente zu finden: ich hoffe nämlich, dass, wenn es mir mal schlecht geht, ich dann auch auf meinen Freund zählen kann. Die interne Rechnung ist also in Wirklichkeit als rational anzusehen. Oder mir bietet jemand Brot sehr billig an. Ich bin jetzt aber der Meinung, ich brauche das billige Brot nicht, weil ich mir eh teures leisten kann. Eventuell braucht ein anderer dieses günstige Brot eher. Ich schütze also meine Selbstachtung auf Kosten des ökonomischen Denkens. Und so weiter und so fort. Beispiele gibt es wie Sand am mehr. Ich würde sagen, mehr als ökonomisch nachvollziehbares Handeln. Allen voran das moralische Handeln, das dann in 99% der Fälle eben nicht als Aufopferung verstanden werden kann.

"Man profitiert emotional, gilt als guter Mensch, wird von anderen anerkannt oder, weniger hochstehend, vermeidet ein schlechtes Gewissen. Und warum teilen Menschen mit anderen Menschen, wenn sie doch Egoisten sind? Ja, eben weil sie Egoisten sind."

Man handelt also streng genommen egoistisch, auch wenn man sich offiziell als Gut-Mensch darstellen möchte. Der innere Handel mit sich selbst sorgt auch dafür, dass der Ehrliche ebenfalls ausgeglichen handeln kann - halt nur mit sich selber. "Man braucht also nicht erst Nietzsches Heroismus, um sich das ethische Geschwätz der Spiesser vom Leibe zu halten."

Es gibt also ein gefühlsökonomisches Kalkül in uns, eine "soziale Präferenz" sozusagen.

Ganz im Gegenteil zum ökonomisch materiellen Verständnis, kann man Güter eigentlich auf emotionale Einkommen reduzieren. Der Mensch kauft also nicht das Gut - ein Auto, wegen dem Auto an sich, sondern, weil er mit dem Auto gesehen werden will. Er kauft ein Gefühl. Wie sonst kann man sich die 245 Euro teuren Leiberl von Vetements, erklären - es kann sich nur um ein Gefühl handeln, nicht um das Material. Aber das ist alles Längst in Werbe und Marketingindustrie bekannt. Es ist nicht auszublenden.

Die Basis, die Rechtfertigung, von Nudging ist also eine fragliche. Der Mensch handelt immer rational, auch wenn es nach außen vollkommen irrational ausschaut.

Nudging wird trotz aller Erkenntnis als das Mittel zur Wahl eingesetzt: "Mit Strategien aus der Verhaltensforschung will Kanzlerin Merkel die Deutschen zu Musterbürgern machen. Kritiker halten das sogenannte Nudging für eine hinterhältige Form der Gängelei." MaW: ein Angriff auf die Würde des Menschen.

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