Putin-Tschetschenien und die (falsche) westliche Sicht auf den Krieg (1999). Teil 1

Putin hat dieser Tage im Kaukasus ein Versprechen eingelöst, dass er vor zwanzig Jahren gegeben hat. Es geht um Ereignisse aus der Zeit des Tschetschenien-Krieges. Das ist eine gute Gelegenheit, einmal mit den westlichen Legenden über diesen Krieg aufzuräumen.

Wie wir wissen gibt es zu diesem zwei Sichtweisen. Die westliche Sichtweise spricht von dem Unabhängigkeitskampf des tschetschenischen Volkes, die russische Sichtweise ist eine ganz andere: Es waren keineswegs die Tschetschenen, die für ihre Unabhängigkeit kämpften, sondern eingesickerte arabische Salafisten, die dort – Zitat der Rebellen damals – "einen islamischen Staat, ein Kalifat" errichten wollten. Diese Begriffe wie IS, die im Westen erst ab 2012 bekannt wurden, als arabische wahhabitische Islamisten im Irak und in Syrien ihr Terrorregime errichteten, waren in Russland bereits seit 1994 ein Thema.

Das Ziel der Islamisten war es, den gesamten Kaukasus, also das russische, aber islamisch geprägte Gebiet zwischen Schwarzem und Kaspischen Meer unter Kontrolle zu bekommen. Es war die Zeit der Schwäche des gerade erst zerfallenen Reichs und die Schwäche seines Alkoholkranken Präsidenten Boris Jelzin.

Nachdem es ab 1996 über zwei Jahre relativ ruhig war, begann im August 1999 ein Angriff der Islamisten auf die islamisch bewohnte und zu Russland gehörende Teilrepublik Dagestan. Nun stand die Bevölkerung auf und noch bevor die desolate russische Armee eingreifen konnte, kämpften die Dagestaner gegen die angreifenden Islamisten. Dies war der Beginn des zweiten Tschetschenien-Krieges, an dessen Ende der Sieg Russlands stehen sollte und die Wiedereingliederung Tschetscheniens in den russischen Staat.

Dass Russland diesen Krieg gewinnen konnte, lag vor allem daran, dass Putin auf den Anführer der pro-russischen Tschetschenen gehört hat. Es war übrigens der Vater des heutigen Präsidenten der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Kadyrow, der im Westen nur als "tschetschenischer Diktator" bezeichnet wurde. Kadyrow senior hatte Putin eine Generalamnestie für alle Tschetschenen vorgeschlagen, die auf Seite der Islamisten kämpften. Putin ging darauf ein und danach liefen praktisch alle Tschetschenen von den Islamisten auf die russische Seite über. Die eingesickerten arabischen Salafisten hatten damit jeden Rückhalt im Land verloren und wurden besiegt.

Russland hat danach viel Geld in die Hand genommen und das verwüstete Land wieder aufgebaut. Heute ist Grosny eine glitzernde Metropole, in der nichts mehr an den Krieg erinnert. Und daher kommen auch die regelmäßig guten Wahlergebnisse für Putin in Tschetschenien. Die Menschen dort wissen, trotz allen Elends, dass der Krieg gebracht hatte, dass Putin das Land vor der Herrschaft der Salafisten bewahrt und die Kriegsschäden schnellstmöglich beseitigt hat.

Nun zum 1999 gegebenen Versprechen von Putin

Als die Islamisten 1999 Dagestan angriffen, war die Stimmung schlecht. In dem dagestanischen Dorf Botlich, wo die Bürger sich den Islamisten entgegengestellt und sie dann mit Unterstützung der Armee zurückgeworfen hatten, tauchte damals Putin auf. Damals war er noch nicht Präsident, er war gerade erst zum Premierminister ernannt worden. Er war der vierte Premierminister in etwas über einem Jahr und niemand nahm ihn wirklich ernst, das Land war gerade zahlungsunfähig geworden, die Armut war allgegenwärtig, der Präsident war ein greiser Alkoholiker und nun kam auch noch ein Krieg hinzu.

Putin kam zu den Menschen dort und sprach in einem Zelt zu den Kommandeuren der örtlichen Widerstandskämpfer. Und seine Rede war – nach Aussagen aller Tschetschenien-Veteranen – ein Wendepunkt, denn sie macht den Leuten Mut und zum ersten Mal glaubten die Kämpfer und Soldaten wieder, dass es jemand ernst meint mit dem Kampf gegen die Islamisten.

Putin sagte damals mit einem Glas Wodka in der Hand zu den Männern am Tisch: "Ich möchte sehr gerne, nach russischer Tradition und nach der Tradition des heiligen Landes Dagestan, in dem wir uns heute befinden, das Glas erheben und auf die trinken, die gefallen sind" Die Leute wollten schon aufstehen und anstoßen, doch Putin stoppte sie: "Ich möchte auch auf die Verwundeten trinken und allen hier Glück wünschen. Aber vor uns allen liegen viele Probleme und schwere Aufgaben. Das wissen Sie alle besser als ich. Sie wissen, wir wissen, was der Feind plant, welche Provokationen wann und wo kommen werden. Wir alle haben nicht das Recht, uns auch nur eine Sekunde der Schwäche zu erlauben. Nicht eine Sekunde! Denn wenn wir das tun, dann bedeutet das, dass die, die gestorben sind, umsonst gestorben sind. Darum schlage ich vor, dass wir die Gläser heute stehen lassen. Wir werden zusammen trinken. Ganz sicher. Aber das tun wir später, erst dann, wenn diese Aufgaben, die vor uns liegen, gelöst sind." Putin stellte sein Glas auf den Tisch und schloß: "Daher schlage ich vor, eine Kleinigkeit zu essen und dann geht´s an die Arbeit."

Der Krieg dauerte noch Jahre, aber er wurde gewonnen und heute ist Tschetschenien wieder aufgebaut.

Das Versprechen, mit den Männern von damals das Glas Wodka zu trinken, hat Putin am 20. Jahrestag der Ereignisse, am 12. September 2019, erfüllt. An diesem Tag kam er nach Botlich zurück, sprach mit den Männern von damals an einem gedeckten Tisch und trank mit ihnen das versprochene Glas Wodka.

Das russische Fernsehen berichtete darüber, in den westlichen Medien hört und liest man selbstverständlich wenig bis nichts davon, sollte aber hier nicht Thema sein, ich genieße eben den Vorteil von "medialer rund um die Uhr-Versorgung aus Russland".

Teil 2 folgt und beschreibt, warum es Russland bereits 2 mal gelang den IS zu besiegen und warum der Westen nie ein ernstes Interesse an einen Sieg hatte.

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