Was die Deutschen und Österreicher wirklich aus der Geschichte lernen könnten - aber nicht tun, weil sie lieber politisch korrekt sind und daher nur an der Oberfläche kratzen.

Ich hab mal ein paar Punkte über das Lernen aus der Geschichte zusammengeschrieben, die ich irgendwo mal gehört habe. Ich lese immer wieder, die selbe Leier über unsere Vergangenheit, die sich erstens auf einen bestimmten Bereich fokussiert und zweitens meist ein und dieselben Floskeln enthalten – Papageiengeschichte. Der Schluss, den viele aus unserer Vergangenheit ziehen ist immer nur Folgender - dafür aber in vielen verschiedenen Variationen: Wir haben aufgrund unserer Vergangenheit zu ducken und schuldig dreinzuschauen und wer das nicht macht, der ist einer der Täter von damals. Meist handelt es sich bei Menschen dieser Einstellung um traumatisierten Menschen - Opfer, die verzweifelt versuchen die Oberfläche peinlich sauber zu waschen und auch zu halten. Sie sind stur der Meinung, dass sie selbst und alle ihre Landleute von Grund auf und unumkehrbar innerlich böse sind. Dies ist eine fatal-falsche Sichtweise, weil dann nur mehr das Äussere für tatsächliche Veränderungen übrig bleibt. Alles nur nicht als Nazi bezeichnet werden – alles (weil mein Genom macht mich ja zum Nazi und das soll ja keiner erkennen dürfen). Das führt auch zu dem ständigen Nachplappern von unreflektierten Halbwahrheiten und natürlich dem erhobenen Zeigefinger, vor allem für andere Menschen, die es wagen sich politisch unkorrekt zu verhalten.

Aber ich verrate euch was: Wir, die derzeit lebende Generation, hat mit den Vorfällen im zweiten Weltkrieg nichts zu tun. Wir können uns auch nicht erinnern. Wir waren nicht dabei. Wir können allenfalls erahnen was damals abging. Und wir können versuchen, zu verhindern, dass Unrecht nicht wieder zur Basis eines Staates wird. Meine Großeltern waren keine Nazis und sie haben sich so gut es ging vor allem gedrückt. Sie haben auf die "Roten" geschimpft, die nur allzu gerne den Nazis die Hände reichten. In meinem Dorf waren es 3-4 von den 500 Einwohnern, die tatsächliche Nazis waren. Der Rest hat gelitten – zuerst unter den Nazis, dann unter den Russen und an Hunger – alle waren spindeldürr. Meine Großväter mussten in die Wehrmacht. Wer von den heutigen LDGs (Liga der Gerechten) wäre damals schon wirklich im Widerstand tätig gewesen. Selbst die Alliierten haben wissentlich den Widerstand ignoriert – ja sogar politisch in die gleiche Kategorie, wie das Establishment, gestellt. Na egal, das führt hier sowieso zu weit.

Hier bleibt folgende Frage: was können wir wirklich offen und neutral von unserer Vergangenheit lernen?

Los geht’s:

1) Es ist ein Fakt, dass der explosive Mix des narzisstischem Identiterialismus, welcher charakteristisch für den Kollektivismus ist, IMMER in einer blutigen Katastrophe endet.

2) Es ist unsere Pflicht einem sich anbahnenden autoritären Kollektivismus energischen Widerstand zu leisten. Wird man etwa gegen seinen Willen in eine Vereinigung/Club gezwungen, zu der man eigentlich nicht passt und in der man auch nicht sein will, weil man sich nicht wohl fühlt, dann sollte man sich in keiner Sekunde dafür entschuldigen, oder sich gar schlecht fühlen, wenn man den Leuten dieser Gruppierung sagt, dass sie sich gefälligst verpissen sollen. Weil genau in solchen Gesellschaften, in denen diese Leute dritte uninteressierte in ihre Gruppe zwingen können, ermangelt es an Menschen, die nicht mehr die Freiheit haben "Nein" sagen können. Diese Gesellschaften sind dann genauso schlimm gestaltet, wie es sich diese mächtigere Gruppierung in ihren Träumen vorstellt. Und diese Träume werden dann Realität, wenn die Gruppierung über genügend Mitglieder verfügt. Weil nur so können sie ihr Programm auch realisieren. Also – raus aus dem Quatsch.

3) Die widerwärtigsten Ideologien entstammen einem Protoplasma das immer mit einem Schuss an Grausamkeit versehen ist. Und wenn etwas sein Anfänge in so einem zweifelhaften Ursprung hat, dann kann man getrost davon ausgehen, dass der Rest dieser Ideologie nicht viel besser ist und daher vermieden werden sollte.

4) Eines der Hauptprobleme einer Ideologie entsteht, wenn die moralische Instanz empathische und friedfertigen Eigenschaften übersteigt. Gerade diejenigen Ideologien, die glauben, dass sie eine Lösung zu allem haben, werden von einem maximum an Gewalt begleitet. Nimmt man etwa eine beliebige Ideologie her, die zwar oberflächlich von sich behauptet alle Sichtweisen zu tolerieren, aber dann doch schnell mit: "ich habe recht und du nicht" auffährt; also anderen rasch mal mitteilt: "Akzeptiert unsere willen oder wir vernichten euch". Genau so ein Verhalten zeigt, dass diese Ideologie zu Gewalt neigt und daher gemieden werden sollte.

5) Die schlimmsten Ideologien bauen ihre Diktatur auf Theokratie oder Metaphysik auf. Liebe Anhänger dieser Ideologie: vergesst nicht: wenn euer Führer nicht sterben kann, wird von euch erwartet für ihn zu sterben.

6) Es ist kein Verdienst oder Heldenmut etwas zu denunzieren/ anzuzeigen, dass nicht direkt ein Aufruf zur Gewalt darstellt. Nein, nur wegen tollen Gefühle alles zu melden zählt nicht. Vielmehr: Scheiß auf deine Gefühle, scheiß auf meine Gefühle - die sind das am wenigsten wichtige in der derzeitigen politischen Landschaft.

7) Aberglaube ist ein grässlicher Beitrug zu unserer oder irgendeiner anderen Gesellschaft. Wenn etwas nicht empirisch überprüfbar ist, dann bitte mach es nicht zu einem Teil deines politischen Programms – im Speziellen dann, wenn es sich um archaische Gesetzestexte handelt.

8) Gruppen oder Menschen, die bestimmte Definitionen zum Vorteil ihrer eigenen Agenda verändern sind totalitär. Sagt den Leuten, dass sie sich schleichen sollen. Macht den geistigen Müll jener publik, sodass die Gesellschaft ihre Blickweise darauf verändern kann. Solche Menschen (die die Agenda gerne mal abändern) lesen Orwells 1984 nur um des Lesens und nicht des Verstehens Willen.

9) Hitler war nicht der einzige Bösewicht und die Verbrechen in dieser Zeit sicherlich nicht die einzigen grässliche Verbrechen im Europa des 20th Jahrhunderts – wenn du auch nur irgend etwas aus deiner Geschichte lernen willst, dann bitte limitiere die Geschichte nicht auf eine kleinen Ausschnitt.

10) Eine Lauge auf eine schlimme Verätzung durch eine Säure zu gießen ist eines der dümmsten Wege Säureverätzungen zu behandeln. Ein Extremismus hilft nicht den anderen Extremismus zu bekämpfen - vor allem dann nicht, wenn ersterer bereits passiert und Vergangenheit ist.

2
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
5 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

Grossfire

Grossfire bewertete diesen Eintrag 28.02.2017 13:40:20

Die Tempeltänzerin

Die Tempeltänzerin bewertete diesen Eintrag 28.02.2017 07:09:35

1 Kommentare

Mehr von philip.blake