Mitte letzter Woche haben wir die Entscheidung getroffen, nachdem klar war, wie schön das Wetter am Wochende sein wird, dass diesmal der NATIONALPARK THAYATAL unser Wanderziel sein wird.

Gemäß unserem selbst erschaffenen und erdachten ANTIVIRALEM IMMUNSTÄRKUNGSPROGRAMM, welches jeden Tag Ausdauer- und Kräftigungsübungen beinhaltet, sowie ausgewählte Gemüse und Kräuter, die sehr tauglich sind, ist die Bewegung an der Sonne etwas unglaublich Stärkendes.

Wir "atmen" die Sonne und wir ziehen stundenlang durch die Gegend, um würzige Luft in uns zu holen.

Kurz zu unserem Plan:

Wir fahren mit dem Auto nach RETZ, stellen es dort am Bahnhof ab und nehmen den Bus um 9.17 Uhr nach HARDEGG, der kleinsten Stadt Österreichs. Von dort gehen wir den Weg Nr.1 ins Thayatal, bis zur Burgruine KAJA, dort beginnt dann unser Rückweg zu Fuß nach RETZ, die errechnete Weglänge beträgt ungefähr 18-19km.

Es ist kalt und frisch in Wien, als wir starten, Temperatur so ca. um 0°C, kaum Verkehr in der Stadt, aber doch auf der Ausfallstrasse Richtung Stockerau und weiter nach HOLLABRUNN.

In RETZ entern wir den Stadtplatz bei praller Sonne ab dem VERDERBERHAUS und dem STADTTURM, am stattfindenden Bauernmarkt holen wir uns zwei Frühstücksschmankerln, wir haben noch reichlich Zeit für den Bus. Es hat bei unser Ankunft - 2°C ! Eine derartige Kälte erlebten wir in diesem Herbst noch nirgends, wir sind aber gerüstet.

Der Bus bringt uns dann in zwanzig Minuten zum NATIONALPARKZENTRUM THAYATAL, kurz nach der Ortschaft Niederfladnitz, die letzten paar Kilometer herrscht über den Feldern noch eine Nebelschicht, die Sonne ist jedoch schon zu erahnen, wird aber vermutlich noch ein bisschen Zeit brauchen.

Wir zwei sind die einzigen Fahrgäste im Bus und auch am ZENTRUM ist weit und breit niemand sonst.

Wir dürften eine sehr gute Entscheidung getroffen haben, denn am wichtigsten sind uns menschenleere Wanderungen, auf denen man in die Geräusche und Laute der puren Natur eintauchen kann. Auch wir selbst bewegen uns auf sehr langen Abschnitten solcher Wanderungen wortlos und still, verständigen uns oft mit Zeichen.

Anfangs gehe ich immer sehr langsam, fast wie ein behäbiger Bär im Winterschlaf, meine Frau ist da meist ein kleines Stück vorneweg, gestern vor allem deshalb, weil sie Wärme erzeugen wollte. Ich lausche und schaue in großem Bogen rundum in den umgebenden Wald, in den wir bald nach dem Zentrum eingetaucht sind. Rauhreif auf den Feldern, vorbei an einem wunderschönen großen Feld von chinesischem Großschilf, ein feines Spiel zwischen Nebel und Sonne umgibt uns. Im Wald ist es noch duster, doch dieser Wald hier lebt ungemein!

Als erstes springt lautlos ein Reh an uns vorbei, keine 10m entfernt, obwohl viel Laub und Gehölz liegt (es ist ein Urwald mit viel Totgehölz), macht es weder Rascheln noch Knacken.

Dann geht es los!

Ich habe schon an dem Zentrum gelesen, dass es hier eine besonders feine und kleine WILDKATZENPOPULATION gibt, die von den Parkrangern beobachtet und erforscht wird.

Nun sehen wir sie, es findet immer ca. in einer Entfernung von 70-100 Metern statt. Sie sitzen auf dem Weg und sehen uns kommen. Sie "spritzen" in heftiger Bewegung auf und stürmen in den Wald links und rechts des Weges. Große Katzen, sehr grau und mit einem besonders buschigen Schwanz.

Wir kommen dann an die Stellen, wo sie saßen oder lagen, dort ist alles aufgewühlt, fast so, als ob jede Menge Wildschweine da gewesen wären!

Es sind aber nur die "Jagd- und Spielspuren" der Wildkatzen, sie wühlen das Laub auf, graben mit scharfen Krallen nach den diversen Beutetieren, vorwiegend verschiedene Arten von Mäusen und laufen auch oben über schräg liegende Baumstämme, die hier kreuz und quer liegen.

Raubvögel schreien in den nebligen Wäldern, auch sie erheben sich nun aus dem Dunkel und breiten ihre Schwingen aus, als die Sonne ganz herauskommt.

Die Strecke geht abwärts zum Flussufer der THAYA, in der Flussmitte verläuft die Grenze zwischen CZ und Ö.

Lange Zeit führt der Weg ganz nah am Ufer entlang, wir steigen über Felsen und Steine auf und ab und drüber, auf der tschechischen Seite ist ein breiter Wiesenstreifen am Fluss entlang. Die THAYA fliesst hier sehr träge und still.

Was hier ganz besonders schön ist, dass wir es vorwiegend mit dunklem Granitgestein zu tun haben, nur hin und wieder in den höheren Lagen von Kalk überlagert und auf diesem Granit wuchert überall ganz üppig Moos und zwar viele unterschiedliche Moosarten, die man sonst kaum wo sieht. Unser Weg führt uns auch vorbei an uralten, an lauschigen Plätzen gelegenen Fischerhütten, die jedoch alle, samt und sonders so aussehen, als hätten da schon lange keine Fischer mehr gelebt oder gehaust. Immer wieder auch stellen wir uns vor, wie das hier zu Zeiten des EISERNEN VORHANGS wohl gewesen sein mag, war da das gegenüberliegende Ufer vermint und mit Stacheldraht gesichert? Vermutlich schon. Die Fischer sahen bei ihrer Tätigkeit also auf ein gefangenes Land, in dem scheinbar kein menschliches Leben ausgelassen blühen durfte.

Bei einer dieser Hütten kommen wir an eine Weggabelung, wo es zum Überstieg geht. Ein Überstieg ist dort ein Weg, der die Schlaufe der Thaya abkürzt,man geht also nicht alle Uferschlaufen aus, an dem enggewundenen Fluss. Wir aber entscheiden uns für ein Weitergehen am Fluss, das verlängert zwar unsere angenommene Wegstrecke erheblich, doch dafür sehen wir noch einige Naturschönheiten, die wir sonst nicht zu Gesicht bekommen hätten.

Zu allererst einmal die VIELEN SCHWÄNE! Zuerst sind es zwei, dann aber, die Sonne ist mittlerweile schon ganz heraussen, werden es immer mehr, die sich hier sonnen, die nach Nahrung tauchen und suchen. Irgendwann hörten wir auf, sie zu zählen!

Dann kommt die große Felswand, die den Fluß zur Schlaufe zwingt, das blockige Gestein hat einen mystischen Charakter und natürlich auch die tiefe Stille.

Wir freuen uns sehr über unsere Entscheidung, bisher sahen wir einen einzigen Menschen, eine Frau in mittleren Jahren, hier wandern! Es werden dann später noch ein paar Andere kommen, doch im Wesentlichen "gehört uns" an diesem Tag das Thayatal ganz alleine!

Später dann, am gegenüberliegenden Ufer ist ein markanter dunkelgrauer Blockgranitfelsen, auf unserer Seite jedoch ist ein dicker Baum unten am Stamm von BIBERN schon halbdurchgenagt worden! Wir schauen uns um und sehen plötzlich sehr viele dünne Stämme von Büschen und Bäumen, die charakteristisch abgenagt und gefällt wurden. Ein Paar kommt des Weges, sie erzählen uns, dass die BIBER gegenüber unter dem Felsblock hausen und dass sie es schon erlebt hatten, dass alle hier herüben auf der Seite "am Nagen" waren und als sie kamen, flüchteten sie ins Wasser und es gab das mehrfache Platschen von ihrem Hineinspringen und sie schwammen nach drüben in ihre unter dem Felsen befindliche Behausungen. Langsam aber sicher bekamen wir Hunger und Lust auf unsere mitgetragene Jause, doch vorher zeigte sich noch der Abstieg vom Überstieg , den wir nicht genommen hatten, danach war die Sonnenseite einer kleinen Fischerhütte von einem anderen Paar "besetzt" und gleich danach kam eine große, fast unwirklich wirkende Wiese, von weitem schien sie wie ein eigener hellgrüner Teppich hier zu liegen, doch es war der Reif, der ihr die Farbe verlieh.

Hier rochen und spürten wir den herannahenden Winter, denn an einigen Stellen unsres Weges hatte es noch immer Minusgrade und unser Bedürfnis, für einen Jausenplatz nur an der Sonne war riesengross!

Vor uns, am Flußufer hörte man Trommeln, immer wieder ganz kurz, aber immer wieder. Bilder der alten Kelten und der Druiden tauchten vor meinem geistigen Auge auf, hier gab es früher sicher jede Menge an "heiligen Plätzen", doch genauer gesagt, hier war die ganze Welt heilig in einem Sinne von Untrennbarkeit der lebendigen Schöpfung aus Mensch, Pflanze, Tier und Stein.

Es war die Einmündung des Baches KAJA und dieser Bach darf nicht betreten und auch nicht berührt werden, denn hier leben noch die echten grossen FLUSSKREBSE, die es früher mal in allen Flüssen gab, die aber infolge der Verschmutzung der grossen Gewässer fast ausgestorben sind und eben nur ganz selten in noch reinen und unberührten Gewässern überleben konnten.

Kurz danach, wir sind inzwischen von der Thaya abgebogen und am Ufer des KAJA-Baches unterwegs, finden wir unseren Felsen zum Jausnen, eine ganz natürliche, für uns bemooste, Felsplatte.

Daneben das freundliche Glucksen und Plätschern des Baches, wie ein witziges Stimmengemurmel und hinter uns, am Flussufer, immer wieder aufbrandende Trommeln von ein oder zwei Personen, die wir noch nicht zu Gesicht bekamen.

Unsere Jause war gut und reichlich, doch lange konnten wir hier nicht sitzen, zu schnell wurde es ohne Bewegung kühl, da halfen auch die warmen Fliessjacken nicht viel.

Das Trommeln verebbte auch, die zwei weisen Frauen, die die Trommeln geschlagen hatten, bogen um die Ecke, wir grüssten uns freundlich und wir fühlten uns in diesem Moment stark verbunden.

Auch andere Wanderer kamen schnellen Schritts, alle strebten zur letzten Tageswärme hin, in die Höhe der BURG KAJA, der Bach Kaja war jetzt auch abgebogen.

Ab hier begann unser Rückweg nach RETZ, er war mit 12 km angegeben, ich hatte auf meiner Tourenuhr schon mehr als 10 km angegeben. Ab jetzt gingen wir im Nordic Walking Style, unsere Stöcke hatten wir dabei und der Weg führte abwechselnd durch Flur und Wald der Stadt entgegen. Nach Queren von Bundesstrasse und Bahnlinie, wir hörten hier nach etlichen Stunden wieder Autogelärme, strebten wir bei untergehender Sonne der schönen Stadt RETZ entgegen, die wir nach zweieinhalb Stunden erreichten.

Insgesamt waren wir inklusive aller Pausen für Fotos und Jausnen 6 Stunden und 50 Minuten unterwegs, legten dabei eine Wegstrecke von 23,4 km zurück und machten 715m im Aufstieg und 920m im Abstieg.

Mein Wecker zeigte einen Verbrauch von über 2340 kcal an!

Bei Dunkelheit fuhren wir zurück nach Wien und zu Hause gab es für mich Eisbad zur Entmüdung und meine Frau liess sich eine heiße Badewanne ein!

Danach machten wir uns ein tolles Abendessen mit viel Gemüse und tranken eine gute Flasche ZWEIGELT vom BIOWEINGUT SCHNABL in RETZ!

Es war ein guter Tag und auch die Tiere gaben uns Zeichen:

REHE, WILDKATZEN, BUSSARDE, SCHWÄNE, BIBER, FLUSSKREBSE begrüssten mich Menschlein, dem der Charme der WILDEN HORNISSE vorauseilt.

Schönen Sonntag!

pirandello

pirandello

es war noch unter Null!

pirandello

chinesisches Großschilf

pirandello

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Das ist der Wildkatzenwald

pirandello

wir kommen zum Fluß, hier in flussabwärts gesehen

pirandello

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Blick flussaufwärts

pirandello

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Ganz nah am Fluss entlang.

Die ersten, es sollten noch unzählige Schwäne folgen...

Diese Felswand zwingt den Fluss zur Schlaufe

Felstürme am tschechischen Ufer

Die einzigen Stromschnellen, die wir am Fluss sahen. Davor waren die ganzen Schwäne beim Sonnenbad.

Der Fels, unter dem die BIBER hausen

Das "Opfer" der Biber.

Über unsren Köpfen im Tal der Kaja.

Die Burgruine Kaja.

Auf dem Weg nach Retz, bei km 14,6.

Blick hinüber zum Dorf Niederfladnitz.

Wären wir hier die Bundesstrasse entlanggegangen, wären es 6km nach Retz gewesen....

In der Abendsonne, ca. 3km vor Retz.

Auch der Mond ist mit uns...

Die Windmühle zeigt uns, dass wir bald da sind.

Ein freundlicher JESUS tröstet MARIA.

Franzobel's eigenwillige Österreich-Hymne an der Hauswand einer Werbegrafikagentur in der Windmühlgasse in Retz.

Hier, auf dieser Bank am Fuße des Stadtturmes von Retz, saß einst der große, mächtige, hessische Äppelwoi-Häuptling @tourix , als ich ihn in Österreich traf!

Vom unteren Ende des Stadtplatzes, sieht man v.l.n.r. den Stadtturm, die Pestsäule und das rötlich farbene VERDERBER-HAUS:

Blick Richtung linke Stadtplatzseite.

RETZ ist wohl ein der schönsten Städte in Niederösterreich, eine traumhaft schöne Umgebung, einen guten Wein allerorten und die Nähe zu Tschechien, Znojmo (Znaim) ist keine 10 km entfernt und auch eine sehr schöne Stadt! Auch diese ist einen Ausflug wert, falls das noch einmal irgendwann möglich sein sollte.

Ich hoffe, der Beitrag bringt euch Spass beim Lesen und ihr bekommt einen kleinen Eindruck durch die Fotos.

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