Corona-Zeit. Ausgangsbeschränkung. Hochnebel über Wien.

Was gibt es Besseres, als bei diesen Bedingungen die Stadt frühmorgens zu verlassen, eine Stunde nach Süden zu fahren und von PAYERBACH aus eine tolle Wanderung zu machen, die nicht sehr hoch in die Höhe geht, nämlich auf maximal ca.1400m Seehöhe?

Unser Ziel an diesem Sonntag war der langgezogene Höhenrücken der GAHNS, der sich im Schwarzatal von Gloggnitz entlang bis nach Hirschwang an der Rax ausdehnt und sich dort an die Flanken des Schneebergs anschmiegt. Am südwestlichen Ende befindet sich dann die RAX, hinter der wiederum die SCHNEEALPE.

So wird der GAHNS eingerahmt von den 2000er Gebirgsstöcken SCHNEEBERG und eben RAX.

Insgesamt gibt das ein wundervolles Panorama und an einem Tag wie diesem, mit einem Bilderbuchwetter schlechthin für alles, was man draussen machen kann, gibt es kein Halten mehr, um dieses Panorama auch ganz und mit sauerstoffhungrigen Lungen in seiner schönsten Pracht erleben zu können.

Wir starten am Bahnhof PAYERBACH/RAX und zum Aufstieg wählen wir die Route über Geyerhof und hinter dem markanten Felsturm des Geyerstein vorbei hinauf zur Waldburganger-Hütte, die in 1190m Seehöhe gelegen ist. Eine Hüttenbewirtung ist dieses Mal nicht zu erwarten, die derzeitigen Corona-Bestimmungen verhindern das leider. Deshalb haben wir uns auch eine gute Jause und ausreichend Wasser mitgenommen.

Anfänglich geht man eine klitzekleine Strasse entlang, den Hang hinauf, an Weiden vorbei, auf denen noch einige Fohlen grasen, leider aber untermalt von einem lauten Geräusch aus dem Wald über uns. Was zum Teufel, gibt es denn Sonntag hier zu tun mit einem derartigen Getöse, es klingt wie das fletschende Geräusch der Forrester-Ungetüme, dann wieder wie eine Zerkleinerungsmaschine für Steinbrocken, die man zu Schotter verarbeiten will?

Unterdessen bieten sich uns bei klarster Luft schon die schönen Tiefblicke auf Payerbach und vor allem auf den eleganten Bogen der Viaduktbrücke der Karl Ritter v. Ghega-Semmeringbahn, die hier ihren Aufstieg zum Semmering hinauf beginnt. Wahrscheinlich wird sie bald nur mehr musealen Zwecken dienen, wenn einmal der im Bau befindliche SEMMERING-BASISTUNNEL fertiggestellt sein wird.

Zum Glück ist diese genial angelegte Bahnstrecke zum Weltkulturerbe erklärt worden, weshalb ihr Abriss sicher nicht zur Diskussion steht. Jammerschade jedoch, dass ihre Verwendung dann nur mehr kleinen Zubringerzügen zur Semmeringpasshöhe dienen wird, vielleicht auch nicht mal das, wenn die Leute, die dort hin wollen, eh überwiegendst das Auto dazu benutzen.

In der Zwischenzeit sind wir in den Wald gekommen und nun wissen wir auch, warum und woher dieses laute Maschinengetöse gekommen ist.

An einem sehr großen Lagerplatz frisst eine Maschine riesige Haufen an Holz und zerschreddert dieses und es wird mittels Gebläse auf große Traktorenanhänger geblasen. Es ist das zu Haufen geschichtete Holz aus zahlreichen Windbrüchen der vergangenen Monate und es ist auch Borkenkäferfutter, welches möglichst schnell weg muß, um dem Käfer die Nahrung zu entziehen. Ist leider gegenwärtig ein riesengroßes Problem in fast allen Bundesländern Österreichs, es gab vor einigen Jahren noch nicht so viele verheerende Stürme hier bei uns wie in den letzten 2-3 Jahren. Wir verstehen jetzt, warum auch am Sonntag mit Volldampf an der Beseitigung des Bruchholzes gearbeitet werden muß.

Der GEYERSTEIN bringt sich in Erinnerung als faszinierend interessante Kletterei, ich sehe einen langgezogenen Riss im Schwierigkeitsgrad 4-5, der sich für zukünftige Unternehmungen anbietet.

Wir aber ziehen nun unseren Weg sehr steil bergan, immer wieder in einem abwechslungsreichen Spiel von Licht und Schatten im goldenen Laub des Spätherbstes, keiner von uns kann sich an die letzte große alpine Wanderung zu so einem späten Zeitpunkt im Jahr erinnern.

Die Rampe ist steil und langgezogen, dann gibt es wieder laubweiche Wegwindungen, die Erholung für die Waden- und Oberschenkelmuskulatur bieten.

Nach einem Anstieg von 650Hm und 1h38 min ab Bahnhof Payerbach eröffnet sich oben der Blick auf die schöne Waldburganger-Hütte und die weit ausgestreckte BODENWIESE.

Wir geniessen eine lange Rast in gleissender Mittagssonne, teils mit bloßem Oberkörper, mit unserer mitgebrachten Jause und Wasser. Normalerweise hätte es hier ein Bier gegeben, es ist alles zu.

Nach der Rast entscheiden wir uns für den Weiterweg zum FRIEDRICH HALLER-HAUS der Naturfreunde, hier auch KNOFELEBEN genannt, welches auf 1250m Höhe liegt und angeblich, nach Auskunft zweier Wanderinnen in einer Stunde erreichbar sein soll. Wir wundern uns zwar ein bisschen, ob der auf der Karte sichtbaren, doch erheblichen Distanz, glauben aber den Angaben der offenbar einheimischen Frauen und gehen los. Irgendwo unterwegs, es ist alles sehr mäßig beschildert, haben wir dann eine falsche Route eingeschlagen und gingen eine weit längere Variante zur Hütte, es waren 7,5 km und wir waren beinahe zwei Stunden unterwegs obwohl es meist eben dahinging.

Macht nichts, die Sonne, die Wärme, das paradiesische Wetter taten unserer Stimmung keinen Abbruch und innerlich waren wir der Angabe der zwei Frauen auch nicht böse, der Fehler lag auf unserer Seite.

Und jede mentale Zusatzherausforderung ist als Geschenk zu betrachten, sie macht uns nur stärker und zäher!

Auch diese Hütte war zu, jedoch waren dort auf der riesigen Lagerwiese sehr viele Wanderer, auch und natürlich aus der Stadt, die diesen Sonnentag voll bis zur Neige auskosteten, und - es gab dort sogar Getränke im Winterraum, zur Selbstbedienung!

Wir hatten uns ein Bier verdient und wir genossen es so sehr, wie schon lange nicht drunten in der Stadt!

Um 14.40 war es dann höchste Zeit für den Abstieg, wir wählten den Weg durch den PROMISCHKAGRABEN hinunter, weiter durch DIE ENG, unter der SCHMALZWAND entlang. Landschaftlich wunder, wunderschön, jedoch mit der hohen Anforderung der Trittsicherheit, denn lange Zeit ging es einen felsig, steinigen Weg steil bergab, der einige Balance erforderte. Zwischendurch gab es aber auch immer Abschnitte, die auf weichem Laub dahinführten, durch goldenen Herbstwald, bis man dann an DIE ENG herankam, einem engen, sehr engen längeren Felsdurchlass, wo ober einem die Felswände in lichter Höhe zusammen zu kommen schienen, oben noch von der Nachmittagssonne bestrahlt, der blendend weiße Kalkfels, herunten zwischen den Felsen schon das kühle Dunkel des heraufziehenden Abends. An einer Stelle waren auf einer Länge von hundertfünfzig Metern Drahtseilsicherungen im Steig, denn es ging daneben steil abfallend hinunter.

Nach draussen, in die offene Landschaft konnte man den ganzen langen Abstieg lang schauen, es war ein ganz besonderes Licht der tief stehenden Sonne und als wir beim Schneedörfl draussen durchwanderten, sahen wir sogar noch die untergehende Sonne am Horizont verschwinden!

Hinter uns, hoch oben, waren die weißen Kalkklippen noch voll bestrahlt, bei uns herunten, auf dem Weg zum Bahnhof in Payerbach zurück, war schon die nächtliche Kühle erahnbar und auch das Wissen, dass es ganz oben in dieser Nacht schon einige Minusgrade geben wird.

Wir waren toll zufrieden, nach einer insgesamten Gehzeit von 5 1/2 Stunden und einer Gesamtwegstrecke von 18,2 km und insgesamt 1500 Hm im An- und Abstieg waren unsere Körper wieder einmal gut durchgearbeitet worden!

Die anschliessende Rückfahrt brachte gleich schon ab Gloggnitz Abschnitte von Nebelschwaden, doch die Fahrt zurück nach Wien verlief trotz des starken Rückflutverkehrs sehr zügig und flott.

Alles in allem ist zu sagen:

Der GAHNS lohnt sich als Wanderziel, ist zwar nicht so hochalpin, doch zu dieser Jahreszeit ideal!

Und man hat von seinen Höhen aus einen ganz tollen Rundblick zu den umliegenden 2000ern, das entschädigt für die "geringe Höhe".

Wir, und das wussten wir alle drei am Schluss des Tages, wir waren dort sicherlich nicht zum letzten Male!!!

Pirandello

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Aron Sperber

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