Die BAYRISCHEN UR-PUNKS/Herbert Achternbusch.

Wos soi i sogn?

Isser jetztn gsturbn, gestern mit 83, oda isser net gsturbn?

Er hot amoi gsogt, doss er niamois nia in Bayern oda a in München sterbm tat woin, vielleicht isses es eam gelungen und er is im Woidviertl in Österreich gsturbn, oda oba er hot da Wöd a letztes Schnippchen gschlogn?

Wos waaß ma scho, beim aus meiner Sicht vorletzten PUNK aus Bayern, der mir immer wieder einer der Liebsten war, die auf Gottes Erdboden wandeln durften und der sein Leben in einer Kurzform, wie folgt, beschrieben hat:

„Ich musste 1938 auf die Welt kommen, nachdem ich mir meine Eltern schon ausgesucht hatte. Meine Mutter war eine sportliche Schönheit vom Land, die sich nur in der Stadt wohlfühlte. Mein Vater war sehr leger und trank gern, er war ein Spaßvogel. Kaum auf der Welt, suchten mich Schulen, Krankenhäuser und alles Mögliche heim. Ich leistete meine Zeit ab und bestand auf meiner Freizeit. Ich schrieb Bücher, bis mich das Sitzen schmerzte. Dann machte ich Filme, weil ich mich bewegen wollte. Die Kinder, die ich habe, fangen wieder von vorne an. Grüß Gott!“

Jetzt lebt von meiner eigenwilligen Ansammlung von urtümlichen, auf ihre ganz verschiedene Art wirkenden boarischen UR-PUNKS nur mehr ana und der wird am 28. Februar auch bereits 78 Jahre, wird oba hoffentlich noch ein bisserl durchhalten!

Des is da SEPP MAIER.

Die ur-punkischen Vorgänger des ACHTERNBUSCH waren, in der Reihenfolge ihrer Todesjahre, folgende Originale und jeder in seinem Metier unglaublich wirksame Menschen, man muß schon sagen, dass BAYERN ein Land ist, welches immer wieder sehr originelle Typen hervorbringt, wobei man natürlich nicht weiß, ob da das Land was dafür kann oder ob das einfach nur die wunderbar widerständigen keltisch aufgeladenen Gene der Bayern sind.

Schaut man Deutschland in seiner Gesamtheit an und würde Bayern davon wegnehmen, man würde dem Land das Herz aus der Brust reißen!

Oba jetzan endlich zu meiner Reihenfolge, übern ACHTERNBUSCH HERBERT kemma nochan a no redn.

Da ist amol da KINI, da Ludwig II. der Wittelsbacher, der Schlösserbauer, gestorben 1886.

Dann der LUDWIG THOMA, gestorben 1921.

Weiter gehts mit ERICH MÜHSAM, der zwar kein geborener Bayer war, aber der in der Münchner Räterepublik gewirkt und gedichtet hat, er wurde 1934 im KZ Oranienburg ermordet.

Als nächster ist KARL VALENTIN zu nennen, gestorben 1948.

Der unvergessliche FRANZ JOSEF STRAUSS, gestorben 1988.

Im vorigen Jahr erwischte es "das kleine Müller", in Wirklichkeit ein großes Stürmer, GERD MÜLLER, er starb 75jährig im August 2021.

Nun aber zu dem unvergessenen Herbert:

Für sein Schreiben wurde er 1977 mit dem von Hubert Burda gestifteten PETRARCA-Preis ausgezeichnet. Er kam auch zur Preisverleihung und nahm den Scheck für den Preis auf der Bühne in Empfang, zerriß diesen und verbrannte ihn an Ort und Stelle!

So war Achternbusch.

1982 hatte sein Film "Das Gespenst" Premiere und wurde gleich einmal erst verboten, in D und auch in Ö und der CH. Während das Verbot später in Deutschland aufgehoben wurde, blieb der Film in Österreich und der Schweiz verboten. Warum, das fragt man sich wohl heute noch, denn es ging in diesem Film unter anderem darum, dass JESUS CHRISTUS in einer bayrischen Klosterkirche vom Kreuz steigen wollte, um mit einer jungen Ordensoberin zu vögeln. Das ertrug die katholische Kirche in Österreich gar nicht und es kam sogar zu Beschlagnahmungen dieses Films.

Ich erinnere mich an diese Zeit in den 70er und 80er-Jahren sehr gut, es gab immer wieder einzigartige Interviews, Aktionen und Statements dieses außerordentlich eigenwilligen und originellen Künstlers, er ist mir ein großes Vorbild für mein Leben geworden und ich werde ihn immer in einem besonders ehrenden Andenken in Erinnerung behalten.

Wer mehr über HERBERT ACHTERNBUSCH erfahren möchte, es gibt unzählige schriftliche Dokumente seines Wirkens und etliche Filme. Über sein malerisches Werk weiß ich nichts bis gar nichts, mir war im Grunde eigentlich vor allem der Aktionist ACHTERNBUSCH wichtig, der immer irgendwie für Unruhe und Aufruhr sorgte, was ja bekanntlich auch immer wieder die Sinne aller Zeitgenossen zu beleben imstande ist. Für mich steht er in einer Reihe mit den ganz Großen, wie MOLIERE, FRANCOIS VILLON, BORIS VIAN, TYL ULENSPIEGEL oder JOHANN NESTROY, allesamt Spassvögel der herrlichsten Art, jeder auf seine Weise.

Und das ist es, worum es letzten Endes geht, bevor das Ende kommt und sich zu einem neuen Anfang dreht!

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