Heute zu Mittag hatte ich ein extrem lustiges Erlebnis, worüber ich Euch unbedingt berichten muss!

Ich hatte in einem DIAGNOSEZENTRUM einen MR-Termin.

Das Diagnosezentrum ist ganz neu, hochmodern und befindet sich in unmittelbarer Nähe des Wiener Hauptbahnhofs.

Zum Willkomm am Annahmeschalter gabs Business as usual, Daten wurden ausgetauscht, Formblätter ausgefüllt und das alles dirigierte eine hektische weibliche Person, verschanzt hinter der dicken Glasscheibe, selbstverständlich mit obligatem MNS modernster Bauart und zusätzlich auch noch langen blauen Gummihandschuhen. Die Panik in ihr war fast mit Händen greifbar.

Ich wurde in den modernen Warteraum entlassen, wo einige andere Aspiranten saßen und aus großen Krügen Kontrastmittel süffelten. Es herrschte dort eine entspannte Atmosphäre, vielleicht waren alle schon sehr erfahren im Umgang mit der sogenannten RÖHRE?

Bald war ich an der Reihe, nachdem ich mich bis auf die Unterwäsche entkleidet hatte, wurde ich in den geheimnisvollen Raum geleitet, in dem helles Licht die Maschine in ihrer ganzen Pracht und Größe zeigte!

Zwei freundliche und sehr professionell schnelle Assistentinnen zeigten mir, wie ich mich auf die Liege zu legen hatte und bei diesem Vorgang wunderte ich mich schon über gehörte Erzählungen von klaustrophobischen Zuständen, die manche erlebten, als sie sich vorstellten, in diese "enge" Röhre geschoben zu werden. Mir erschien es wie ein sehr geräumiger Tunnel, hell, weiß und lichtdurchflutet, doch noch lag ich ja heraussen, denn am rechten Handgelenk wurde mir ein Zugang gelegt, wo sie etwas Kontrastierendes injizieren konnten, in den Bereich der linken Hand gab es einen kleinen Gummiblasbalg, den man bei Gefahr in Verzug drücken sollte, eine Alarmglocke!

Über die Ohren bekam ich noch Schallschutzhörer, außerdem die Anweisung in der ganzen Zeit eher flach zu atmen, was bei meinem MNS sowieso der Fall ist, also keine akzentuierte Bauchatmung.

Die eine freundliche Dame sagte mir, Schallschutz, weil es doch ziemlich laut sei und die andere freundliche Dame klärte mich darüber auf, dass es etwa 20 Minuten dauern werde. Zum Schluss durfte ich noch meine Arme auf Brust/Bauch legen und erwartungsvoll und entspannt sauste ich auf dem Schlitten in die RÖHRE.

Der obere Rand meines Kopfes blieb eigentlich fast im Freien, zumindest ganz am Rand, kein wirklicher Grund, um Panik zu bekommen, es blieb hell und ich schloss auch die Augen, um im Fall des Falles die bösen Geister, die einem dort vielleicht nahe kommen könnten, nicht sehen zu müssen.

Die folgenden 20 Minuten - mir kamen sie extrem kurz vor- gehörten für mich zum bisher schönsten Erlebnis, welches ich mit der modernen Apparatemedizin haben durfte.

Gleich zu Anfang dachte ich unwillkürlich, dass die MODERNE MEDIZIN in Wirklichkeit ein Teil der Unterhaltungsindustrie sei, deren Hauptaufgabe es ist, die Menschen zu unterhalten, abzulenken, zu beschäftigen, damit ihnen in ihrem gesunden Leben nicht ganz fad wird.

Dieser Gedanke erheiterte mich dermaßen, dass ab dem Zeitpunkt und mit dem Beginn der ersten, wirklich laut hörbaren Geräusche, meine Fantasie zu arbeiten begann und ich die verschiedenen Abfolgen der immer wieder ganz anders klingenden Töne wie eine Serie von Musikstücken genoss, von denen ich nur nicht wusste, welcher Komponist sie geschrieben hatte.

Es begann mit dem Erlebnis einer Musik, die vor Jahren auf den beliebten TECHNO-RAVES gespielt wurde.

Ich war nie auf einem solchen, deshalb war ich umso glücklicher, jetzt, in der MRT-Maschine völlig kostenlos aufmerksamer Zuhörer eines solchen sein zu dürfen! Die Tonfolgen dauerten jeweils, so schätze ich, 2-3 Minuten. Dann wurde es wieder kurz still, andächtig lauschte ich leisem Knacken und Klicken im Röhrl, kleine Rütteleien lockerten die Muskeln(?) und dann ging es wieder weiter in anderer Tonfolge. Nach dem RAVE war ich, so wie schon vor Jahrzehnten in Nepal, mitten in einem tibetisch buddhistischen Tempel, wo sie mit den langen Hörnern blasen, Tschinellen zusammenschlagen, die Trommeln monoton angeschlagen und schräge Töne wie von nepalesischer Hochzeitsmusik kommen. Dann kam eine Musik, wie Medidation, klang so ähnlich wie Omiomiomiomiomiomiomiomi.... Herrlich!

Immer, wenn ein lautes Geräusch verklang, wobei es mir eher wie Musik vorkam, harrte ich schon gespannt der nächsten Überraschung, die da kommen werde.

Plötzlich befand ich mich musikmäßig in einer riesengroßen Druckerei, in der Zeitungen von den Druckerpressen liefen. Unwillkürlich stellte ich mir die Frage, ob sie jetzt aus mir eine Zeitung drucken wollten, genug Stoff an Gedanken hab ich ja immer wieder in mir!?

Doch mein Körpergefühl veränderte sich nicht wesentlich in Richtung eines großformatigen Papierblattes, also war ich beruhigt und genoss den Rythmus des Lärmes der Druckerpressen.

Danach kam der Geräuschablauf, den ich aus dem Inneren von großen Mühlen in der Steiermark und in NÖ kannte, als Bauer war ich des öfteren in solchen, um Produkte von mir dort mahlen zu lassen.

Auch diese "Mühlenmusik" genoss ich voll Hingabe und wieder dachte ich unwillkürlich, ob ich jetzt zu Mehl verarbeitet werden sollte?

Körpergefühl gab jedoch Entwarnung, ich rieselte noch nicht fein zerstäubt von dem Schlitten, war noch kompakt und körperlich.

Das nächste, ich will es jetzt wirklich nicht mehr Geräusch nennen, das wäre zu abwertend, denn ich vermutete längst eine höhere Absicht hinter all diesen Tönen, waren Töne, die ich auch kannte, als meine Frau mal sehr intensiv in der Werkstatt eines Freundes unsere zwei hölzernen Seemannskisten mit gewölbten Deckeln kunstvoll restaurierte. Ein Schleifen, Schmirgeln, Polieren... etwas in diese Richtung.

Die zwei wundervollen Kisten stehen in unserer Wohnung und beinhalten einige Kostbarkeiten!

Mein Körpergefühl blieb diesmal ruhig, ich fühlte mich nicht geschmirgelt, ich freute mich an der langsam hervortretenden Schönheit der Holzmaserung.

Eines der letzten Stücke in diesem großen MRT-OPUS waren die Geräusche aus einer Fassbinderei. Ich kannte in der Zeit, als ich Biobauer in der Oststeiermark war, noch einen der letzten wirklich guten und gefragten Fassbinder, wir haben damals selbst drei unserer Fässer bei ihm machen lassen und ich war einige Male in seiner Werkstatt. Das Klopfen, das Beklopfen, das Zurechtklopfen, kurz das Klingen der genieteten Eisenreifen, all das war herrlichste Musik und hier hatte ich wieder kurz das Gefühl, die Maschine wollte aus mir ein Fass machen. Ich musste lachen, trinke ich doch für mein Leben gerne Getränke, die in Fässern reifen!

Überhaupt bemerkte ich an mir selber, das ich während der ganzen Zeit immer mehr selig vor mich hinlächelte, fast brach es schon aus mir heraus!

Gleichzeitig dachte ich mir, dass es nun bald zu Ende sein würde, obwohl ich gerne den Stücken noch länger lauschen wollte.

Aber es gab noch mal eine tönerne Sequenz, es klang wie das Schmieden einer großen Glocke, das war zumindest meine Vorstellung, denn ich war noch nie dabei, beim Schmieden einer Glocke.

Das war das Finale!

Als der Schlitten nach draussen fuhr, fragte mich eine der freundlichen Damen, die mir den Schallschutz abnahm, ob es sehr schlimm gewesen sei?

Ich sagte ihr:

Nein, ganz im Gegenteil, ich bin fast traurig, dass es schon zu Ende ist. Worauf sie mir zur Antwort gab, dass sie das sehr überrasche, wären die Allermeisten doch sehr froh, dass sie es hinter sich hätten.

Ich erzählte ihr ganz kurz von meiner Wahrnehmung und ob es einen Komponisten der verschiedenen Musikstücke gebe oder eine CD, was sie jedoch verneinte.

Ich war wieder in der anderen medizinischen Wirklichkeit angekommen, professionelle Eile und Kurzatmigkeit beherrschten das Geschehen um mich herum und ich entfernte mich rasch in die Ankleidekabine.

Mir jedoch blieb ein unvergessliches Erlebnis in tiefer Meditation in einem Gerät, welches von vielen vielleicht(?) grundlos viel zu sehr gefürchtet wird(?) ob seiner Enge und seines Lärms. Irgendwie könnte man danach süchtig werden!

Für mich war es ein Wunder an Glückseligkeit und ein Geschenk der Medizin, der ich ansonsten ja mit großer Skepsis und Distanz gegenüberstehe.

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