SCHMALZTRIEFENDE AUTORITÄRE und HERZERFRORENE INTELLEKTUELLE.

Was rein oberflächlich gelesen und betrachtet sehr widersprüchlich aussieht, ist in Wirklichkeit die tagtäglich zu erfahrende Äusserungsebene auf Internet-Plattformen, wo sich Communities von mehr oder auch weniger Menschen treffen, die versuchen, sich gegenseitig mit Meinungen auszutauschen oder auch zu bewerfen, je nach Befindlichkeit und Tagesverfassung der einzelnen Tauschhändler.

Wir befinden uns zufällig hier auf einer solchen Plattform, die angeblich von vielen geschmäht und verabscheut, von anderen wiederum als ihre eigentliche Heimat betrachtet, mangels einer erfüllenden eigenen, von ganz wenigen, so vermute ich zumindest, jedoch heiß geliebt wird, weil sie doch auf eine ziemlich unerfindliche Weise genial und einfach konzipiert ist.

Allein über diese drei Blickpunkte ließe sich schon wieder trefflichst streiten, wenn man das wollte, aber wer will das schon, angesichts einer nervenzerfetzenden Pandemie, deren "Gefährlichkeit" ihresgleichen sucht und die verdammt nochmal sehr, sehr ernst genommen zu werden hat.

Es geht schließlich um nichts weniger als um LEBEN ODER TOD und da macht man nun einmal keine blöden Spässe drüber, das Leben könnte doch sonst ganz plötzlich und unerwartet auch noch lustig werden, wenn es der für alle vorgesehene Tod schon nicht ist!

Dazu ein Satzerl, welches bei mir in der Küche über den Gewürzen hängt, die ja bekanntlich auch "lustig" machen können:

Kurz mal nicht aufgepasst und - ZACK - biste glücklich.

Doch muss ich nochmals zur ersten Zeile meiner Betrachtung zurückkehren, um das mit der Widersprüchlichkeit zu klären.

So widersprüchlich die zwei Begriffspaare auch aussehen, so ähnlich und gleich wirkend sind sie. Da gibt es die AUTORITÄREN, denen das Gefühlsschmalz nur so aus der Feder rinnt, wenn sie von Tierleid schreiben oder ähnlich grauslichen Tatbeständen in der grausamen Wirklichkeit der Welt, sie sind da, um alle Ungerechtigkeiten dieser Welt plötzlich zum Absprungbrett für ihre ganze geballte Wut über ihr eigenes nicht gelebtes Leben zu machen und ihre Empörung darüber kennt schier keine Grenzen. Sie suchen die Schuld und gleichzeitig ihre eigene Absolution immer oder fast meistens bei vermeintlich ideologisch konträr gepolten Zeitgenossen, vorzugsweise bei Politikern aller Couleur, je nach Blickwinkel ihres eigenen Standpunktes und erheben, drohend schüttelnd ihren Zeigefinger gegen den Himmel, um die Verdammnis ihrer Gegner förmlich vom Himmel herabzuzwingen, auf dass sie schnell wieder in Ruhe ihrer monotonen Couchpotatoe-Existenz weiter frönen dürfen, um dort in ihrer Langeweile die nächsten präsumptiven Opfer ausfindig zu machen, sei es im ganz gewöhnlichen TV, in ihren letztklassigen Gratisschmalzblattln oder in ihren garantiert luftdichten FACEBOOK-Blasen, wo sie sich verabreden und Fotos von ihren possierlichen Haustierchen und sonstigen Parasiten austauschen.

Das triefende Schmalz der Autoritären erinnert seltsamerweise immer an imaginäre Daumenschrauben, die sie mit ihren Tiraden den vermeintlichen Lesern und Zwangszustimmern anlegen wollen, damit diese sicher miteinfallen in den jammernden Mitleidschor der berührt Betroffenen, der so ungerecht Behandelten, der vor Abscheu und Widerlichkeit sich Ekelnden, die ALLE GEWALTTÄTER am besten sofort einer raschen Entmannung oder auch Entleibung zuführen wollen.

Vorzugsweise sehen sich diese Individuen natürlich auch als klassische Angehörige einer realitätsbezogenen Mitte, was sie jedoch mitnichten meist gar nicht sind, aus dem einfachen Grund, weil es für sie ein völlig fremder und unbekannter Zustand ist, in (ihrer) Mitte zu sein. Menschen jedoch, die sicht- und spürbar meistens in ihrer Mitte sind und eine innere Balance ausstrahlen, werden von den sich mittig und mitten in der rauen Realtität stehend Fühlenden meist als Extremisten oder milde ausgedrückt, als Irrläufer betrachtet.

Das sind im Wesentlichen die autoritären Schmalzler, nicht zu verwechseln mit IDENTITÄREN, das sind ganz andere, durchaus oft ziemlich surreale und sympathische Zeitgenossen.

Der unlebendige, wie gesagt, nur scheinbare Widerspruch zu diesen sind die HERZERFRORENEN INTELLEKTUELLEN, deren täglich Brot die stetige Erinnerung an eine nazifizierte Welt ist und die gnadenlos mit aller Schärfe ihres scharfrichterlichen Wortes arrogant und hochnäsig alles in die Pfanne hauen, was ihren Urahnen CALVIN und LUTHER und MARX als zu fremdartig und wenig genau am Worte klebend vorgekommen sein mag. Ihre Werkzeuge sind ein loses Maul und ein gepfeffert hohler Anspruch auf Einzigartigkeit ihrer winzigen Lebenserfahrungen, die sie meist, unter einer Glocke von Rauch und zahllosen ekstatischen Tanz-Hanfpartys, ummünzen in eine postpunkische Sprache von Gemeinheiten und entwurzelten und heimatlosen Argumenten, die einzig und allein dazu dienen, ihren Alleinanspruch auf die EINZIGE WAHRHEIT dingfest zu machen. Ihr hervorstechendstes Kennzeichen ist nie endenwollende SUCHT, sie süchteln nach allem, was man sich nur denken kann oder auch, was man für denkunmöglich hält. Sie sind vordergründige Konsumverweigerer, doch im Konsumieren jedes neuen Hypes oder jeder zeitgeistigen Haltung und moralgeschwängerter Ideologie sind sie unerreicht, was sie zur deutlich spürbaren Annahme bringt, dass sie ewig jung wären und die ALTEN als verzopft betrachten dürfen, jedoch die kümmerlichen Ausformungen jeder Jugendkultur und Bewegung glorifizieren und sei es bloß deshalb, um mit der eigenen Brut mithalten zu können. Emotionales Schmalz trieft auch bei ihnen, man muss aber schon ganz genau hinhören, um es tropfen zu hören, ihre Leidenschaft gehört jedoch sehr dem kalten, scharfen Stahlskalpell von Beleidigungen, mit dem sie eiskalt in die Gefühle missliebiger Menschen hineinschneiden können.

Vor ihrem vernichtendem Urteil ist fast niemand sicher, das lässt die evangelische Ursuppe einfach nicht zu.

Dazwischen gibt es fast nichts mehr. Früher waren Originale, Spinner und mystische Einzelgänger, wenn schon nicht hochgeachtet, so doch mit einem gewissen Wohlwollen geduldet und man hatte auch die notwendige Geduld mit ihnen, man denke nur an KARL VALENTIN, an HERBERT ACHTERNBUSCH, an WOLFGANG NEUSS, früher noch an ERICH KÄSTNER, KURT TUCHOLSKY oder OTTO GRÜNMANDL, an FRITZ GRÜNBAUM, an CHARLES BUKOWSKI, JACK KEROUAC oder JERRY RUBIN, die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, wiewohl mir nun auch noch HENRY MILLER und ROBERT M. PIRSIG einfallen.

Ich bin als Jugendlicher in einer Zeit in Graz aufgewachsen, als dort ein PETER HANDKE, ein WOLFI BAUER und ein PETER TURRINI Furore machten.

Auf heutigen Internet-Plattformen, auch auf dieser hier, wird man beinahe gelyncht, verbal natürlich, wenn man zwischen den Welten steht, sich einer eigenen Sprache und eigener Gedanken bedient und in einem Kommentar mehr als drei Sätze schreibt. Wohlwollende machen dir den gutgemeinten Vorschlag, auch nur ganz kurz zu kommentieren, weil das Lange eh niemand liest!

Emotionen und vernunftorientierte Gedanken werden gar nicht verstanden bzw. spürt man eine heillose Überforderung einzelner User, die sich mit wirklichen Gefühlen oder wirklichen Gedanken einfach nicht auskennen und sofort paranoid werden, wenn es ein Mensch wagt, "echt" zu sein. Sie bekommen dann regelrechte Anfälle von Verfolgungshirngespinsten oder von einer triebgesteuerten Ausschließungsmanie, was es in dieser Form vor dem Internet sicherlich nicht gab.

Ich möchte aber nicht ausschließlich das "INTERNET" dafür verantwortlich machen, generell ist es wohl eher Witzlosigkeit oder besser gesagt, fehlender Humor und der Unwille, selbst zu denken und selbst zu spüren. Dass dafür aber Zeit und Muße notwendig wären, die sich im besonderen aber die Vertreter der exemplarisch geschilderten Pole weder nehmen noch nehmen wollen, ist selbstredend. MUße WÜRDE SIE IMMENS AUF SICH SELBST ZURÜCKWERFEN und das ist etwas, was man tunlichst vermeiden sollte, denn dabei gäbe es unter Umständen etwas zu entdecken, was entweder komplexer oder selbsterkennender wäre als das übliche Gefeixe und Gewitzel und Gestammel, was sich eben so mal leicht absondern lässt, das ganze schmalzige Getriefe, das derzeit hoch im Kurs steht, nicht zu vergessen.

Wenn es jenseits vom Altbekannten Spuren zu ziehen gilt, sind 99 % beider geschilderter Pole einfach nur zu faul und zu verschlossen, um es zu tun oder um es wenigstens andere tun zu lassen.

Deshalb sind diese beiden Pole kein Widerspruch, sondern sie bedingen einander und sind wie siamesische Zwillinge nicht getrennt vorstellbar.

Dass sie dabei den kleinsten gemeinsamen Nenner immer weiter nach unten nivellieren, weil die VERBLÜFFUNG für sie alle ein Fremdwort ist, ist das traurige Ergebnis dieser amputierten Kommunikation ohne jedes Gefühl.

Man hält "Gefühligkeit" hier für Gefühle, man hält jede Art der Empörung für gerecht und ein Gefühl, doch FÜHLEN, das kennt nur der Mensch, der in seiner Mitte ist und in dieser Mitte gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Denken und Fühlen und Handeln, dort fließt das alles zu einem harmonischen Ganzen zusammen und nimmt sich jede Zeit der Welt, um wirklich erfühlt zu werden.

Es ist jammerschade, auf welch armseligen Untiefen unsere Sprache zur Ablage gekommen und wie groß inzwischen die halsstarrige Unduldsamkeit mit allen Aussenseitern und schrulligen Zeitgenossen geworden ist, man spürt förmlich den unbändigen Vernichtungswillen am eigenen Leib, den diese strukturfreilegende CORONA-DIKTATUR in sehr vielen Menschen hervorgekitzelt hat, mit dem sie nur auf den geeigneten Startschuss warten, damit sie mit dem Ausgrenzungs- und Vernichtungsfeldzug gegen die letzten verbliebenen Freigeister loslegen können.

Mir ist diese Stimmung ganz ehrlich gesagt, "unheimlich" und es heimelt mich gar nichts daran an, wenn ich merke, dass ihr auch ganz intelligente und sympathische Menschen zum Opfer gefallen sind.

Ich erwarte mir von den beiden skizzierten Polen gar nichts, keine Einkehr, keine Einsicht, keine Achtung und kein Innehalten. Der Zug zu einem ganz neuen Faschismus mit ganz gleichen Mechanismen ist abgefahren, ist auf Schiene und wird immer schneller, ist unstoppbar.

Es ist, wie es ist und es wird auch wieder einmal anders sein, doch jetzt, mitten in diesem Krieg, der sich da Bahn bricht, werden alle Dämme brechen und die Feixer und die messerscharfen Guillotinierer werden so weitermachen, bis sie am Ende der blutigen Ernte die Letzten sein, aber auch drankommen werden.

POLARITÄT ist wichtig, notwendig und unabdingbar, doch die Pole sollten sich ergänzen, vereinigen und befrieden, so etwa, wie die PYRENÄEN in großer, weitspannender Liebe den Atlantik mit dem Mittelmeer vermählen, so wie die ALPEN vom gemütlichen WIEN bis zum hitzig leidenschaftlichen NIZZA reichen und damit dem geduldigen Weitwanderer eine Palette an wahren Gefühlen zu bieten haben, die er im herrschenden zeitgeistigen Leben vergeblich suchen wird.

Vor meinen Augen, in meiner neuen Heimat Kärnten, wird ein langgezogenes Gebirge in seiner ganzen Ost-West-Ausdehnung von jedem Standort auf meinem Anwesen jeden Tag zu jeder Stunde zu sehen sein, wenn klares Wetter herrscht. Es ist ein Gebirge, welches den weiblichen Pol im YANG-Zentrum (männlich) Europas repräsentiert, während das YIN-Zentrum (weiblich) die Region um Genf herum repräsentiert, deren Gebirgszug, das MONTBLANC-Massiv dem männlichen Prinzip zugehörig ist.

Ich fühle mich dort geschützt und geborgen, holen können dich die Häscher dort auch....

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