Die Causa Grönemeyer - Kunst & Politik

Jetzt mal im Ernst: Musiker? Das sind doch diese Typen, vor denen man seine Töchter warnt. Und wer käme jemals auf die Idee, einen Musiker um Rat in geschäftlichen oder organisatorischen Angelegenheiten zu fragen? Wer käme je auf die Idee, einen Musiker zu fragen, welche Partei man wählen soll? (Von POMMES LEIBOWITZ)

Gerechter Zorn

Einige meinen, Grönemeyer wetterte in "gerechtem Zorn" gegen aktuelle Entwicklungen. Gerechten Zorn kennen wir von Gott, der wiederholt versuchte, die offenbar misslungene Menschheit auszurotten. Gefühlt "gerechten Zorn" (Zorn ist IMMER gefühlt) kennen wir auch von Hitler, der sich über die drohende jüdische Weltverschwörung ereiferte. Dem offenbar abwesenden Gott machte er damit ernsthafte Konkurrenz, was die Ausrottung der Menschheit angeht. Brauchen wir gerechten Zorn?

Grönemeyer im Sportpalast - (c) Pommes Leibowitz

Was ich eigentlich sagen will: Wir brauchen keine pseudomoralischen Empörer, wir brauchen Menschen mit Verstand, die Lösungen entwickeln können. Lösungen die funktionieren, dann ist egal, ob sie kompliziert oder einfach sind.

Kunst, Kultur & Politik

Bis vor einigen Jahren war es noch ein Tabu, sich als Nicht-Politiker parteipolitisch zu äußern. Das ist ja nicht nur eine Kompetenzüberschreitung, im Falle von Promis ist es auch Machtmissbrauch. Machtmissbrauch bedeutet, dass man Macht (Prominenz, Vorbildfunktion) in einer Weise ausübt, für die sie nicht gedacht ist und für die sie nicht verliehen wurde.

Möglich war dieses Verschwimmen von Politik und Kultur überhaupt erst durch den moralischen Imperativ einer Merkel. Damit wurde das postfaktische Zeitalter eingeleitet. Es geht nicht mehr um Fakten, Argumente und Lösungen, sondern nur noch um richtig und falsch, gut und böse. Und das bekommen eben selbst Musiker irgendwie hin. Und mehr kann auch die Mehrzahl der heutigen Berufspolitiker leider nicht.

Ein Problem der zeitgenössischen Politik ist auch, dass es keine Politiker mehr gibt, die Charisma haben. Deshalb verstecken sich solche Mini-Diktatoren wie ein Heiko Maas, der Deutschland die Zensur zurückbrachte, hinter zwar komplett verrückten aber zweifelsohne irgendwie charismatischen Grölemännern.

Oder Merkel und Co hinter eifernden kleinen Mädchen, und sei es auch nur, um höhere Steuern durchzusetzen.

Aber gerade heute, wo nicht mal mehr sicher ist, ob Musiker auch nur Musik können, und "Künstler" überhaupt Kunst, fühlen sich immer mehr Musiker und Künstler berufen, den Menschen zu sagen, was sie zu meinen haben. Oft werden sie auch schlicht gefragt, von Journalisten, die sich - ebenfalls meist kenntnisfrei - berufen fühlen, Menschen zu sagen, was sie zu meinen haben.

Neu ist, dass man inzwischen sogar Kinder nach ihrer politischen Meinung, ja ihren "wissenschaftlichen Erkenntnissen" fragt.

Es ist eine Art Kumpanei entstanden, zwischen Medien, Politik und Kunstszene. Vertritt man die richtigen Meinungen, bekommt man Stipendien und staatliche Förderung, allmal Auftritts- oder Ausstellungsmöglichkeiten. Es herrscht dabei eine Homogenität, eine geistige Gleichschaltung, die man unter denkenden Wesen, von Kulturschaffenden ganz zu schweigen, für unmöglich gehalten hätte.

Wobei allerdings viele Produkte der zeitgenössischen Kultur ähnlich peinlich sind wie die zeitgenössische Politik an sich. Kein Handwerk, keine Kompetenz, nur moralinsaure Predigten. Es scheint sich um eine Gesinnungsgemeinschaft der Realitätsverweigerer, der Missionare und Propheten des gelobten Landes zu handeln, die sich da zusammenfand und zumindest die Medien und die etablierte Politik kontrolliert.

Karikaturen

Es gab einmal eine hohe Zeit der Karikatur. In den 70er und 80er Jahren zierten Politiker- und Promi-Karikaturen sogar die Titelseiten großer Magazine wie Stern und Spiegel. Heute, in Zeiten des politischen Korrektheitswahns, traut sich das kaum noch jemand.

Herbert Grönemeyer

Irgendwer empört sich ja immer. Also lieber glattgebügelten, meinungsfreien Mainstream durch den politischen Korrektheitsfilter laufen lassen, als womöglich was Falsches sagen oder tun. Und irgendwie ist eine Karikatur ja grundsätzlich diffamierend. Humor generell. Man lacht nicht MIT den Leuten, meistens lacht man ÜBER sie. Humor ist nicht politisch korrekt. Die Welt ist nicht politisch korrekt.

Dennoch, bei gewissen Leuten geht es immer noch. Da ist sogar weit mehr als Satire oder Karikatur erlaubt. Erdogan darf Ziegenficker sein. Donald Trump als Rassist und Nazi bezeichnet werden. Kurz als "Baby-Hitler". Menschen mit falscher Meinung sind ja generell alles Nazis. Da ist ein Hitlerbärtchen auf Politikers Gesicht voll lustig. Und so einfallsreich.

Es herrscht also eine eifernde Doppelmoral:

Selbst leiseste Kritik an den Ikonen der postfaktischen Verblödung, von Greta bis Grönemeyer (von amtierenden Politikern ganz zu schweigen), wird als Blasphemie empfunden. Da Scheiterhaufen gerade nicht zur Verfügung stehen, muss man sich vorerst noch mit der Nazikeule begnügen. Aber die wird in immer neuen Varianten um die Ohren der Ketzer und Sünder geknüppelt. Weitere soziale und berufliche Ausgrenzung bleibt vorbehalten ...

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