Die Gesellschaft in der Zange der Empörungskultur

Von POMMES LEIBOWITZ | Könnt ihr auch nachts nicht mehr schlafen, weil überall Nazis rumlaufen? Weil sich das Klima ändert und keiner tut was dagegen? Weil es fiese Leute und Politiker gibt, die eine andere Meinung haben als ihr? Weil unsere Sprache (angeblich) das männliche Geschlecht bevorzugt, obwohl es doch so unzählig viele verschiedene Geschlechter gibt, die unbedingt "gleichberechtigt" berücksicht werden müssen?

Willkommen im Club der Dauerempörten.

Was allerdings zunächst mal lustig klingt, ist längst zu einer biblischen Plage geworden, die die Medien und die Politik maßgeblich deformiert. Ein paar Beispiele aus jüngster Zeit:

- Ein Radiosender in Ohio spielte zu Weihnachten den Klassiker "Baby It's Cold Outside", in der Version von Michael Bublé. Millionen (weiblicher) Fans lieben sowohl Michael Bublé als auch diesen Song. Einige Feministinnen sahen in dem Lied aber einen "Date-Rape-Song", eine Aufforderung zur Vergewaltigung und ein grundsätzlich falsches Signal in Zeiten der MeToo-Bewegung.

Der Sender nahm den Titel aus dem Programm. Und ich kann nur jeden Mann warnen, im Winter eine Frau wärmend in den Arm zu nehmen. Die soziale Vernichtung ist vorprogrammiert.

- Adidas bringt zum "Black History Month" einen weißen Turnschuh heraus. Was für ein Fehltritt, Und was für ein Shitstorm auf Twitter.

Der geistig Normale fragt sich allerdings, ob Schwarze denn nicht auch gerne weiße Sportschuhe tragen?!

- Bloomingdale's bringt ein T-Shirt mit der Aufschrift "Fake News" heraus. Eine Reporterin sah dadurch die harte Arbeit von Journalisten diskriminiert, löste auf Twitter einen Shitstorm aus und Bloomingdale's nahm das T-Shirt vom Markt.

Wenn jetzt jemand ein T-Shirt mit der Aufschrift "Lügner" herausbrächte, würden sich dann alle ehrlichen Menschen als Lügner diskriminiert fühlen?

Wenn jemand ein T-Shirt mit der Aufschrift „Männer sind Scheiße“ herausbrächte. Würde sich irgendjemand darüber aufregen? Aber wehe, jemand brächte ein T-Shirt mit „Frauen sind …“ heraus, das muss nicht mal negativ sein. Es würde sofort als "frauenfeindliches Stereotyp" angeprangert.

Und dann noch die beiden Klassiker:

H&M und seine angeblich rassistische Werbekampagne!

Das komplett Irre daran: Das „Urban Dictionary“ (eine Art Wiki für englische Umgangssprache), wo lange Zeit zu lesen war, dass der „Coolest Monkey in the Jungle“ das coolste Kind im Stadtviertel ist, wurde 2018 überarbeitet. Dort steht jetzt, dass diese Formulierung in den USA „geächtet“ wäre. Ohne weitere Erklärung.

So werden nach und nach auch die Nachschlagewerke, die Fakten selber, durch einen mittlerweile pathologischen Korrektheitswahn deformiert. Auch Wikipedia hat dieses Schicksal ereilt.

- Und dann natürlich Haribo und seine ethnischen Lakritzmasken. Lakritze, inspiriert von afrikanischen, asiatischen und indianischen Masken, wie sie mancher Weltreisende oder Völkerkundler in seiner Wohnung hängen hat. Wurde vom Markt genommen, weil sich eine Handvoll Verrückte darüber aufregte. Und wenn es Katzen oder Bären sind, regen sich dann die Tierliebhaber und Naturschützer auf? Oder die Teddywerfer?

Es gibt aber auch positive Beispiele für den Umgang mit den Dauerempörten

Die deutsche Firma True Fruits: „Sexistisch, rassistisch, frauenfeindlich und Rape-Culture fördernd“ ist der Tenor für nahezu sämtliche ihrer Werbekampagnen. Hier eines ihrer "widerlichen" Produkte:

Große Aufregung in den sozialen Medien. Auch der Werberat wurde eingeschaltet.

Einfach mal richtig hingucken: Da sind Männer und Frauen, Schwarze und Weiße, so wie Gott sie schuf, aber in jugendfreier Stilisierung zu sehen. Wo ist das Problem? Aber natürlich, der Empörungseffekt der Empörungswütigen war vorprogrammiert, und vermutlich setzt man da immer wieder ganz bewusst darauf.

Weitere geniale Werbesprüche von Truit Fruits:

Für einen Saft mit Chiasamen: „Oralverzehr, schneller kommst Du nicht zum Samengenuss.“

Cashew-Saft: „Voulez vous Cashew avec moi?“

Ganz schlimm war auch „abgefüllt und mitgenommen“. Klar, das fördert natürlich die Rape-Culture.

Auf eine schwarze Flasche schrieben sie "Unser Quotenschwarzer". Hier haben sie klein beigegeben. Das war das einzige Produkt, das vom Markt genommen wurde. Der Druck war zu groß, da spielen Vernunft und Maß überhaupt keine Rolle mehr.

Hier eine der typischen Reaktionen dieser Firma auf die üblichen Empörungs-Orgien:

„Wir sind das regelmäßige Lamento einiger Zwangsempörter gewöhnt und entschuldigen uns bei allen, die davon ebenfalls zu Recht gelangweilt sind.“

Fazit:

Dies alles sind ja nur eher harmlose Beispiele, auch wenn sie den Firmen sicherlich Millionenschäden zufügten (worunter auch die Mitarbeiter und die staatlichen Steuereinnahmen zu leiden haben). Viel schlimmer aber ist, dass diese permanente

EMPÖRUNGS-ERPRESSUNG

unsere gesamte Gesellschaft verunstaltet. Die Medien springen auf jede sich abzeichnende Empörungswelle auf, hypen sie. Die Politik lässt sich davon beeindrucken, fürchtet sie, denn Empörungswellen schaden sowohl dem Image von Personen als auch Parteien.

Es setzen sich die Duckmäuser durch, die Scheinheiligen, die skrupellosen Empörungs-Inszenierer, die virtuos mit den Schlüsselreizen der Medien und der emotionalisierten Empörer spielen.

Es werden politische Entscheidungen auf den Weg gebracht, die komplett irrsinnig sind, wie z. B. die Vergewaltigung unserer Sprache durch pseudowissenschaftliche Genderologen, die groteske Diskussion über dritte und weitere Geschlechter usw. Alles das hat mit den Menschen, der Bevölkerung, den Wählern absolut nichts zu tun. Es sind verrückte Inszenierungen einer vor Empörung verrückt gewordenen Politik.

„Empörung ist negativer Narzissmus.“

Julia Kristeva (frz. Psychoanalytikerin)

Empörungsgutschein

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