Von POMMES LEIBOWITZ | Für immer mehr Menschen, auch Journalisten, selbst Wissenschaftler, verschwimmen die vorgenannten Begriffe zu einem postfaktischen Einheitsbrei. Es wird nicht mehr unterschieden zwischen Tatsache, These und Meinung, sondern nur noch nach "Gut" und "Böse", eigener Meinung und fremder "Verirrung", eigener Offenbarung und fremder "Leugnung".

Die Begriffe werden primär verwendet, um eigene Meinung auf, und fremde abzuwerten, jenseits ihrer eigentlichen Bedeutung.

Faktenverwirrung

Ich will hier anhand von Beispielen zeigen, in welcher Form diese Verwechslungen oder zumindest ungenauen Abgrenzungen im Alltag, auch im Medienalltag, immer wieder vorkommen. Zunächst die Kurzfassung:

- Fakten (Tatsachen) sind verifizierbare Sachverhalte. Und verifizierbar heißt nicht, dass es in der Zeitung stand, dass es eine "allgemein anerkannte" Sichtweise, eine aktuelle wissenschaftliche These oder medialer Konsens über einen Sachverhalt ist. Über die Realität kann nicht demokratisch abgestimmt werden. Dass die Erde flach ist, war auch lange Zeit ein anerkannter, aber eben nicht verifizierter Sachverhalt.

- Quellenbeleg: Quellen (Bücher, wissenschaftliche Veröffentlichungen, Zeitungen, Datenbanken) sind zusammengefasste Informationen, Fiktionen, Thesen und Meinungen, die auf Fakten, wissenschaftlicher Methodik oder wenigstens journalistischer Sorgfalt beruhen können, aber nicht müssen, bzw. genauso gut eben kompletten Unsinn verbreiten können. Ein Quellenbeleg ist deshalb kein Beleg für die Richtigkeit eines Sachverhalts, sondern nur ein Beleg dafür, dass es eine Quelle gibt. Selbst die Wissenschaft hat die Wahrheit nicht gepachtet, sondern ist eigentlich eine Geschichte permanent korrigierter Irrtümer. Von den Medien ganz zu schweigen.

Dieser entscheidende Unterschied wird vielfach nicht gesehen oder zumindest ignoriert. In der Presse, bei Wikipedia und häufig auch in den Wissenschaften, werden Quellenbelege bereits als Beleg eines Sachverhalts empfunden.

(c) Pommes Leibowitz

- Indizien sind Anzeichen, von denen sich mit gewisser Wahrscheinlichkeit auf einen Sachverhalt schließen lässt. Je mehr Indizien und je naheliegender die Schlussfolgerung aus diesen, desto näher kommt man einem Beweis, also der Verifizierung eines Sachverhalts. Es handelt sich aber immer nur um eine Annäherung. Letztlich steigt nur die Wahrscheinlichkeit für die Richtigkeit eines Sachverhalts.

- These bezeichnet eine zu beweisende Behauptung oder einen Leitsatz. Die Gegenbehauptung kann eine Antithese sein. Was die Wenigsten wissen und selbst manche Wissenschaftler gerne vergessen: Thesen sind unbewiesene Behauptungen bzw. Annahmen. Antithesen sind deshalb genauso wichtig und berechtigt wie die Thesen selber. Das gilt auch aber nicht nur für die (höflich formuliert) gewagten Thesen des Weltklimarates.

- Studien sind mit mehr oder weniger wissenschaftlicher Methodik ermittelte und zusammengestellte Daten zur Klärung bzw. Einschätzung von Sachverhalten. Es wurden dafür gewisse Mindeststandards definiert, die allerdings, wie Studien über wissenschaftliche Studien zeigten, in ca. 80 Prozent der Fälle nicht eingehalten werden. Und das ist nicht die einzige Fehlerquelle bei Studien. Ähnlich wie bei Gutachten gibt es zu fast jeder Studie auch eine Gegenstudie, und die Aussagekraft ist gering, oft sogar vorsätzlich irreführend.

Balkonraucher

- Meinung muss natürlich nicht erläutert werden, es muss nur auf das Phänomen verwiesen werden, dass viele Meinungen - auch in den Medien - als "Faktum" gehandelt werden, weil sie so verbreitet sind. Oder weil es sich um die "heilige" eigene Meinung handelt. Gewissermaßen gefühlte Fakten. My opinion is my castle.

- Fake News sind, wörtlich übersetzt, gefälschte oder erschwindelte Nachrichten. Inzwischen ist dieser ohnehin populistische Begriff zum politischen Kampfbegriff geworden und hat auch die dafür notwendige Bedeutungsunschärfe erreicht. Er wird primär verwendet, um einem politischen Gegner den Vorsatz, die öffentliche Meinung zu manipulieren, zu unterstellen. Was der Pflasterstein im Glashaus ist, denn jeder Politiker und auch die meisten Journalisten versucht ja, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, also zu manipulieren. Man nennt das auch Meinungsbildung.

Der Begriff Fake-News ist, aufgrund des permanenten Missbrauchs und der fehlenden Präzision, selbst zur Fake-News geworden, also zum Paradoxon.

- Leugnen kann man nur Tatsachen, also Fakten. Man kann nicht wissenschaftliche Thesen oder Meinungen leugnen, man kann keinen demokratisch ermittelten oder medial vorgetäuschen Konsens leugnen.

Man kann den Holocaust leugnen, der ein tatsächliches und hinreichend dokumentiertes Geschichtsereignis war. Man kann eine Straftat leugnen, die man nachweislich begangen hat. Man kann Gott leugnen, was für fanatische Gläubige eine Sünde ist. Aber man kann kein "Klima leugnen". Dieser quasireligiöse, ja volksverhetzende Kampfbegriff sollte zum Unwort des Jahrzehnts erklärt werden.

Das ist Fakt!

"Der menschengemachte Klimawandel ist Fakt!"

"Das wurde gestern in den Nachrichten gebracht, das ist Fakt!"

"Alle Welt weiß, dass das so ist, das ist Fakt!"

Ein Gleichnis/Parabel:

Wenn ich meine Frau zum Fenster rausschmeiße, weil sie dauernd rumnörgelt, dann ist das zwar Fakt, aber für diejenigen, die draußen die Leiche finden, ist zunächst mal nur Fakt, dass sie tot ist. Nach einigen Untersuchungen kann man eventuell rekonstruieren, dass sie aus dem Fenster gefallen ist, sehr wahrscheinlich gestoßen wurde, und der einzige Tatverdächtige der im Haus befindliche Ehemann ist.

Fakt ist aber zunächst nur, dass es einen Ermittlungsbericht gibt bzw. geben wird. Er fasst aufgenommene Spuren/Daten zusammen, die eine Rekonstruktion des mutmaßlichen Tathergangs erlauben (oder auch nicht), die Indizien und günstigstenfalls Beweise sind. Ein wirklicher Beweis wäre aber nur, wenn jemand mit der Kamera gefilmt hätte, wie ich sie aus dem Fenster schmeiße. NUR dann wäre es Fakt, dass ich sie aus dem Fenster geschmissen habe. Behauptet es der Zeuge dagegen nur, dann ist es ein Indiz, dessen Gewicht von seiner Glaubwürdigkeit abhängt.

Auch genetische Spuren, Fingerabdrücke und so weiter sind nur Indizien. Die Fingerabdrücke sind Fakten, nicht aber was man aus ihnen folgert. Selbst ein Geständnis ist kein hinreichender Beleg, dass ich der Täter war. Faktum ist dann nur, dass ich ein Geständnis abgelegt habe.

Wenn ich schließlich durch ein Gericht aufgrund hinreichender Indizienlage verurteilt werde, dann ist noch immer nicht Fakt, dass ich der Täter war, sondern nur, dass mich ein Gericht als solchen verurteilt hat. Dieses Urteil ist dann ein Faktum, auf das in Quellen (Datenbanken) verwiesen wird, auf die dann wiederum andere Quellen (Medienberichte) Bezug nehmen, wenn sie mich als "verurteilten Mörder" bezeichnen. Aber weder diese Quellen sind "Fakten" (nur dass sie darüber berichten, ist ein Faktum), noch dass ich tatsächlich der Täter war, sondern in den meisten Fällen ist eben nur das Gerichtsurteil ein Faktum. Nicht die Quellen, nicht der Vorgang der zum Tod meiner Frau führte!

Fakten sind also von der Verifizierbarkeit bzw. Beweisbarkeit abhängig. Und die ist in vielen, womöglich den meisten Fällen unmöglich.

Der Ausspruch "das ist Fakt" ist deshalb in der Regel völliger Unsinn. Ebenso wie der Ausspruch "das sind Fake-News", für Dinge, von denen nie behauptet wurde, dass sie Fakten wären. Meist handelt es sich bei solchermaßen verunglimpften Meldungen eher um Einschätzungen, Analysen, Thesen usw.

Fazit: Die Begriffe "Fakten" ebenso wie der Gegenbegriff "Fake-News" werden fast immer falsch verwendet.

Thesen und Theorien

These bezeichnet, wie oben schon dargelegt eine noch zu beweisende Behauptung oder einen Leitsatz. Fügt man Thesen zu einem in sich logisch geschlossenen Modell/System zusammen, das ihr Zusammenwirken erklärt bzw. logisch schlüssig macht und Prognosen für reale Ereignisse erlaubt, spricht man von einer Theorie.

Beispiele: Einsteins Relativitätstheorie. Sie basiert u. a. auf der These, dass es kein absolutes Bezugssystem gibt bzw. geben kann. Im weiteren fließen dann reale Beobachtungen und Thesen zu einem kompletten Denkmodell zusammen. Einsteins Relativitätstheorie erlaubt die Prognose von Ereignissen im Makro- wie auch im Mikrokosmos (Teilchenphysik), ist deshalb unentbehrliches Instrument für die Wissenschaft, aber eben nicht bewiesen, keine Tatsache. Tatsache ist nur, dass sie als Modell in vielen Bereichen funktioniert.

Gleiches gilt z. B. auch für das Wellenmodell des Lichts. Es ist nur ein Denkmodell, basierend auf der Wellenthese, von der man ja sogar weiß, dass sie eigentlich nicht stimmen kann, die aber in der Praxis funktioniert, soll heißen, brauchbare Ergebnisser hervorbringt.

Eine weitere Theorie sind die Klimamodelle des IPCC. Auch sie basieren auf unbewiesenen Thesen, und haben, im Gegensatz zur Relativitäts- und Wellentheorie, bislang noch keine brauchbaren Prognosen hervorgebracht. Keine einzige der Prognosen des IPCC aus den letzten Jahrzehnten ist eingetreten.

Thesen werden in der Regel durch Indizien erhärtet (nicht bewiesen). Allerdings besteht die Gefahr der subjektiven Auswahl der Indizien, da man seine These (davor sind auch Wissenschaftler nicht gefeit) gerne bestätigt sehen möchte. Noch größer ist die Gefahr, dass Thesen für wahr angenommen werden, weil eine Mehrheit der Wissenschaftler (oder der Medien) ihnen zustimmt. Demokratische Abstimmung ist aber kein Beweis für die Richtigkeit einer These. Das ist, als würde man im Matheunterricht die Klasse über das richtige Ergebnis abgestimmen lassen.

Studien

Um mehr Geld für Ihre Forschung zu bekommen, sind Wissenschaftler immer wieder versucht, Ergebnisse vorzeitig zu veröffentlichen, zumal, wenn sie neu und weltbewegend erscheinen. Da werden dann schon mal kleinste Tendenzen aufgebauscht, unzureichende Daten für hinreichend erklärt, und hier und da womöglich auch ein bisschen zurechtgebogen.

Während in der Physik experimentelle Ergebnisse erst ernst genommen werden, wenn sie vielfach wiederholt und geprüft und von mehreren Arbeitsgruppen bestätigt sind, und um das 5-fache über den Standardfehler einer Messung hinausgehen, ist das in anderen Wissenschaftszweigen nicht so.

In Medizin, Psychologie, und ganz aktuell der sogenannten "Klimaforschung" werden immer wieder Zufallsbefunde und selektiv ausgewählte Daten zu "wissenschaftlichen Erkenntnissen" aufgebauscht. Was auch den derzeitigen Streit zwischen Physikern und "Klimaforschern" erklärt.

Dennoch eine Rechnung, die beim Klima zur Zeit wunderbar aufgeht. Es ist zum Job- und "Stipendien"-Motor für unzählige Wissenschaftler und selbsternannte Forscher geworden. Wer nicht auf diesen Hype aufspringt, ist selber schuld.

Noch krasser verhält es sich bei den Markt- und Meinungsforschungsstudien.

Deren Ergebnisse (Studien) sind oftmals schlicht frei erfunden:

"Zusammengesetzt ergeben die Puzzlesteine ein erschreckend klares Bild: In der Branche wird zuweilen planmäßig manipuliert."

Quelle: Der Spiegel

Hintergründe wissenschaftlicher Arbeit werden hier erläutert:

https://harald-walach.de/methodenlehre-fuer-anfaenger/16-was-heisst-wissenschaftlich-bewiesen-das-replikationsproblem-in-der-forschung/

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