wenn Dummheit als Erklärung völlig hinreichend ist. [Von Pommes Leibowitz]

Tatsache ist, dass Politik, Weltbilder, selbst die doch primär auf Zahlen beruhende Finanzwirtschaft, immer irrationaler werden, sich also umgekehrt proportional zur unbestreitbaren Zunahme von Bildung, Informationsstand und technologischem Fortschritt der menschlichen Gesellschaft verhalten.

Filmplakat der gleichnamigen Verfilmung von Fede Alvarez, 2018

Was ist da naheliegender als der Versuch, durch mehr oder weniger schlichte Verschwörungstheorien, wieder Ordnung, Logik, Sinn ins Chaos zu bringen.

Aber was, wenn es gar keinen Sinn gibt, keinen Plan,

sondern einfach nur sich viral verbreitende Desinformation, gepaart mit Denkfaulheit bzw. in den Entscheidungs-Eliten auch schlicht Zeitmangel und Überforderung.

Anhand einer Reihe von Beispielen will ich zeigen, wie oberflächlich durchaus logisch erscheinende Gedanken und Folgerungen komplett in die Irre führen können, und zwar Normalos, Politiker, Experten und Wissenschaftler gleichermaßen.

Bildung und Sorgfalt schützen nicht vor gravierenden Denkfehlern, im Gegenteil, vielfach beruhen bereits Bildungsinhalte auf durch permanente Wiederholung etablierten Denkfehlern, die dann viral verbreitet werden.

Unzureichende Daten

Je mehr Daten man hat, desto besser. Allerdings hat man fast niemals hinreichende Datenmengen, sondern immer nur eine mehr oder weniger grob gerasterte und verzerrte Abbildung der Realität, einem Puzzle mit zu wenig Teilen gleich, auf Mutmaßungen basierend zusammengesetzt.

Am Beispiel eines drehenden Rades will ich zeigen, wie eine Halbierung der Daten (z. B. eine langsamere Filmkamera) das Ergebnis ins Gegenteil verkehren kann. Einige haben das vermutlich schon im Fernsehen beobachtet, dass sich ein Auto vorwärts bewegt, während die Räder sich rückwärts zu drehen scheinen. Hier die simple Erklärung.

In welche Richtung dreht sich das Rad

Fazit: Je mehr Daten man hat, im vorliegeden Fall je mehr Fotos/Momentaufnahmen man hat, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man die richtigen Schlüsse zieht. Es ist deshalb wahrscheinlicher, dass sich das Rad nach rechts, als dass es sich nach links dreht. Beide Datenlagen sind aber nicht hinreichend für eine zwingende Schlussfolgerung. Das Rad könnte sich z. B. auch um ein Vielfaches schneller drehen (was mit den vorhandenen Bildfrequenzen gar nicht erfasst werden kann), oder es schwingt einfach nur hin und her.

Dieses Problem der NICHT HINREICHENDEN Daten haben wir z. B. auch bei den Corona-Hochrechnungen oder den Klimaprognosen. Es ist nicht nur möglich, sondern sogar sehr wahrscheinlich, dass die Vorhersagen falsch oder zumindest übertrieben sind, da die Datenlage keine zwingenden Schlüsse erlaubt und die Interpretation der Daten auf Theorien und teilweise sogar Denkfehlern beruht.

Hanlon's Razor

Die Überschrift meines Beitrags ist eine Variation von Hanlons Rasiermesser:

"Never attribute to malice that which can be adequately explained by stupidity."

Der Name Hanlon ist vermutlich eine Falschschreibung des Autors Robert Heinlein, der in "Logic of Empire" sinngemäß das gleiche schrieb:

"You have attributed conditions to villainy that simply result from stupidity."

Das "Rasiermesser" (engl. razor, frz. scalpel) schließlich ist ein Begriff der Wissenschafts- und Erkenntnistheorie, mit dem Ausschlussverfahren für spekulative Erklärungsmodelle (Theorien) bezeichnet werden. Ein bekanntes Ausschlussverfahren ist, unter mehreren Theorien/Erklärungen der jeweils einfachsten den Vorzug zu geben.

Im Zeitgeist dagegen sind "einfache Lösungen" ja verpönt. Was ein postfaktischer Unfug ist, der sich nur in denk- und lösungsunfähigen Kreisen, also u. a. in Medien, populistischer Politik und manchen Geisteswissenschaften etablieren konnte und dort das Finden und Realisieren von praxisgerechten Lösungen erfolgreich verhindert.

Der persönliche Mikrokosmos

Man ist geneigt, persönliche Erfahrungen und Beobachtungen zu verallgemeinern, so lange man keine anderen Daten kennt. Hier am Beispiel eines Strudels auf einem nach innen gelagerten Balkon. Der Wind scheint von rechts zu kommen, tatsächlich aber weht er außerhalb des Balkons von links.

Wind in Balkonien

So sieht mancher in seiner kleinen Welt die Gefahr von der falschen Seite kommen ;)

Voltaire und die Muscheln

Im 18. Jahrhundert gab es einen Streit zwischen Sintflut-Forschern und Voltaire. Erstere sahen in Muschelfunden im Gebirge einen Beleg für die Sintflut, Voltaire dagegen fand das reichlich weit hergeholt und meinte, viel wahrscheinlicher wäre doch, dass Wanderer dort Muscheln gegessen oder diese als Schmuck bei sich getragen und verloren hätten.

Heute wissen wir, dass BEIDE Unrecht hatten. Aber dennoch ist es ein schönes Beispiel, wie Daten häufig nur missbraucht werden, um persönlichen Glauben zu bestätigen. Diese Art, mit Daten umzugehen, findet sich bei Religionen und Ideologien ebenso wie bei den Corona- und Klimarecken, bei "Leugnern" und "Gläubigen" gleichermaßen. Das Ergebnis ist vom Glauben vorgegeben und wird dann durch bewusste und/oder unbewusste Datenselektion eifrig belegt.

Monokausalität am Beispiel von Steuererhöhungen

Man erhöht die Steuern und schon hat der Staat mehr Geld.

Das ist absolut logisch, aber nur, wenn die zu versteuernden Beträge gleich bleiben.

Was aber passiert mit den zu versteuernden Beträgen, wenn man die Steuern erhöht?

- Kapital wird in andere Länder transferiert, wo es geringer versteuert werden muss.

- Investoren weichen ebenfalls auf andere Länder aus, wo die zu erwartenden Gewinne dank geringerer Abgaben höher ausfallen.

Folge: es entsteht Kapitalmangel, der zu Investitionsstau und höheren Zinsen für Kredite führt.

- Der Verbraucher hat aufgrund der Abgaben weniger Geld und kauft auch weniger.

- Leistungsträger (Ingenieure, Wissenschaftler, Unternehmer) verlassen das Land, da andernorts für sie - unterm Strich - wesentlich mehr übrig bleibt.

- Leistungsempfänger (Arbeitslose, Aufstocker) nehmen gleichzeitig zu.

- Mancher Arbeitgeber/Unternehmer gibt sein Geschäft auf, da die Gewinne gemessen an Aufwand und Risiko zu gering werden. Andere fahren die Produktion zurück oder verlagern sie ins Ausland.

Folge: Die Produktion verringert sich, Innovation verringert sich, Arbeitsplätze gehen verloren, eine Abwärtsspirale beginnt, und nicht nur der Staat hat WENIGER statt mehr Geld in den Taschen ...

Die oben angeführten Punkte sind nicht zwingend, aber durchaus wahrscheinlich und zeigen, wie komplex die Sachlage ist und wie gefährlich monokausale Logik in einer komplexen Welt sein kann. Leider ist monokausale Logik (wenn überhaupt Logik) auch in der Politik längst die Regel. Die Berufspolitiker haben sich dem Niveau der Mehrheit ihrer Wähler angepasst oder nie ein anderes gehabt.

Mathematische Modelle

Zur Zeit wird alles Mögliche mit "mathematischen Modellen" vorhergesagt. Und Mathe ist ja ein so schwieriges und intelligentes Zeug, da muss eigentlich unbedingt richtig sein, was diese Modelle sagen, oder?

So, wie Alter nicht vor Torheit schützt, schützen Mathematik und Fachwissen nicht vor Irrtümern!

Mathe ist nur ein Instrument, ein Mercedes statt eines Fahrrads, aber lenken muss immer noch der Mensch.

Aber was genau ist das überhaupt, ein mathematisches Modell? Im Prinzip sind solche Modelle Formeln, komplizierter zwar als Dreisatz oder A² + B², aber doch im Wesentlichen das Gleiche.

Wie ist das nun mit Formeln? Es kann nur das Richtige herauskommen, wenn man das Richtige hineinsteckt, also die richtigen Zahlen an der richtigen Stelle. Wer beim Dreisatz über und unterm Bruchstrich verwechselt (beliebter Fehler), der wird auch mit dieser schönen Formel nicht zu brauchbaren Ergebnissen kommen. Desgleichen, wenn schon die Daten, die man einsetzt, fehlerhaft sind. Das gilt ganz genauso für mathematische Modelle.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist: Formeln und Modelle werden von Menschen gemacht. Sie sind also im Zweifelsfall genauso fehlerhaft wie die Menschen, die sie gemacht haben. Bei einer Formel kann man schnell überprüfen, ob sie zu brauchbaren Ergebnissen führt. Bei mathematischen Modellen, die immer auf Theorien beruhen, geht das häufig nicht. Einstein konnte erst lange nach seinem Tod durch Beobachtungen und Versuche bestätigt werden, und das auch nur teilweise. Die Coronaprognosen wird man frühestens in einem Jahr bewerten können. Die Klimaprognosen erst in 10 oder 20 Jahren.

Und bei alledem muss man sich bewusst sein, dass die meisten wissenschaftlichen Theorien sich im Nachhinein als falsch erwiesen haben. Im Gedächtnis bleiben halt nur die, die sich bewährt haben und durch Erfahrung belegt werden konnten.

Nicht vergessen: Auch, dass die Welt eine Scheibe ist, war und ist eine Theorie. Unbrauchbar wird eine Theorie aber nicht dadurch, dass eine Mehrheit, auch der Wissenschaftler, sie gut oder doof findet (Einstein fanden fast alle doof, Darwin und Freud ebenfalls), sondern dadurch, dass sie belegt oder widerlegt werden kann. Gegenthesen sind keine Widerlegung und erst recht kein quasireligiöses "Leugnen", sondern einfach nur Mitbewerber im Wettstreit um die Wahrheit.

Bis dahin muss jede Theorie als eine unter vielen gesehen werden, bis sie belegt oder widerlegt ist. Das gilt für Mainstreamthesen wie den menschengemachten Klimawandel oder das ach so gefährliche Corona genauso wie für angebliche Verschwörungstheorien. Es sind alles nur Theorien ...

14
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
6 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

LaMagra

LaMagra bewertete diesen Eintrag 01.05.2020 23:23:07

nzerr

nzerr bewertete diesen Eintrag 28.04.2020 07:25:23

philip.blake

philip.blake bewertete diesen Eintrag 27.04.2020 21:46:18

invalidenturm

invalidenturm bewertete diesen Eintrag 27.04.2020 18:52:04

Aron Sperber

Aron Sperber bewertete diesen Eintrag 27.04.2020 11:05:24

Radiergummi

Radiergummi bewertete diesen Eintrag 27.04.2020 03:19:35

Tourix

Tourix bewertete diesen Eintrag 26.04.2020 23:37:56

gloriaviennae

gloriaviennae bewertete diesen Eintrag 26.04.2020 20:11:15

MartinUSH

MartinUSH bewertete diesen Eintrag 26.04.2020 18:28:26

rigoletta

rigoletta bewertete diesen Eintrag 26.04.2020 17:01:10

Zaungast_01

Zaungast_01 bewertete diesen Eintrag 26.04.2020 15:33:29

Benjamin

Benjamin bewertete diesen Eintrag 26.04.2020 15:08:45

Charlotte

Charlotte bewertete diesen Eintrag 26.04.2020 14:56:00

Claudia56

Claudia56 bewertete diesen Eintrag 26.04.2020 14:35:51

42 Kommentare

Mehr von Pommes