Sind wir nicht alle ein bisschen rassistisch?

Von POMMES LEIBOWITZ | Vor mir auf der Landstraße, wieder so ein seniler Rentner aus dem Nachbarort, Wolfenbüttel. Man sieht das Nummernschild und weiß Bescheid. Die fahren ALLE so. Tuckert auf der Landstraße mit 60 vor mir her, und bei jeder kleinen Biegung geht er herunter auf Schritttempo, so dass ich geradezu genötigt werde, dicht aufzufahren. 2 Meter, 1 Meter plus Lichthupe. Nutzt alles nix, der merkt ja nix mehr. Ich fordere Fahrverbot für alle Autos aus diesem Rentnerkaff. Wolfenbüttler raus!

"Geh doch zuhause du alte Scheiße!"

Neulich beim Fußballspiel, im Chor. Egal ob jetzt die gegnerische Manschaft gemeint ist, der unfähige Schiedsrichter, oder der Arsch, der gerade ein Eigentor geschossen hat. Ist Wurst, gehört zur Fußballkultur. Man disst die gegnerische Mannschaft und sagt, ja schreit Dinge, für die die brave Frau zuhause längst das Nudelholz hervorgeholt hätte.

(c) Pommes Leibowitz

Aber wehe, der fragliche Spieler ist ein Schwarzer. Oder Moslem. Au weh, die kann man doch nicht nach Hause schicken, das ist ja Pegida, voll Nazi!

Gewisse Leute sind gleicher als andere, da muss man jedes Wort auf die Goldwaage legen, so, wie einst dem Adel gegenüber. Weiße Männer darf man jederzeit verunglimpfen und beschimpfen. Manch andere von Fall zu Fall. Aber doch niemals nicht keine Farbigen, Muslime, Behinderte, Schwule, Transsexuelle, Frauen usw. Also da hört der Spaß aber auf, da sind selbst harmlose Witze verboten ...

Rassismus?

Was für ein großes Wort und längst auch politischer Kampfbegriff für oft ganz normale Dinge des Alltags. Wir sind keine Rassisten, wenn wir Negerküsse mögen und verdammt noch mal auch so nennen. Küssen war noch nie rassistisch. Und Zigeunerschnitzel sind auch nicht rassistisch sondern lecker.

Wir sind auch keine Rassisten, wenn wir finden, dass (nur als Beispiel) Italiener temperamentvoll sind, viel und schnell reden, ihre Mama lieben und alle anderen Frauen für Freiwild halten. Das ist ein Klischee, aber kein Rassismus. So, wie auch die Zigeunerromantik (Lagerfeuer, musizierende Männer, tanzende Mädchen) nur ein Klischee ist, ein zudem positives.

Die ganze Welt besteht aus Klischees,

jedenfalls für die darin herumkrabbelnden Lebewesen. Sie können sich nur an dem orientieren, was sie jeweils wahrzunehmen und zu verstehen in der Lage sind. Jede Gattung hat da ihren speziellen Mikrokosmos, jeder Mensch seinen eigenen Blickwinkel und Horizont. Und so macht man sich Abbilder von der (persönlich wahrgenommenen) Realität, die im Alltag Orientierung bieten.

Das gilt selbst für die Wissenschaft. Sie schafft Modelle, Abbildungen der Realität, die für den Moment Sinn und Orientierung bieten, aber schon morgen durch andere, ebenfalls vereinfachende, auf zwangsläufig begrenzter Kenntnis basierende Modelle ersetzt werden können.

Wenn jemand glaubt, keine Vorurteile oder Klischees zu haben, dann lügt er sich in die eigene Tasche. Er hat nur andere Klischees und Vorurteile als die Mehrheit, und ist darüber hinaus auch noch zu doof, eben dieses zu erkennen.

Wer also sagt, dass die Italiener so und so sind, der weiß, dass das ein Klischee ist. Wer dagegen behauptet, dass alle Menschen gleich wären, der merkt nicht mal, dass das ein noch viel dümmeres Klischee ist, das zudem frei erfunden ist, also nicht auf Erfahrung und erlangten Eindrücken beruht, geschweige denn auf Wissenschaft.

Haben Brasilianer Musik im Blut?

Dass Brasilianer die Musik im Blut haben, Briten distanziert und verklemmt sind, Deutsche fleißig und humorlos, Juden geschäftstüchtig und hinterhältig, Franzosen pausenlos quasselnde Kettenraucher, Polen Diebe, Schwarze Drogenhändler, Muslime Islamisten und Russen Mafiosis sind, das alles ist kein Rassismus. Es sind Klischees. Und es sind Vorurteile, wenn man diese Klischees auf eine Einzelperson anwendet. Aber Beides hat nichts mit Rassismus zu tun, sondern beides sind unvermeidliche, zur Natur des Menschen gehörende Verhaltens- und Denkweisen.

Zum Rassismus wird es erst, wenn man daraus generelle, allgemein akzeptierte oder rechtlich fixierte Vor- oder Nachteile für die gesamte vom Klischee betroffene Gruppe ableitet. So etwas gibt es in vielen Ländern, vor allem in Afrika und Asien, wo die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Ethnie, Sippe oder Glaubensrichtung zu einer Frage des Überlebens, mindestens aber der Akzeptanz werden kann. Aber sicherlich gibt es das nicht in der westlichen Welt. Nicht mehr!

Vorurteile und Klischees sind wichtige Orientierungshilfen!

Wir können nichts wissen, über den Fremden, der zu uns kommt. Also rufen wir unsere "Datenbank" von subjektiven Eindrücken, Klischees und Vorurteilen ab, in der Wissenschaft auch Thesen auf Basis unzureichender Daten genannt, und haben damit eine erste Orientierung.

Davon auszugehen, dass der Fremde exakt genauso wäre wie wir und nur mit den besten Absichten käme, wäre ebenfalls ein Vorurteil. Oder eben schlicht gefährlich naiv.

Rassismus und Diskriminierung

Man kann Vorurteile nicht verbieten,

man kann sie nur widerlegen. Das ist Aufgabe jedes davon Betroffenen. Es gibt niemanden auf der Welt, der nicht schon von Vorurteilen betroffen war. Niemanden. Erfolg aber basiert auf Taten, nicht auf Herumheulen.

Und sind es etwa keine Vorurteile, wenn von linken Journalisten (und ihren Nachplapperern) Trumpwähler als dumme, ungebildete Rednecks vom Lande bezeichnet werden? Diese "Rednecks" sind oft hochtechnologisch ausgerüstete landwirtschaftliche Unternehmer, mit womöglich größerem Know How als mancher Studierte, und mit einem Einkommen, das weit über dem Durchschnitt liegt. Sie sind die Basis des Landes, denn sozialistische und feministische Thesen kann man nicht essen und die erwirtschaften auch keine Steuereinnahmen.

Vergleichbare linke Vorurteile gibt es über die "dummen" Ossis. Da in beiden Fällen größere Gruppen in widerlichster Weise diffamiert werden, handelt es sich zudem nach deutschem Recht um Volksverhetzung. Es mangelt nur an einer noch funktionierenden Rechtsprechung, die Straftaten statt Politik verurteilt.

Worum es bei diesem "Rassismusgequatsche" tatsächlich geht:

Eine ideologische Minderheit will mittels der Moralkeule ihre persönlichen Klischees und Vorurteile (böse alte weiße Männer, böses Patriarchat, böser Kapitalismus, böse Rechtspopulisten, alle Menschen außer den Vorgenannten sind gleich usw.) allen anderen aufzwingen, ja einprügeln.

Und da erfolgt der Schritt vom Vorurteil hin zum Faschismus und Rassismus!

Meine Vorurteile sind richtig und deine sind falsch, denn ich bin erleuchtet und Du bist doof und böse. Deine falschen Vorurteile machen dich zu einem minderwertigen Wesen, das diffamiert, ausgegrenzt, am besten sogar bestraft gehört.

Wie sagte Henryk Broder so schön:

"Die Deutschen sind dermaßen damit beschäftigt, den letzten Holocaust nachträglich zu verhindern, dass sie den nächsten billigend in Kauf nehmen."

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